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PLZ, Ort, Bundesland
l 13.09.2010 15:58

Wie effektiv ist die neue Hitzetherapie gegen Krebs?

Können Operationen, eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie den Krebs nicht besiegen, so vertrauen neue Studien nun auf die Wirkung der Hitze – die sogenannte „Thermotherapie mit Nanopartikeln“ kann den Krebs von innen heraus bekämpfen.

 

Mehrere Jahrzehnte haben Forscher in Berlin an der neuen Methode gearbeitet, um endlich eine schmerzfreie Krebstherapie zu entwickeln. Die Forscher des Unternehmens „MagForce Nanotechnologies AG“ führten eine Studie an der Neurochirurgischen Klinik in Berlin durch, die viel versprechende Ergebnisse bei Patienten mit bösartigen Hirngeschwüren (Glioblastomen) aufzeigte: Die Krebszellen konnten durch die Hitze weitestgehend abgetötet werden. Dieser Erfolg führte dazu, dass MagForce Ende Juni die europäische Zulassung für ihre Nano-Krebs®-Therapie erhalten hat. Nun plant das Unternehmen das Vermarktungs- und Vertriebskonzept für die Markteinführung des Verfahrens in Deutschland und den anderen europäischen Ländern. Vor allem werden Gespräche mit den Krankenkassen zur Erstattung der Therapie geführt.

 

Das Verfahren:

"Unser Ziel ist es, die Lebenserwartung der Patienten signifikant zu erhöhen", so derGeschäftsführer Dr. Andreas Jordan. Allgemein geht es darum, vor allem den Patienten, die keine Hoffnung auf Genesung haben, mehr Lebenszeit zu ermöglichen. Bisher wird die Thermotherapie nur als Ergänzung anderer Krebsbehandlungen gebraucht.

Ziel ist es, den Krebs von innen heraus zu bekämpfen. Bei der Behandlung wird feiner Eisenoxidstaub in die bösartigen Krebsgeschwülste injiziert und dann in einem Wechselmagnetfeld erhitzt. „Die Tumorzellen werden dabei richtiggehend gekocht: sie platzen oder werden stark geschwächt“, erklärt Dr. Jordan. Die flüssige Substanz (5-7ml), die etwa 100 Mrd. magnetische Nanopartikel enthält,  wird also direkt in den Tumor gespritzt. Die behandelnden Ärzte führen bei jedem Patienten ca. sechs Behandlungen in drei Wochen in dem dafür angepassten Magnetfeldapplikator durch. Dieses Gerät erzeugt das Wechselmagnetfeld, wodurch es in den Krebsgeschwülsten bis zu 70°C heiß wird und diese dadurch zerstört werden.

Zudem haben die Forscher eine nanochemische Hülle erstellt, die sicherstellt, dass nur die Geschwülste den Eisenoxidstaub aufnehmen und die gesunden Zellen nicht darauf reagieren. Die Eisenpartikel können dann die Krebszellen nicht verlassen, da die Hülle, die aus Aminosilanen besteht, die Partikel im Tumor verklumpen lässt. Die Nanopartikel, die nicht mehr benötigt werden, werden in der Milz und der Leber gespeichert und dort langsam abgebaut.

 

Nebenwirkungen:

Die Behandlung verläuft schmerzfrei, einige Patienten verspüren lediglich ein leichtes Wärmeempfinden. Es wurden bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen entdeckt. Vor allem die bei Prostata-Krebs bekannten Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz treten bei der Thermotherapie nicht auf.

 

Zunächst wurden nur Patienten behandelt, die weder durch Operationen noch durch Chemotherapie vom Krebs geheilt werden konnten. Bei vielen der für nicht therapierbar erklärten Patienten konnten nach der Nano-Behandlung gute Ergebnisse nachgewiesen werden.  Im Durchschnitt überlebten die Patienten 13,4 Monate länger als Menschen, deren Krebserkrankung nicht mit der Thermotherapie behandelt wurde. 

 

yourFirstmedicus.de meint:

Diese neue Hitzetherapie gegen Krebs steht zwar noch in ihren Anfängen, dennoch konnten schon bemerkenswerte Fortschritte erzielt werden. In Zukunft soll die Therapie auch für die Behandlung von Speiseröhren-, Brust-, Leber-, und Gebärmutterhalskrebs geprüft werden.

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