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Herr Dr. med. Rainer Bohlayer
76275 Ettlingen
Arzt
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Wissenswertes zur Psychosomatik und Psychotherapie aus Sicht der Chinesischen Medizin
BeobachtenPsychische Störungen drücken sich auch körperlich aus. Schon der Psychoanalytiker C.G. Jung schätzte die Chinesische Medizin und Philosophie und ließ sie in seine eigene Arbeit einfließen. In seinem Vorwort zur Übersetzung des chinesischen Textes „Geheimnis der Goldenen Blüte“ sagt er: „Es ist aber gerade der Osten, der uns ein anderes, weiteres, tieferes und höheres Begreifen lehrt, nämlich das Begreifen durch das Leben“. So spiegeln die meisten Krankheiten lebensgeschichtliche Belastungen oder die schwierige Lebenssituation des betreffenden Menschen wider. Bei vielen Patienten zeigen sich solche Lebenskrisen aber nicht nur psychisch und vegetativ in Depressionen, Ängsten, Schlafstörungen oder Unruhe usw., sondern sie drücken sich auch über körperliche Beschwerden aus, für die sich ein Psychotherapeut aber nicht kompetent fühlt. Dieses Defizit kann die Chinesische Medizin beseitigen, denn sie ist in ihrer einzigartigen Sicht- und Erkenntnisweise eine ganzheitliche Medizin im Sinne der Einheit von Körper, Geist und Seele. Dies macht sie für die Psychologie und Psychotherapie besonders interessant, da so der Mensch auf allen drei Ebenen Hilfe erhält und tiefgreifend Heilung erfahren kann.
Qi vermittelt die Einheit des Lebens zwischen Körper, Psyche und Geist
Wenn Ärzte die Notwendigkeit erkennen, neben dem Körper auch die Psyche ihrer Patienten zu behandeln und sich deshalb zum Psychotherapeuten fortbilden, fehlt ihnen in unserer westlichen Medizin immer noch das Verbindungsglied zwischen Körper und Psyche, etwas, das beide Bereiche zusammenführt und sie durchdringt, etwas, das aus dem Körper einen beseelten Leib macht bzw. das dem Geist und der Psyche auch körperlichen Ausdruck verleiht. Die Chinesische Medizin liefert dieses missing-link in Form der allen Lebenserscheinungen gemeinsamen Energie „Qi“. Qi verwirklicht die Einheit des Lebens auf energetischer Ebene. Gleichzeitig weist es über den Menschen hinaus und eröffnet eine tiefgreifende spirituelle Dimension des Heilens.
Im Gegensatz zur westlichen Psychosomatik stellt die Chinesische Medizin keinen Ursache-Wirkungszusammenhang zwischen den psychischen und körperlichen Symptomen einer Erkrankung her. Vielmehr ist das eine wie das andere wesensgleicher Ausdruck einer beiden gemeinsam zugrunde liegenden Disharmonie des Qi, die sich einmal mehr im grobstofflichen, einmal mehr im feinstofflichen Bereich des energetischen Feldes manifestiert. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: ein Mensch erleidet nicht wegen einer unbewältigten Trauer infolge eines Verlustes einen Asthmaanfall, sondern Asthma und Trauer sind vielmehr wesengleicher Ausdruck der Disharmonie im ganzen energetischen Feld des Organfunktionskreises Lunge. Einmal lebt der Patient u. U. mehr den feinstofflicheren psychischen, einmal mehr den grobstofflicheren somatischen Aspekt seiner Erkrankung. So gibt es keine Spaltung zwischen Soma und Psyche.
Heilung bedeutet Ganzheit
Die Chinesische Medizin ist Jahrtausende alt, aber ihre Prinzipien haben auch heute noch Gültigkeit in Diagnostik und Therapie. Ihre Grundaussagen können heute auch Psychotherapeuten in Fragen der diagnostischen Einschätzung und der Auswahl der bestmöglichen Interventionen helfen.
