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Herr Priv.-Doz. Dr. med. Karlheinz Herrmann 70173 Stuttgart
Facharzt für Kardiologie, Innere Medizin zur Fachartikel-Übersicht

Herr Priv.-Doz. Dr. med. Karlheinz Herrmann

Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt

Beobachten

Die Diagnose Koronare Herzkrankheit, bzw. Herzinfarkt trifft wie ein Schlag. Sie wird als ein dramatischer Einschnitt empfunden, auch weil sie nicht nur ein lebenswichtiges Organ betrifft, sondern uns auch existentiell ins Herz trifft.
Das Herz ist nicht nur die Pumpe, die unsere Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung bestimmt - es ist auch ein Organ, das im Gefühlsleben verankert ist. Eine Herzerkrankung stellt den Menschen und seine Lebensführung in ein neues Licht.
Ihr Herz wird von 3 Adern, den Herzkranzgefäßen, mit Blut versorgt. Eine Einengung dieser Gefäße nennt man Koronare Herzkrankheit, KHK. Die Gefäßverengung behindert die Blutversorgung des Herzens und schränkt damit seine Pumpleistung ein. Wird ein Gefäß verschlossen, stirbt Herzmuskulatur, es entsteht ein Herzinfarkt.

1. Bin ich Herzinfarkt gefährdet?

Auch wenn Sie bisher keinen Herzinfarkt hatten, geht das Thema Sie vielleicht doch auch etwas an: Vorbeugen kann Schlimmes vermeiden. Man sollte also auch bei Beschwerdefreiheit klären, ob Vorsorge zum Thema KHK angeraten ist. Das können Sie, indem Sie sich den Blutdruck messen lassen sowie eine Blutprobe abgeben (nüchtern). Aus dem Blut lassen Sie Blutzucker, Gesamt-, HDL- LDL-Cholesterin und die Triglyzeride bestimmen. Sie gehen dann ins Internet ((1,2) siehe Literaturverzeichnis) und geben Ihre Daten beim Carrisma Score Rechner ein. Ist das geschätzte Risiko über 20%, sollten Sie hier weiter lesen.
Auf jeden Fall sollten Sie weiterlesen, wenn Sie bei körperlicher und/ oder psychischer Belastung wiederkehrende Beschwerden haben, die nach Belastungsende rasch zurückgehen.

2. An wen wendet man sich?

Die Leitlinie zur Koronaren Herzkrankheit (3) ist da eindeutig: Bei Verdacht auf Koronare Herzerkrankung sollte ein Kardiologe hinzugezogen werden. Das kardiologische Wissen wird kontinuierlich fortentwickelt, der erfahrene Facharzt kann das angemessene Vorgehen daher am Besten beurteilen.
Beim Eingangsgespräch werden Charakter, Ort, Dauer und zeitlicher Verlauf von Beschwerden erfragt. Eine schnelle Zunahme von Beschwerden kann ein Warnsignal sein.

3. Symptome eines Herzinfarktes

Die Anzeichen einer Koronaren Herzerkrankung (KHK), bzw. die Zeichen eines Herzinfarktes sind von Mensch zu Mensch verschieden. Sie werden von Frauen oft anders wahrgenommen als von Männern. Sie können über dem Herzen, links im Brustkorb, aber auch rechts, im Oberbauch, Hals oder in den Armen empfunden werden. Typisch ist, dass Symptome zunächst nur bei größerer Belastung auftreten, dann mit dem Fortschreiten der Gefäßverengung bei immer geringerer Belastung. Sie können als Schmerz empfunden werden, können aber auch diskreter sein: nur ein Druck, Engegefühl, Luftnot (4).

