- Start
- Mediathek
- Informationen
- Gesundheitsanbieter
- Medizinischer Beirat
- Forum
- Fachartikel
- Artikel
- Events
- Suche
Herr Dr. Karl G. Kunz
76870 Kandel
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie, Schwerpunkt spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin
zur Fachartikel-Übersicht
Harninkontinenz und Beckenbodensenkung bei Frauen
BeobachtenModerne Behandlungsmethoden geben Hoffnung für betroffene Patienten
1. Erkrankung, Häufigkeit
Leider gehört in Deutschland das Krankheitsbild der Harninkontinenz d.h. der unwillkürliche Abgang von Urin immer noch zu den Tabuthemen vieler betroffener Patienten. Immer noch sehr wenige dieser Frauen suchen ihren Arzt auf, teils aus falschem Schamgefühl und teils aus mangelnder Information über bestehende Behandlungsmöglichkeiten.
In Deutschland leben zur Zeit über 4-6 Millonen Betroffene, davon ca. 75% Frauen. Die Harninkontinenz wird eingeteilt in die sog. Belastungsinkontinenz, die Dranginkontinenz, die Reflexinkontinenz sowie die Überlaufinkontinenz. Für die Ausbildung einer Streßinkontinenz gibt es mehrere Ursachen, wobei der Turgorverlust der Schleimhaut in der Harnröhre ebenso eine Rolle spielt wie Bindegewebsdefekte, Schwäche der muskulären Strukturen, Innervationsstörung, Nachoperationen nach Geburten, sowie durch intraabdominale Drucksteigerung bei chronischer Bronchitis sowie Adipositas. Nachdem viele Jahre verschiedene Operationstechniken mit teils geringem Erfolg zur Behebung der Inkontinenz eingesetzt wurden, kam es Mitte der 90er Jahre durch Einführung einer neuen Operationsmethode mit dem spannungsfreien Vaginalband zu einer wesentlichen Verbesserung der Operationsergebnisse. Behandelt werden mit dieser Methode vor allen Dingen Patientinnen, bei denen es zu einer Lockerung der Aufhängebänder der Harnröhre gekommen ist. Aufgrund dieser Lockerung kommt es bei diesen Patienten zu Störung der urethralen Verschlußfunktion mit Urinverlust bei Belastung wie Husten, Hüpfen und Laufen.
2. Behandlung der Harninkontinenz
Diese Methode (TVT) hat das Ziel eine Verbesserung des Harnröhrenverschlußdruckes hervorzubringen. Dazu wird von vaginal über einen kleinen Schnitt von etwa 1 cm Länge ein breites grobgewobenes Proleneband mittels Führungsnadel seitlich der Harnröhre gelegt. Dieses Proleneband liegt spannungsfrei um die mittlere Harnröhre, so dass die Kontinenz bei der Verschlußfunktion wieder hergestellt und die Funktionalität der Urethra nicht eingeschränkt wird. In die Schlinge einwachsende narbige Kollagenfasern stabilisieren anschließend die seitlichen Aufhängebänder der Harnröhre und führen zur einer dauerhaften Stabilisation. Dieses Verfahren ist nur sehr gering invasiv und es werden kleine Schnitte verwendet. Die Operationsdauer beträgt weniger als 30 Minuten. Neben dem herkömmlichen TVT gibt es mittlerweile mehrere Variationen zu dieser Op.- (TVT-O, MiniArc, TVT-secure). Nach der Operation werden die Patienten sofort mobilisiert. In der Regel ist bereits nach wenigen Stunden eine Spontanmiktion möglich, so dass eine Katheterisierung entfällt. Langzeitergebnisse bestätigen den Erfolg dieser Operation. Nach 5 Jahren sind zufriedenstellende Operationsergebnisse vorzuweisen. Bei insgesamt 85 % der Fälle kann man eine vollständige Heilung erreichen. In 10 % der Fälle kommt es zu einer deutlichen Besserung. Nur etwa 5% der Operierten werden durch eine TVT-Operation kein Gewinn an Lebensqualität erfahren.
3. Behandlung der Beckenbodensenkung
Die Senkung des Beckenbodens in ihrer vielfältigen Art und Ausprägung wird mit steigender Lebenserwartung der Frauen zu einem zunehmend individuellen Problem. Mittlerweile benötigt jede 10. Frau im Laufe ihres Lebens eine Becken-Boden-Rekonstruktion durch operative Technik. Die bisher angebotenen Operationstechniken führten oft nicht zu dem erwarteten Erfolg. Die Rezidivrate war je nach Operationstechnik relativ hoch, so dass es schon oft nach kurzer Zeit erneut zu einer Senkung des Beckenbodens kam. Ursächlich verantwortlich für die Senkung des Beckenbodens sind Versagen der stabilisierenden Strukturen, der Verlust der elastischen Aufhängung und Überdehnung des Halteapparates sowie Defekte im Beckenboden. Begünstigt wird die Senkung durch Schwangerschaften, Geburten sowie körperliche Arbeit, Übergewicht und chronische Verstopfung. Die bislang unbefriedigenden Operationsergebnisse führten zur Gründung der TVM-Initiative (transvaginal-Mesh) im Jahre 2000.
Dies führte zur Entwicklung und Standardisierung einer neuen Operationsmethode zur Behandlung der Senkung mit Netzimplantat über einen vaginalen Zugang. Die vorläufigen Operationsergebnisse geben Hoffnung für die betroffenen Patientinnen. So konnten 96% der betrachteten Fälle als geheilt angesehen werden. Ein erheblicher Vorteil der Methode ist, dass das Netz bis zur seitlichen Begrenzung des Beckenbodens ausgebreitet wird, wobei die Aufl agefl äche für die Organe deutlich gebessert werden. Das Netz liegt spannungsfrei unter der Blase und stützt diese wie eine Hängematte. Der Eingriff dauert nicht länger als eine halbe Stunde. Besonders vormals schwierige und hoffnungslose Fälle profitieren deutlich durch diese neue Methode. Sowohl die Therapie der Harninkontinenz als auch die modernen Methoden zur Behebung der Senkung der Beckenbodenregion werden in unser Abteilung seit Jahren mit großem Erfolg durchgeführt.
Autor:
Herr Dr. Karl G. Kunz
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie, Schwerpunkt spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin
Luitpoldstr. 14
76870 Kandel
Letzte Aktualsierung: 25.08.2010
Kommentare
Es liegen noch keine Kommentare vor.
Mit der Benutzung dieser Seite erkennen Sie die AGB und die Datenschutzerklärung der First Media Holding GmbH & Co. KG an. Wir übernehmen keine Haftung für den Inhalt der Beiträge sowie für den Inhalt externer verlinkter Internetseiten.



