- Start
- Mediathek
- Informationen
- Gesundheitsanbieter
- Medizinischer Beirat
- Forum
- Fachartikel
- Artikel
- Events
- Suche
Herr Priv.-Doz. Dr. med. Rüdiger Proßt
70182 Stuttgart
Facharzt für Allgemeine Chirurgie
zur Fachartikel-Übersicht
Enddarm-Erkrankungen: Spektrum der Proktologie
BeobachtenViele Menschen leiden an proktologischen Erkrankungen, also solche die den Enddarm betreffen. Häufig ist die Lebensqualität dadurch erheblich
beeinträchtigt. Leider sind proktologische Erkrankungen, selbst in
heutiger Zeit, ein weitgehend tabuisiertes Thema in der Gesellschaft.
Dabei lassen sich diese Erkrankungen in der Hand von hierauf
spezialisierten Ärzten, den Proktologen, durch eine gezielte Diagnostik
und eine adäquate Therapie meistens gut behandeln.
1. Hämorrhoidalleiden
All zu oft werden Enddarm-
Probleme auf die Verdachtsdiagnose „Hämorrhoiden“ reduziert und damit
eine korrekte Behandlung häufig verzögert oder sogar versäumt.
Nichtsdestotrotz besitzt das Hämorrhoidalleiden prozentual wohl den
höchsten Anteil an allen Enddarm- Erkrankungen. Anders als
üblicherweise bekannt, sind Hämorrhoiden kein eigentlich krankhafter
Befund: Vielmehr sind die bei jedem Menschen vorhandenen Hämorrhoiden
für die sogenannte „Feinkontinenz“ verantwortlich. Ähnlich einer
elastisch- variablen Abdichtung garantieren normal große Hämorrhoiden
eine Kontinenz für Luft, Feuchtigkeit und dünnen Stuhl. Das eigentliche
Hämorrhoidalleiden wird durch krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden
bedingt, welche dann so typische Symptome wie Blutungen, Nässen, Jucken,
Brennen oder ein Druckgefühl verursachen können. Im fortgeschrittenen
Stadium sind Hämorrhoiden durch einen Prolaps, d. h. durch ein
Hervortreten der vergrößerten Hämorrhoiden aus dem After gekennzeichnet.
Die Therapie des Hämorrhoidalleidens kann im Anfangsstadium ambulant z.
B. durch eine Verödung (Sklerosierung) bzw. durch eine Gummiband-
Abbindung (Ligatur) behandelt werden. Zusätzlich können Hautsymptome des
Hämorrhoidalleidens durch eine gezielte Salbenanwendung reduziert
werden. Erst im fortgeschrittenen Stadium ist eine operative
Intervention notwendig. Dabei können in heutiger Zeit häufig Operationen
mit äußerlichen und damit unter Umständen schmerzhaften Wunden
vermieden werden: Operative Verfahren mit Klammernahtinstrumenten
(Stapler- Hämorrhoidopexie), die durch den After durchgeführt werden,
erlauben ein minimal- invasives, relativ schmerzarmes Vorgehen.
2. Afterriss (Analfissur)
Eine
weitere häufige proktologische Erkrankung stellt der Afterriss, die
Analfissur, dar. Die Betroffenen berichten über z. T. unerträgliche
Schmerzen während des Stuhlgangs, welche noch Minuten bzw. Stunden
danach anhalten können. Ausgelöst werden Analfissuren häufig durch
Stuhlunregelmäßigkeiten wie z. B. durch harten Stuhl im Rahmen einer
Verstopfung oder durch eine Durchfallerkrankung. Wird die Analfissur
frühzeitig erkannt, kann durch eine gezielte Salbentherapie und durch
stuhlregulatorische Maßnahmen die Abheilung des Afterrisses gut erreicht
werden. Je länger jedoch eine Fissur besteht und chronifiziert, umso
schwieriger gestaltet sich der Heilungsprozess. Bleibt der
Heilungserfolg unter der Salbenbehandlung aus, so kann unter Umständen
eine Operation (Fissurektomie) unumgänglich werden, bei der der
Afterriss entfernt wird.
3. Perianalvenenthrombose
Eine sich
akut entwickelnde, proktologische Erkrankung ist die
Perianalvenenthrombose. Diese macht sich durch einen schmerzhaften,
prallen Knoten am Afterrand, z. B. im Rahmen einer Verstopfung, einer
Durchfallerkrankung oder nach langem Sitzen, bemerkbar. Dabei handelt es
sich um eine meist harmlose, aber schmerzhafte Erkrankung. Ursache der
Perianalvenenthrombose ist ein Blutgerinnsel in den Afterrandvenen
(Perianalvenen), welche nicht mit den Hämorrhoiden verwechselt werden
dürfen, die sich innerhalb des Enddarmes befinden. Bis auf eine
Schmerzbehandlung, z. B. durch eine betäubende Salbe, bedarf es in den
meisten Fällen keiner weiteren Behandlung, da sich das Blutgerinnsel
durch Abbauungsvorgänge von alleine zurückbildet.
