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Herr Dr. med. Stefan Paganini
76275 Ettlingen
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
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Knieschmerzen
Beobachten1. Was tun, wenn es im Knie zwackt?
Knie und Knieschmerz sind eine leidvolle Kombination mit der sich der Orthopäde tagtäglich konfrontiert sieht. Das Knie ist zeitweise oder auf Dauer nicht mehr belastbar. Alltägliche Tätigkeiten können nicht mehr durchgeführt, der Lieblingssport muss ausgesetzt werden. Die Lebensqualität sinkt, die berufliche Existenz ist gar bedroht. Die Ursachen für den Knieschmerz sind vielfältig, eine genaue Diagnostik unabdingbar, aber nicht immer einfach. Sei es der Sportler nach einem traumatischen Unfall oder der ältere Mensch mit zunehmenden Belastungs- oder Ruhebeschwerden, das Knie gehört in die Hand eines erfahrenen Spezialisten um Dauerschäden zu verhindern bzw. deren Auswirkungen abzumildern.
2. Ursachen des Knieschmerzes
Das Knie ist das komplizierteste und am
meisten belastete Gelenk unseres Körpers.
Anatomisch, d. h. natürlicherweise,
ist es als ein Scharniergelenk angelegt.
Doch sowohl in der alltäglichen Belastung,
im Berufsleben, als auch bei vielen
Sportarten wird es jedoch als Drehgelenk
„missbraucht“. Erfolgt dieser Missbrauch
in bescheidenen Rahmen, ist das
Kniegelenk in der Lage, dies, zumindest
eine Zeitlang, zu kompensieren. Traumatisierende
Unfälle, mit den entsprechenden,
auf das Knie einwirkenden
Kräften, führen jedoch dazu, dass diese
Kompensationsmechanismen nicht
mehr ausreichen das Knie zu schützen.
Beschwerden sind die Folge.
Der Knieschmerz lässt sich ursächlich
in drei Gruppen einteilen:
Verschleiß
Verletzung
Überbelastung
3. Der Verschleiß – die Arthrose
Der Verschleiß des Kniegelenkes beruht
letztlich auf einer Schädigung des, die
aufeinanderliegenden Gelenkflächen
überziehenden, Gelenkknorpels. Er
dient der Verbesserung des Gleitverhaltens
zwischen den Gelenkpartnern
(Oberschenkel, Unterschenkel, Kniescheibe)
und puffert Stöße ab. Der
Knorpel selbst ist nahezu ohne Nervenversorgung
und somit schmerzunempfindlich.
Wird er jedoch dünner oder
entstehen gar blanke Knochenstellen,
reagieren die Knochenhaut bzw. Rezeptoren
im Knochen selbst. Knieschmerzen
sind die Folge.
Ursachen für den Knorpelverschleiß
können, neben entzündlichen Ursachen
(z. B. Rheuma oder bakterielle Gelenkinfekte),
Fehlstellungen der Beinachsen
(O-Bein, X-Bein), berufliche Dauerbelastungen
(z. B. Fliesenleger), sportliche
Fehlbelastungen (Fussball, Tennis,
Squash, Golf, etc.), aber auch zurückliegende
Unfälle bzw. Verletzungen sein.
Auch eine erbliche Veranlagung scheint
zu bestehen.
Grundsätzlich ist die Arthrose ein
fortschreitender Prozess, der zur vollständigen
Zerstörung des Gelenkes
führen kann. Die Selbst-Regenerationsfähigkeit
des Knorpels liegt nahe
Null. Einsteifung, Dauerschmerz und
chronische Schwellung führen dann
ggfs. zur Entscheidung, das Knie mit
einem Oberflächenersatz („Künstliches
Kniegelenk“) zu versorgen. Problematisch
ist, neben den OP-Risiken, die
beschränkte Lebensdauer einer solchen
Endo-Prothese.
Daher stehen moderne therapeutische
Maßnahmen zur Verfügung, die, je nach
Schweregrad der Arthrose, die Funktionsfähigkeit
des Kniegelenkes erhalten
helfen und den Knieschmerz lindern.
