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Herr Dr. med. Stefan Block 76275 Ettlingen
Facharzt für Gastroenterologie, Innere Medizin zur Fachartikel-Übersicht

Herr Dr. med. Stefan Block

Kapselendoskopie – eine faszinierende Methode zur Diagnose von Dünndarmerkrankungen

Beobachten

1. Einleitung

Mit der Kapselendoskopie, einer modernen diagnostischen Methode zur Darstellung der Dünndarmschleimhaut, ist es heutzutage möglich, einen digitalen Videofilm des Dünndarms zu erstellen und somit seltene Erkrankungen in diesem Abschnitt des Verdauungstraktes in einer für den Patienten wenig belastenden Art und Weise festzustellen.

Der Dünndarm liegt zwischen Magen und Dickdarm und war bisher aufgrund seiner Lage und seiner Länge (ca. 3 bis 4 Meter) einer direkten Betrachtung nur schwer zugänglich. So konnten Erkrankungen des Dünndarms nur mit einem erhöhten Aufwand (unter stationären Bedingungen) und oft auch nur unzureichend festgestellt werden. Seit dem Jahr 2001 nun gibt es – neben speziellen, besonders langen konventionellen Endoskopen - eine zu schluckende Videokapsel, die diese „diagnostische Lücke“ schließt: die Kapselendoskopie.

2. Ablauf der Kapselendoskopie

Es mutet fast wie in dem alten Science- Fiction-Film „Die Reise in einem Raumschiff durch den Körper“ an, ist aber heutzutage dank der Kapselendoskopie Realität: der Patient schluckt eine kleine Kapsel, die sich auf natürlichem Wege durch den Körper bewegt und dabei digitale Videobilder aus dem Körperinneren an die Oberfläche sendet.

3. Wie kann so etwas funktionieren?

Der Patient darf am Tag vor der Kapselendoskopie ein leichtes Mittagessen zu sich nehmen, am Abend ist nur noch flüssige Kost erlaubt, danach erfolgt eine Reinigung des Dünndarms mit einem Abführmittel. Er kommt dann am Morgen der Kapselendoskopie nüchtern in die Arztpraxis. Dort wird ein Kabel mit acht Sensoren am Bauch des Patienten befestigt und mit einem Datenrekorder verbunden, den der Patient an einem speziellen Gürtel während der Kapselendoskopie mit sich trägt. Anschließend wird die Videokapsel mit einer kleinen Menge Wasser heruntergeschluckt.

Die Videokapsel hat eine Größe von 11 x 27 mm und wiegt 3,7 Gramm, ihre Oberfläche ist aus glattem Kunststoff. In ihrem Inneren ist sie mit einer LED-Lichtquelle, einer speziellen Optik, einer Batterie und einem Sender ausgestattet. Die Kapsel wandert dann, angetrieben von der natürlichen Muskelbewegung durch den Verdauungstrakt und macht hierbei von ihrer Umgebung 2 Bilder pro Sekunde. Diese Aufnahmen werden mithilfe des Senders auf die Sensoren übertragen und dann im Datenrekorder gespeichert. Somit wird im Rahmen der Kapselendoskopie ein Videofilm des Dünndarms erstellt, der später vom Arzt betrachtet werden kann. Der Patient kann nach dem Schlucken der Kapsel die Praxis verlassen und zwei Stunden später wieder Getränke zu sich nehmen, nach vier Stunden können leichte Mahlzeiten verzehrt werden. Von der Kapselendoskopie selbst, die ohne eine Strahlenbelastung des Körpers erfolgt, merkt man (bis auf das Gewicht des Datenrekorders, den man am Gürtel trägt), nichts.

Während der Kapselendoskopie kann man sich frei bewegen, nur sollten schwere körperliche Betätigungen vermieden werden. Nach etwa 8 Stunden hat die Videokapsel in aller Regel den Dünndarm verlassen (und die Lebensdauer der eingebauten Batterie erlischt). Der Patient kommt dann erneut in die Praxis und der Datenrekorder mitsamt dem Elektrodenkabel wird abgenommen, damit ist die Kapselendoskopie für den Patienten beendet. Die Kapsel verbleibt normalerweise noch einige Stunden im Körper und wird in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf natürlichem Wege ausgeschieden. Sie ist ein Einmalartikel und wird für die Auswertung nicht benötigt. Aus den gespeicherten Daten wird ein digitaler Videofilm des gesamten Dünndarms erstellt. Dieser kann dann betrachtet und auf krankhafte Veränderungen untersucht werden. Mit Hilfe einer speziellen Software können die Befunde den einzelnen Abschnitten des Dünndarms zugeordnet werden.