4. Was erwartet mich nach dem Herzinfarkt?

Das hängt natürlich ganz wesentlich von der Größe des Herzinfarktes ab. Wichtig ist es, eine umfassende Bilanz zu ziehen, die nicht nur die medizinisch-technischen Aspekte berücksichtigt. Man kann gezielt die Folgen begrenzen, also Beschwerden und Leistungsschwäche als Folge der Koronaren Herzkrankheit bessern. Ein zentrales Ziel ist es auch, das Risiko eines erneuten Herzinfarktes zu begrenzen. Man betrachtet daher die medikamentösen Optionen, die Verminderung von Risikofaktoren, aber auch die gezielte Nutzung positiver Kräfte, die man mit dem Begriff „Lebensstil“ umschreibt. Früher hätte man zur Schonung geraten, und erst allmählich das Herz wieder belastet. Das war, wie man heute weiß (5), nicht optimal. Die Herzfunktion erholt sich nach dem Herzinfarkt umso schneller, je früher man wieder körperlich aktiv wird.

5. Herzinfarkt: Warum ich?

Die Alterung der Gefäße, die Arteriosklerose, ist ein natürlicher Prozess, der aus verschiedenen Gründen die Herzkranzgefäße besonders betrifft, aber im Prinzip in all Ihren Gefäßen abläuft. Diese Gefäßalterung wird beschleunigt durch sogenannte Risikofaktoren: Rauchen, Cholesterin, Diabetes usw. Sie kann aber auch gebremst werden, z. B. durch einen sportlichen Lebensstil, gesunde Ernährung etc. Mit Kenntnis der persönlichen Lebensbedingungen kann man somit sein Risikoprofil verbessern (6).

6. Die Diagnostik

Es stehen Ihnen heute viele Untersuchungsmethoden zur Verfügung, manche sind bewährt und haben ihren Nutzen bewiesen. Andere sind modern und müssen das Stadium des Experimentellen noch überwinden. Die Zuordnung, ob bewährt oder noch experimentell, erfolgt durch Experten, die ihre Beurteilung in sogenannten Leitlinien im Auftrag von Fachgesellschaften niederlegen. Diese Leitlinien sind der Öffentlichkeit zugänglich (7).
Ziel der Diagnostik der KHK ist es, schonend und wenig belastend Zustand und Funktion der Herzkranzgefäße zu klären.

7. Was sollte untersucht werden?

Alle Patienten sollten ein 12-Kanal-EKG erhalten, wobei ein Normalbefund eine KHK nicht ausschließt. EKG Abweichungen hingegen geben Hinweise und beeinflussen auch das weitere Vorgehen. In der Regel wird dann ein Belastungs-EKG durchgeführt. Treten unter Anstrengung EKG-Veränderungen neu auf, kann das auf Durchblutungsstörung hinweisen. Der Nachweis einer Durchblutungsstörung ist in der Regel unverzichtbar (7), auch um später, falls eine Herzkatheteruntersuchung nötig erscheint, den Herzkatheterbefund interpretieren zu können.
Leider ist das Belastungs-EKG nicht immer ausreichend aussagekräftig, dann werden andere Verfahren hinzugezogen. Allen ist gemeinsam, dass das Herz belastet wird, entweder durch körperliche Arbeit, oder indem man ein Medikament injiziert, das den Kreislauf anregt. Sehr aussagekräftig ist es, wenn man z. B. mit Ultraschall die Herzbewegung unter Belastung beurteilt. Man kann dann sehen, wie das Herz in Ruhe noch normal pumpt, unter Belastung sich aber Bewegungsstörungen ausbilden.