Diese reichen von anti-entzündlichen
Maßnahmen (klassisch, pflanzlich, homöopathisch),
über knorpelschützende
und die Gleitfähigkeit verbessernde Injektionen
mittels Hyaluronsäure, bis hin
zu direkt die Stoffwechselsituation der
Knorpelzelle beeinflussenden Möglichkeiten
(pulsierende Magnetfeld-Therapie,
Nahrungsergänzung). Seit einigen
Jahren werden sehr gute Erfolge mittels
der Orthokin-Methode erzielt. Hierbei
werden knorpelschützende Substanzen
aus dem Blut des Patienten gewonnen
und in das Knie eingebracht.
Auch eine (Teil-)Korrektur der Beinachse
über Orthesen oder Einlagen
muss überdacht werden. Propriozeptive
Einlagen, aber auch eine Akupunktur,
können Knieschmerzen lindern.
Damit diese Maßnahmen greifen ist
eine genaue Diagnostik notwendig, um
vorab andere Kniebinnenverletzungen
auszuschließen.
Diese bedürfen ggfs.
zunächst eines minimal-invasiven Eingriffes:
der sogenannten Kniespiegelung
oder Arthroskopie.
4. Die Verletzung – der Kniebinnenschaden
Neben den das Knie umgebenden
Strukturen wie Innen- und Außenband,
Gelenkkapsel, Muskeln und Sehnen, die
nur in Ausnahmefällen einer operativen
Therapie bedürfen, sind es vor allem die
im Kniebinnenraum liegenden Anteile,
die in der Folge die Belastbarkeit des
Kniegelenkes reduzieren.
Die Kreuzbänder sind die Stabilisatoren
des Knies und nur bedingt durch
einen Aufbau der knieumgreifenden
Muskulatur zu ersetzen. Ob ein Ersatz
derselben Sinn macht oder nicht, ist
im Einzelfall zu klären und kann nicht
pauschal beantwortet werden. Auch
hier ist ein erfahrener Diagnostiker und
Operateur gefragt. Es stehen verschiedene
Transplantatmöglichkeiten zurVerfügung, deren jeweilige Vor- und
Nachteile ebenso abzuwägen sind wie
der persönliche Anspruch des Patienten
an die Belastbarkeit des Kniegelenkes.
Der Außen- sowie der Innenmeniskus
liegen als knorpelige Halbmonde zwischen
Oberschenkelrolle und Schienbeinplateau.
Ihre Aufgabe liegt in der
Verbesserung der Kraftübertragung
durch das Angleichen der Gelenkflächen
in unterschiedlichen Positionen.
Vor 20 Jahren noch als „Blinddarm
des Kniegelenkes“ missdeutet und radikal
entfernt, die Arthrose als Folgeerkrankung,
versucht man heute alles,
um so viel wie möglich zu erhalten.
Eine Selbstheilung des Meniskus ist,
auf Grund seiner nur im Randbereich
stattfindenden Durchblutung, ausgeschlossen.
Somit ist, in den allermeisten
Fällen, eine sparsame, arthroskopische
Teilentfernung notwendig. Meniskusnähte
können nur in Ausnahmesituationen,
bei bestimmten Arten
der Rissbildung, und nur bei jungen
Patienten erfolgversprechend durchgeführt
werden.
Traumatische Knorpelschäden im Knie
sollten, soweit möglich, operativ repariert
und therapiert werden. Denn hier
droht, auch dem jugendlichen Knie,
die Arthrose. Je nach Art und Größe
des Knorpelschadens kommen Verfahren
wie die Refixierung mittels sich
resorbierender Stifte, die Ersatzknorpelbildung
(Chondropicking, Mikrofrakturierung)
die Knorpel-Knochen-
Transplantationen (OATS) oder aber
die Knorpelzüchtung und Implantation
(Autologe Chondrozytentransplantation)
in Betracht.
