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Herr Dr. med. Thomas Schröder
70173 Stuttgart
Arzt für Zahnmedizin
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Stressverarbeitung auf natürliche Art
BeobachtenBruxismus, so der Fachausdruck für das Pressen und Knirschen, wurde und wird von Zahnärzten und Patienten ausschließlich negativ betrachtet.
Das ist definitiv falsch! Zähneknirschen (Bruxismus) ist gesund und stellt ein natürliches Ventil unseres Gehirns zum Stressabbau dar. Dr. med. dent. Thomas Schröder leitet die Privatpraxis für Zahnheilkunde in Stuttgart und begleitet seine Patienten im Umgang mit dem Thema Zähneknirschen (Bruxismus).
1. Ursachen für das Zähneknirschen
Zwei grundsätzlich verschiedene Richtungen beeinflussen den Bruxismus. Zum einen sind da die körperlichen Ursachen, wie z. B. Fehlhaltungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule, insbesondere der Halswirbelsäule, schlechte Gewohnheiten (Habits), Schlafposition, muskuläre Verspannungen, im Kausystem selbst: Früh- und Fehlkontakte, Zwangsführungen und Gleithindernisse.
Zum anderen gibt es die psychische Komponente für das Zähneknirschen (Bruxismus), unser täglicher Stress. Was tagsüber auf uns „einprasselt“ verarbeitet unser Gehirn nachts in
bestimmten Schlafphasen. Dabei sinkt während des Zähneknirschens der Spiegel an Stresshormonen signifikant ab. Dieses „natürliche Ventil“ des
Gehirns tut uns gut!
Insbesondere im Hinblick darauf, dass uns häufig nicht die Zeit oder die mentale Ruhe für andere Formen des Stressabbaus wie z. B. ausgiebigen Sport, Yoga o. ä. bleibt.
Wenn wir dann das nächtliche Zähneknirschen eliminieren würden, wäre das Risiko hoch, andere gesundheitliche Probleme zu bekommen.
2. Diagnostik von regelmäßigem Zähneknirschen
Die jeweiligen Ursachen lassen sich aufspüren. Dazu ist eine umfassende Untersuchung des Kausystems, sowie
eine manuelle Untersuchung des Kiefergelenks und der benachbarten Strukturen einschließlich der Halswirbelsäule erforderlich. Darüber hinaus bedarf es einer elektronischen Gelenkvermessung (elektronische Axiographie) um die Gelenkpositionen, sowie deren Bewegungen beim Kauvorgang zu registrieren. Diese Daten sind von Patient zu Patient verschieden, folglich müssen sie ermittelt werden.
Die so gewonnenen Informationen finden Eingang in die Modellanalyse. Hierbei werden Gipsmodelle von Ober- und Unterkiefer anhand der gewonnen Daten zusammengebaut und ausgewertet.
3. Konsequenz von Zähneknirschen
Zähneknirschen (Bruxismus) wirkt sich belastend, häufig schädigend auf die betroffenen Strukturen aus. Chronische oder degenerative Veränderungen sowie Schmerzen können an Zähnen selbst, dem Zahnhalteapparat, den Gelenkstrukturen, der Muskulatur, der Wirbelsäule auftreten. Ohrgeräusche und Migräne sind häufig mit diesem Symptomkreis vergesellschaftet.
Gleichzeitig hilft uns das Zähneknirschen (Bruxismus) schädliche Stresshormone abzubauen. Folglich kann es nicht das Ziel sein, das nächtliche Zähneknirschen und Pressen zu verhindern. Stattdessen gilt es die betroffenen Strukturen zu schützen und die dabei auftretenden Kräfte zu reduzieren und zu „kanalisieren“ ohne das funktionierende „Ventil“ zu schließen.
4. Therapieentscheidung im Falle regelmäßigen Zähneknirschens
Grundsätzlich gibt es nie nur eine Lösung. Anhand der Befunde werden dem Patienten verschiedene Therapiemöglichkeiten für seine Situation vorgestellt. Häufig ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen wie Orthopäden, Osteopathen und Physiotherapeuten erforderlich, um den komplexen Zusammenhängen des Zähneknirschens Rechnung zu tragen. Nur der ganzheitliche Lösungsansatz verspricht langfristigen Erfolg. Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen wird hier nur auf die zahnärztlichen Therapiemöglichkeiten eingegangen.