4. Gründe für eine Kapselendoskopie

Die Kapselendoskopie ist primär zur Diagnostik von Dünndarmerkrankungen entwickelt worden. Dies ist insofern von besonderer Bedeutung, als der Dünndarm einer direkten Betrachtung durch seine Lage und Struktur früher nur schwer zugänglich war und eine Dünndarmdiagnostik oft nur indirekt mit radiologischen Verfahren (wie einer Röntgenuntersuchung oder Kernspintomograhpie) oder mit größeren Belastungen für den Patienten (wie z. B. einer intraoperativen Endoskopie, heutzutage Doppelballon-Enteroskopie) möglich war. Mit Hilfe der Kapselendoskopie ist diese „diagnostische Lücke“ zwischen Magen und Dickdarm geschlossen.

Die Hauptindikation für eine Kapselendoskopie ist die ungeklärte Eisenmangel- Anämie (Blutarmut), bei der eine unauffällige Endoskopie des Magens und des Dickdarms vorausgegangen ist und somit eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Blutungsquelle (wie zum Beispiel eine Gefäßmissbildung) im Bereich des Dünndarms liegt. Weitere Gründe für eine Kapselendoskopie können das Vorliegen einer chronischentzündlichen Darmerkrankung (M. Crohn) mit Dünndarmbefall bzw. der Verdacht auf eine solche sein oder auch die Abklärung von chronischen Durchfällen / Bauchschmerzen, familiärer Polyposis- Syndrome oder einer Zoeliakie, die sich unter entsprechender Diät nicht bessert.

Mittlerweile gibt es auch eine Weiterentwicklung der Kapselendoskopie, mit welcher der Dickdarm untersucht werden kann. Hier haben sich in ersten Studien eine problemlose technische Machbarkeit und eine gute Darstellung der Darmschleimhaut gezeigt. Die Genauigkeit bei der Feststellung von Polypen ist allerdings noch nicht ausreichend, um die Kapselendoskopie des Dickdarms als alternative Methode zur Koloskopie im Rahmen der Darmkrebsvorsorge zu etablieren. Hier bleiben weitere Studienergebnisse und technische Verbesserungen abzuwarten.

5. Risiken einer Kapselendoskopie

Die Durchführung einer Kapselendoskopie ist für den Patienten insgesamt wenig belastend und kann ambulant durchgeführt werden. Die Kapsel kann, wenn eine Engstelle im Dünndarm vorliegt, dort stecken bleiben und im schlimmsten Fall sogar einen Darmverschluss verursachen. Besonders bei Patienten mit einem M. Crohn und bekannten oder zu befürchtenden Engstellen ist dies von großer Bedeutung. Um die „Durchgängigkeit“ des Dünndarms für die Kapselendoskopie zu testen, kann in speziellen Fällen vor einer solchen Untersuchung eine sich selbst auflösende Testkapsel gegeben werden, welche eine röntgendichte Markierung hat. Wenn diese nach 48 Stunden nicht mehr im Körper nachzuweisen ist, kann die Kapselendoskopie durchgeführt werden. Es gibt nur wenige Untersuchungen zur Sicherheit der Kapselendoskopie bei Schwangeren und Kindern. Neuere Studien belegen eine problemlose Durchführbarkeit bei Patienten mit Herzschrittmachern, eine Störung der Schrittmacherfunktion während der Kapselendoskopie konnte nicht nachgewiesen werden.

6. Fazit

Mit der Kapselendoskopie gibt es eine neue und für den Patienten sehr schonende Möglichkeit der Dünndarmdiagnostik. Um der Methode gerecht zu werden, sollte sich die Anwendung aber auf spezielle Fragestellungen beschränken und ist sicher nicht zum allgemeinen Screening auf Dünndarmerkrankungen geeignet. In den genannten Fällen kann aber mithilfe der Kapselendoskopie oft eine definitive Diagnose gestellt und dann auch eine entsprechende Therapie eingeleitet werden, ohne dass der Patient hierfür ins Krankenhaus muss. Alternative Methoden der Dünndarmdiagnostik (Doppelballonenteroskopie) müssen unter stationären Bedingungen erfolgen und haben neben einer Strahlenbelastung auch ein höheres Komplikationsrisiko (z. B. auch Darmwandverletzung). Allerdings kann im Rahmen einer solchen Untersuchung dann auch eine Gewebeprobe entnommen werden oder ein Eingriff erfolgen (Aufdehnung einer Engstelle, Verödung einer Gefäßmissbildung, Abtragung von Polypen). Die Anwendung der Kapselendoskopie im Dickdarm bedarf einer weiteren Evaluierung und ist heutzutage noch nicht als etabliert anzusehen.

Die Kosten für eine Kapselendoskopie werden von den gesetzlichen Krankenkassen bisher nicht übernommen.


Autor:
Herr Dr. med. Stefan Block
Facharzt für Gastroenterologie, Innere Medizin
Neuer Markt 4 76275 Ettlingen


Letzte Aktualsierung: 27.08.2010


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