Aus Sicht der Chinesischen Medizin ist der Ursprung aller Dinge das „Dao“, das namenlose Eine. Diese Einheit und die ihr innewohnende Ganzheit ist die Grundlage für die gesamte Traditionelle Chinesische Medizin. Jede somatische oder psychische Krankheit kann als ein „Fallen aus der Ganzheit“ betrachtet werden. Wir sind dann nicht mehr ganz, damit nicht mehr heil, nicht mehr gesund. Heilung bedeutet das Wiederfinden meiner ursprünglichen Ganzheit, und da kann die Chinesische Medizin auch in der Psychotherapie sehr hilfreich sein.
Krankheitsursachen
Störungen der Lebensenergie Qi mit Symptomen und Zeichen auf der körperlichen, psychischen, geistigen Ebene können durch äußere oder innere Einflüsse zustande kommen. Zu den äußeren krankmachenden Faktoren zählen in der Chinesischen Medizin die bioklimatischen Einflüsse von Wind, Hitze, Nässe, Trockenheit und Kälte, die spezifisch den Energiehaushalt und den Energiefluss der fünf Organfunktionskreise beeinträchtigen können. Klinisch sehen wir das z.B. in der Wind- und Zugluftempfindlichkeit bei Migräne-Patienten oder Allergikern oder in der Abneigung gegenüber Kälte und Feuchtigkeit bei Rheumatikern und bei Erkrankungen des Bewegungsapparates. Innere pathogene Einflüsse korrelieren mit den Emotionen. Für die Psychologie und Psychotherapie ist dabei von Bedeutung, dass jedem Organfunktionskreis eine spezifische Emotionslage zugeordnet ist, die mit entsprechenden Körperstrukturen energetisch in Verbindung steht. Jede dieser emotionalen Grundenergien ist zunächst an sich völlig wertfrei – weder positiv noch negativ. Die gesunde Wut, die gesunde Angst oder die gesunde Trauer erfüllen eine wesentliche Aufgabe zur Bewältigung einer entsprechenden Lebenssituation. Erst der übermäßige Einfluss einer Gemütslage – zuviel Angst oder zuviel Ärger, an dem ich festhalte - wirkt sich krankmachend aus, dies möglicherweise körperlich, psychisch und geistig.
Stellenwert der Psychologie und Psychotherapie in der Chinesischen Medizin
Die alte Chinesische Medizin hat differenzierte Kenntnisse über die energetischen Beziehungen zwischen Körper, Psyche und Geist in den fünf Organfunktionskreisen erarbeitet. Die heutige Weiterentwicklung der Chinesischen Psychosomatik ist aber vor allem dem Einfluss der westlichen Psychotherapie und Psychologie zu verdanken. So sehr wie die Chinesische Medizin die westliche Medizin um die Dimension der Energetik bereichert und damit ein Bindeglied zwischen den bei uns getrennt behandelten Ebenen von Körper, Geist und Seele zur Verfügung gestellt hat, so sehr hat der Westen der Chinesischen Medizin die Dimension der modernen Psychologie hinzugefügt. In Deutschland ist viel Pionierarbeit auf diesem Sektor geschehen und v.a. die Jung´sche Psychologie, die Bioenergetik und die transpersonale Psychologie haben diese Arbeit stets inspiriert und ergänzt. Die Chinesische Medizin kann durch ihre integrative und ganzheitliche Kraft unserer westlichen Medizin, Psychologie und Psychotherapie einen neuen Impuls in Richtung auf eine integrative Medizin verleihen, besonders wenn der Psychotherapeut zugleich auch Arzt für Chinesische Medizin ist. So kann er exakt erkennen, auf welchen Ebenen der Psychotherapiepatient noch Unterstützung braucht – ob er Qigong, Meditation, Joggen, Wandern oder eine Ernährungsberatung empfiehlt. Oder ob er jemanden zusätzlich mit Akupunktur oder chinesischen Arzneipflanzentherapie behandelt.
Autor:
Herr Dr. med. Rainer Bohlayer
Arzt
Marktstr. 12
76275 Ettlingen
Letzte Aktualsierung: 20.12.2010
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