Bei umfassenden Veränderungen des Kauflächenreliefs wird dieses zunächst in Wachs neu modelliert (diagnostisches WaxUp) und die sich daraus ergebenden Veränderungen mit dem Patienten besprochen. Bei diesem aufwendigen Verfahren fließen häufig Veränderungswünsche des Patienten ein. So ist es möglich das ästhetische Erscheinungsbild zu verbessern und dem Wunsch des Patienten nach einem „schönen Lächeln“ nachzukommen. Dabei entscheidet der Patient selbst, welches der prognostizierten Behandlungsergebnisse er anstrebt und welchen Aufwand er dafür bereit ist zu betreiben. Aufgabe des Zahnarztes ist es, seinen Patienten auf diesem Weg zu begleiten und dafür Sorge zu tragen dass das angestrebte Ziel auch erreicht wird.
5. Prinzipielle zahnärztliche Therapiemöglichkeiten bei Zähneknirschen
Schienentherapie
Eine gelenkbezüglich, anhand der Axiographiedaten, adjustierte Schiene, wird in der Regel nachts getragen. Sie beseitigt bestehende Fehlbelastungen, indem ein gleichmäßiger Kontakt der Zahnreihen bei gleichzeitig anatomisch korrekter Gelenkposition hergestellt wird. Die häufig im Gebiss vorhandene Verriegelung wird entkoppelt. Ein freies Gleiten reduziert die möglichen Gegenkräfte, führt zur Entlastung der Muskulatur und darüber hinaus zur deutlichen Reduzierung der horizontalen Scherkräfte.
Nachdem das Gehirn eine „neue Software“ zur Steuerung der Kaumuskulatur, und damit die Schiene als Zielposition „programmiert“ hat, wird der Biss im Mund justiert.
Frühkontakte (die statische Okklusion betreffend) oder Hindernisse in der Bewegung (die dynamischen Okklusion betreffend) werden beseitigt.
Kieferorthopädische Behandlung
Der Spezialist für Zahnbewegungen verändert die Stellung der Zähne
innerhalb des Kiefers, aber auch des Oberkiefers und Unterkiefers zueinander und kann dadurch auch die Gelenkposition beeinflussen.
Beim Erwachsenen ist eine Apparatur erforderlich, die Tag und Nacht getragen wird. Dies können in ausgewählten Fällen relativ unauffällige Permanentschienen aus Kunststoff sein (Invisalign) oder Konstruktionen mit aufgeklebten Brackets und Drähten. Solche festen Zahnspangen lassen sich auch im Mundraum und damit nicht sichtbar platzieren (Lingualtechnik).
Kauflächenneugestaltung
Hierbei wird das vorhandene Kauflächenrelief, bei Bedarf auch die
Relation der Frontzähne zueinander, mittels Kronen, Teilkronen oder
Veneers neu gestaltet. Grundlage für die Neugestaltung stellen die ermittelten Axiographiedaten, die zentrische Relationsbestimmung, die manuelle Kiefergelenksdiagnostik und die
Modellanalyse dar. Grundlage ist das schon zuvor angesprochene WaxUp. Bei kariesfreier Substanz kann eine Kaufläche sehr substanzschonend verändert werden, indem der Zahn nicht abgeschliffen, sondern nur minimal angeraut wird und mit Hilfe der Klebetechnik eine vollkeramische Teilkrone befestigt wird.
6. Fazit zum Thema Zähneknirschen
Zähneknirschen (Bruxismus) ist ein komplexes Problem, das sich nicht durch eine flüchtige Blickdiagnostik beurteilen und pauschal therapieren lässt. Es gilt, dem nächtlichen Zähneknirschen nicht Einhalt zu gebieten, sondern es zu steuern und Strukturen langfristig zu schonen.
Autor:
Herr Dr. med. Thomas Schröder
Arzt für Zahnmedizin
Lautenschlagerstr. 3
70173 Stuttgart
Letzte Aktualsierung: 24.05.2012
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