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Herr Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Grüne
67434 Neustadt
Facharzt für Gastroenterologie, Innere Medizin (Diabetologie)
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Vermeidung von Darmkrebs
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1. Erkrankung: Häufigkeit und Entstehung
Die neueste derzeit verfügbare Statistik zeigt, dass Darmkrebs sowohl bei Frauen als auch bei Männern die zweit häufigste bösartige Neuerkrankung ist. Während die Neuerkrankungen von 1998 zum Jahr 2004 hin um ca. 22% auf mehr als 73.250 gestiegen sind, sind die Todesfälle um 6,5% aufgrund der guten Therapiemöglichkeiten gesunken. Primäres Ziel muss es aber sein, die Neuerkrankungen zu verhindern und dies ist durch die vielseitigen technischen Möglichkeiten in Deutschland sehr gut möglich.
Darmkrebs entsteht bis auf wenige Ausnahmen, durch die Veränderung von zunächst nicht bösartigen Dickdarmpolypen (polyp - griechisch: Vielfüßer).
„Darmkrebs geht meist von Drüsenzellen der Darmschleimhaut aus. Das ist die Zellschicht, welche die Innenwand des Darmes auskleidet. So lange der Tumor noch klein ist, beschränkt er sich auf diesen Bereich. Ziel der Vorsorgeuntersuchungen ist es natürlich die Polypen zu finden und zu entfernen, wenn sie noch in diesem Stadium sind.
Mit zunehmendem Wachstum dringt er aber in die darunter liegende Darmwand ein und befällt schließlich auch umliegendes Gewebe und Lymphknoten. Dabei können sich einzelne Zellen von der Geschwulst lösen und in Blutbahnen und Lymphgefäße eindringen. Mit dem Blut- und Lymphstrom gelangen sie in andere Organe. Dort können sie sich ansiedeln und erneut vermehren; es entstehen Tochtergeschwülste (Metastasen). Metastasen können unter anderem in der Leber oder Lunge auftreten“ (Information Deutsche Krebsgesellschaft).
2. Risikofaktoren
- Sind zum einen die erbliche Veranlagung zu Polypen, d.h. das Potential das wir mit in die Wiege gelegt bekommen. Diese erbliche Veranlagung vergrößert das Krebsrisiko extrem: bei 30jährigen um 50%, bei 40 jährigen bereits um 90%. Wenn also in der Familie schon Darmkrebs vorgekommen ist, erhöht sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit außerordentlich
- Das Vorhandensein von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (bekannt auch unter dem Namen Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa) erhöhen das Risiko für Darmkrebs ganz dramatisch, aus diesem Grund gibt es für Menschen mit diesen Erkrankungen spezielle Vorsorgeprogramme um Darmkrebs zu verhindern
- Falsche Ernährung insbesondere der Genuss von mehr als 100 Gramm rotem Fleisch pro Tag (alle Fleischsorten außer Geflügel) führt zu einem erhöhten Darmkrebsrisiko
- Daneben der zu geringe Genuss von Balaststoffen, die zur Verhinderung oder zur Verminderung des Darm krebsrisikos 4-6 mal pro Tag gegessen werden sollten
- Schadstoffe die beim Braten oder Grillen von Fleisch entstehen können das Risiko für Darmkrebs deutlich erhöhen
- Das Rauchen von Zigaretten führt ebenfalls zu der Bildung der oben angegebenen Schadstoffe und damit zu einer Risikoerhöhung
- Durch regelhafte körperliche Bewegung (zB 4 mal 30 Minuten sportliche Betätigung pro Woche) kann ebenfalls der Darmkrebs verhindert werden
- Menschen mit einem Diabetes Mellitus Typ II (Zuckererkrankung) haben ein um dreifach erhöhtes Risiko für den Darmkrebs
- Auch Alkoholgenuss und Stress scheinen ihre Wirkung bei der Entstehung von Darmkrebs zu haben
3. Mögliche Schutzmaßnahmen
- Häufige sportliche Betätigung wie oben bereits angedeutet
- Im Tierexperiment konnte beim Genuss von grünem Tee eine schützende Wirkung insbesondere für Entzündungen im Darm nachgewiesen werden (Empfehlung hier: drei mal 2 Tassen grünen Tee pro Tag)
- Mindestens 35 Gramm Ballaststoffe pro Tag (Trockengewicht)
- Essen von vor allem Fisch oder Geflügel
- Durchführung von Vorsorgemaßnahmen
4. Vorsorgemaßnahmen
Der einzelne ist häufig nur selten über die Erkrankungen in seiner eigenen Familie informiert. Informationen darüber sind oft nur unzureichend, da die erste endoskopische Abtragung von Dickdarmpolypen mit einem flexiblen Endoskop 1971 von P. Deyhle in Erlangen durchgeführt worden ist, konnte erst in den letzten Jahren die Bedeutung der endoskopischen Polypektomie (Entfernung von Polypen mit dem Endoskop) voll erfasst werden.