8. Wer braucht einen Herz-katheter?

Beim Herzkatheter wird nach örtlicher Betäubung vom Arm oder Bein aus ein Kontrastmittel in die Herzgefäße gespritzt, um im Röntgen dann die Gefäßsituation zu beurteilen. Pro Jahr werden in Deutschland 8.000 Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt. Da es sich aber um ein invasives (also in den Körper eindringendes) Verfahren handelt, haben Patienten eine verständliche Angst davor. Das Gesamtrisiko bei dieser Untersuchung für größere Komplikationen liegt bei 1-2% (8) und muss daher zum erwarteten Nutzen abgewogen werden. Leider sind alternative Methoden (Kardio-CT, Kardio-MRT) noch nicht zuverlässig genug und sind daher z. Zt. keine Alternative (8). Anzuraten ist ein Herzkatheter vor allem im Rahmen einer sich rasch kritisch verschlechternder Situation, wie z. B. im Rahmen eines (drohenden) Herzinfarktes etc. (9, 10). Bei stabiler KHK ist ein Herzkatheter kein Muss. Außerdem besteht eine Indikation:
1. bei schwerer Beschwerdesymptomatik, die auf Medikamente nicht ausreichend anspricht.
2. nach Überleben eines Herzstillstandes.
3.bei Patienten mit schweren Rhythmusstörungen der Hauptkammern.
4. bei Patienten, die nach einer Revaskularisation (Bypass-Op, Herzgefäßdilatation) rasch erneut Angina pectoris entwickeln.

9. Wann wird dilatiert oder operiert?

Würden Sie eine Schnellstraße zu einem verlassen Ort reparieren lassen? Sicher nicht. Aus dem gleichen Grund muss nicht jede Gefäßverengung, nicht jeder Gefäßverschluss behoben werden. Ein alter Herzinfarkt verschwindet nicht, wenn das Infarktgefäß wieder geöffnet wird. Daher muss vor dem Herzkatheter eine Untersuchung vorliegen, mit der festgestellt wurde, ob überhaupt ein Durchblutungsmangel besteht (8).

10. Die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit

Sie sind wahrscheinlich an drei Zielen interessiert:
1. das Fortschreiten der Erkrankung soll gebremst werden.
2. die Beschwerden sollen beseitigt und die Leistungsfähigkeit wiederhergestellt werden.
3. die Lebenserwartung soll möglichst normalisiert werden.
Diesen Zielen kann man sich mit unterschiedlichen Maßnahmen nähern. Sie hängen nicht nur davon ab, dass man die Fortschritte der modernen Kardiologie nutzt, sondern auch davon, wie selbstbe-stimmt Sie Ihre Gesundheit mitgestalten, um einen Herzinfarkt zu vermeiden.

Literatur

1) Carrisma Score berücksichtigt auch Lebensstilfaktoren
http://www.carrisma-pocket-ll.de/DataInput.aspx
2) Procam Score
http://www.assmann-stiftung.de/stiftungsinstitut/procam-tests/procam-schnelltest-score/
3) Leitlinie zur Diagnose und Behandlung der chronischen koronaren Herzerkrankung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie Herz- und Kreislaufforschung (DGK)
http://www.dgpr.de/fileadmin/user_upload/DGPR/Leitlinien/LL_KHK_DGK.pdf
4) Patientenleitlinie Chronische Herzkrankheit
http://www.versorgungsleitlinien.de/patienten/pdf/nvl_khk_patienten.pdf
5) Haykowsky M., et al: A Meta-analysis of the effects of Exercise Training on Left Ventricular Remodeling Following Myocardial Infarction
Start early and go longer for greatest exercise benefits on remodeling.
Trials. 2011; 12: 92
6) Leitlinie „Risikoadjustierte Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen
http://leitlinien.dgk.org/images/pdf/leitlinien_volltext/2007-10_Risikoadjustierte.pdf

Weitere Quellen zu diesem Fachartikel finden Sie im Online Portal unter
http://www.yourfirstmedicus.de/arzt/fachartikel/karlheinz-herrmann-stuttgart
AUSFÜHRLICHE INFORMATIONEN
WISSENSWERTES - KORONARE HERZKRANKHEIT UND HERZINFARKT


Autor:
Herr Priv.-Doz. Dr. med. Karlheinz Herrmann
Facharzt für Kardiologie, Innere Medizin
Königstr. 2 70173 Stuttgart


Letzte Aktualsierung: 11.01.2012


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