5. Die Überlastung – Chronifizierung vermeiden
Zunächst eher lästig, im Verlauf aber
die Lebensqualität einschränkend,
Sport- und Berufskarriere bedrohend,
sind die Folgen einer Fehl- oder Überbelastung
des Kniegelenkes. Der Knieschmerz
wird zunächst bagatellisiert,
eine Therapie nicht oder nur halbherzig
durchgeführt. Das Resultat ist ein chronifiziertes
Beschwerdebild, dessen Therapierung
dann alles andere als einfach
ist. Schon so manche Fortsetzung einer
Profi-Fußballerkarriere ist an einer
„simplen“ Entzündung der Kniescheibensehne
gescheitert.
Neben Kapsel-Band-Problemen, Muskelverletzungen,
Schleimbeutelreizungen
sind es insbesondere die Entzündungen
der Sehnen, die dem Knie
zu schaffen machen. Auch hier ist die
mangelnde Selbstheilung der schlecht
durchbluteten Struktur Grund, eine
umfangreiche Therapie durchzuführen.
Hochenergie-Laser, Magnetfeld, fokussierte
Stoßwellen aber auch infiltrative
Maßnahmen unterschiedlicher Art gehören,
neben anderen physikalischen
Maßnahmen, miteinander kombiniert.
Nur so sind ein langer Leidensweg zu
vermeiden und operative Interventionen
abzuwenden.
6. „No sports“ – oder doch?
Kaum ein Wochenende ohne Kreuzbandrisse
in der Fußballbundesliga. Da
gibt es das „Jumpers knee“ bei Weitund
Hochspringern, das „Schwimmerknie“,
das den Brustschwimmer quält.
Tennisspieler werden unsanft vom Hallenteppich
gestoppt und der Schwung
bei Abschlag des Golfspielers findet ein
jähes Ende.
Also doch lieber: „No sports“? Dieses
(unbestätigte) Zitat Winston Churchills
wird gerne von denen ins Feld geführt,
die lieber die Fernbedienung benutzen,
als sich den Unbilden der Körperertüchtigung
hinzugeben. Sir Winston
sagt aber auch: „Keine Stunde, die man
mit Sport verbringt, ist verloren.“
Tatsache ist: der Mensch ist ein Bewegungstier.
Hätten wir uns wie die Faultiere
an die Äste hängen sollen, bis uns
Moos im Fell wächst, hätten wir Krallen
an den Händen und Füßen. Muskeln (!)
stabilisieren das Kniegelenk. Ein Gelenkknorpel
ernährt sich nach dem
Schwammprinzip. Be- und Entlastung
sind für seine Ernährung unverzichtbar.
Ein nicht bewegtes Knie führt zum
Knorpeltod.
Also Sport? Unbedingt! Aber es muss
der individuell richtige sein.
7. Zukunftsmusik – ein Ausblick
Viele Methoden und Therapien sind
gekommen und gegangen. Von „Leichen-
Kreuzbändern“ und Karbonfasern
spricht heute niemand mehr. Dennoch
tummeln sich weiterhin exotisch anmutende
Operationstechniken und
paramedizinische Verfahren auf dem
Markt der Gesundheit. Diese sind in
ihrer Wirkung und Zweckmäßigkeit
vom Patienten nur schwer zu durchschauen
und sollten mit Vorsicht genossen
werden. Hier empfiehlt sich die
Rücksprache mit einem Spezialisten um
größere, nutzlose Löcher im Geldbeutel
zu vermeiden.
Hoffnung macht die Knorpelzellzüchtung.
Seit Jahren etabliert und ständig
verbessert ist aber auch mit ihr noch
nicht jeder Knorpelschaden, und damit
Knieschmerz, zu beheben.
Künstliche Menisken sind derzeit in der
Erprobung aber noch kein Standardverfahren.
Knie und Knieschmerz bleiben,
gerade im Hinblick auf die sich ändernde
Altersstruktur unserer Gesellschaft,
ein großes Thema für Patienten und
Orthopäden.
Autor:
Herr Dr. med. Stefan Paganini
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Wilhelmstr. 1
76275 Ettlingen
Letzte Aktualsierung: 20.08.2010
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