Es gibt eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen die durchgeführt werden können, um das individuelle Risiko des einzelnen an Darmkrebs zu erkranken zu senken.
5. Stuhtest auf okkultes Blut
Am häufigsten eingesetzt wird der Stuhltest auf okkultes Blut, der nachweist, ob eine Blutungsquelle im Darm ist. Diese Blutungsquellen könnten Tumore oder große Polypen zum Beispiel sein. Man kann aber mit der regelmäßigen Durchführung dieses Testverfahrens sein Lebensrisiko an Darmkrebs zu erkranken nur um 20% senken. Dies ist ja auch nachvollziehbar, da nicht bereits die Vorstufen von Darmkrebs entdeckt werden, sondern es werden die großen Polypen, die meistens schon bösartige Zellen aufweisen oder direkt Darmkrebs nachgewiesen. Bei einem weiteren eingesetzten Stuhltest dem Tumor M2-PK Stuhltest ist es möglich, bei ca. 85% der Betroffenen bereits frühzeitig Darmkrebsgeschehen zu erkennen. Der Test misst kein Blut im Stuhl, sondern weist ein Tumor spezifisches Enzym nach. Für diesen Nachweis, muss aber auch schon ein Tumor vorhanden sein, Vorstufen werden nicht nachgewiesen. Der potentielle Nachweis kommt somit eigentlich auch zu spät.
6. Virtuelle Koloskopie
Mit der sogenannten virtuellen Koloskopie wird mittels einer Computertomographie der gesamte Darm erfasst und auf dem Computer der Darm dann rekonstruiert, sodass man mit dem Computer durch den Darm hindurchfahren kann und Polypen oder Darmkrebs nachweisen kann. Nachteile dieses Verfahrens sind vor allem die hohe Strahlenbelastung (statistisch wird bei jeder 700sten Computertomographie ein neuer Tumor im Körper eines Patienten ausgelöst) und die Nachweisgrenze, sodass Polypen unter einer Höhe von 1 cm nur schlecht oder gar nicht nachweisbar sind. Die Vorbereitung des Darms mit den entsprechenden 2 Litern Darmspüllösung muss trotzdem sein. Bei dem Nachweis eines oder mehrerer Polypen, muß dann erneut der Darm gespült werden, damit der Polyp abgetragen werden kann.
7. Dickdarmkapselendoskopie
Mit der Dickdarmkapselendoskopie lässt sich der Dickdarm mit einer 2 cm kleinen Kamera von innen her darstellen. Die kleine Kamera macht 4 Bilder pro Sekunde und bildet somit den gesamten Darm ab. Die aufgenommen Bilder werden an einen kleinen Computer gesendet, den der Patient außen am Gürtel mit sich führt. Bei der kleinen Kamera handelt es sich um eine Einmalkamera, die nach der Passage durch den Darm in der Toilette verschwindet.
8. Koloskopie
Goldstandart für die Untersuchung des Dickdarms stellt aber weiterhin die Dickdarmspiegelung dar, da sie sowohl die Diagnose als auch gleichzeitig die Therapie ermöglicht. Das heißt, ein gefundener Polyp kann sofort ohne weitere Untersuchung oder Vorbereitung entfernt werden. Die Untersuchung lässt sich heute innerhalb von 15 Minuten unter absoluter Schmerzfreiheit durchführen. Mit einer Darmspiegelung lassen sich die Dickdarmvorstufen (Polypen) vollständig entfernen und somit das Risiko an Darmkrebs zu erkranken um fast 100% senken.
Die Fachgesellschaften empfehlen bei Beschwerdefreiheit eine Darmspiegelung ab dem 45. Lebensjahr. Bei Beschwerden wie Blähungen, Blutungen und Schmerzen etc. die klinische Zeichen für eine Bösartigkeit sein können, gibt es keine Altersgrenze. Bei diesen Beschwerden ist die sofortige Rücksprache mit dem entsprechenden Facharzt für diesen Bereich (dem Gastroenterologen) notwendig.
Autor:
Herr Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Grüne
Facharzt für Gastroenterologie, Innere Medizin (Diabetologie)
Stiftstraße 10
67434 Neustadt
Letzte Aktualsierung: 24.08.2010
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