4. Analabszesse und Analfisteln
Ähnlich
wie die zuvor genannte Perianalvenenthrombose - und damit vom Patienten
schwierig zu unterscheiden, äußern sich Analabszesse durch eine
schmerzhafte Schwellung im Analbereich. Ein Analabszess ist eine akute
Ansammlung von Eiter, welcher sich durch eine schmerzhafte, überwärmte,
gerötete Vorwölbung im Analbereich plötzlich bemerkbar macht und
operativ behandelt werden muss. Ursächlich für Analabzesse sind häufig
Analfisteln, entzündliche Gänge zwischen dem Enddarm und der
Hautoberfläche oder anderen Strukturen im Beckenbereich. Ein Abszess
entsteht durch Sekretstau und Eiteransammlung in Analfisteln, d. h. ein
Abszess stellt die akute Form einer Analfistel dar. Dementsprechend muss
bei der operativen Sanierung eine Fistelsuche und bei deren Nachweis
eine Behandlung der Analfistel erfolgen. Das jeweilige Vorgehen bei der
Fistelbehandlung richtet sich nach dem Verlauf der Fistel in Bezug zum
Schließmuskel. Oberflächliche Fisteln können ohne Gefahr für den
Schließmuskel entfernt werden. Fisteln, die jedoch einen großen Anteil
vom Schließmuskel umgreifen, lassen sich nicht einfach operativ
beseitigen, da sich sonst eine Stuhl- Inkontinenz entwickeln könnte. In
diesem Fall bedarf es einer plastisch, rekonstruktiven Operationstechnik
zur Fistelsanierung. Neben aufwändigeren Operationsverfahren haben sich
in letzter Zeit auch minimal- invasive Operationsmethoden etablieren
können, die den Fistelgang z. B. mittels eines auflösenden Materials
verschließen (Fistel- Plug).
5. Mastdarmvorfall (Rektumprolaps), Stuhlinkontinenz
Ein
proktologisches Krankheitsbild, das vor allem ältere Menschen betrifft,
ist der Mastdarmvorfall und die Stuhlinkontinenz. Beim Mastdarmvorfall,
dem Rektumprolaps, kommen neuerdings auch minimal- invasive operative
Verfahren mit Klammernahtinstrumenten (STARR- Operation) zur Anwendung,
die den Mastdarmvorfall durch den After beseitigen.
Auch bei der
Stuhlinkontinenz bieten sich mittlerweile minimal- invasive
Operationstechniken an: Sollten konservative Maßnahmen mit z. B.
Stuhlregulation, Analtampons etc. keine Verbesserung bewirken, kann eine
Sakral- Nerven- Stimulation (SNS) die Stuhlinkontinenz günstig
beeinflussen. Hierbei wird durch einen Art Schrittmacher, welcher in das
Gesäß implantiert wird, eine kontinuierliche Stimulation u. a. des
Schließmuskels erreicht und dadurch die Kontinenzleistung verbessert.
6. Tumore des Enddarms
Ein
weiteres Gebiet der Proktologie ist die Behandlung von Tumoren im
Enddarmbereich. Dabei unterscheiden sich Tumore sowohl in ihrer
Lokalisation im Enddarm, als auch in ihrer Ursache und ihrem
feingeweblichen Aufbau. Beispielhaft seien hier sogenannte Adenome,
Polypen die Potenz zum Übergang zum Krebs besitzen oder Feigwarzen
(Kondylome), die durch Papillomviren verursacht werden, genannt. Je nach
Lokalisation und Art der Tumore erfolgt die spezifische Behandlung.
7. Steinbeißfistel (Sinus pilonidalis, Pilmidalsinus)
Als
letztes Beispiel für eine Erkrankung die zum Gebiet der Proktologie
gehört, sei der Sinus pilonidalis (Steißbeinfistel) genannt. Diese
Erkrankung ist nicht direkt im Afterbereich lokalisiert, sondern zeigt
sich durch eine entzündliche Veränderung in der Steißbeinregion und
besitzt auch keine Verbindung zum Enddarm. Vom Sinus pilonidalis
sind häufig behaarte junge Männer betroffen, die flüssigkeitsabsondernde
Öffnungen und z. T. schmerzhafte, eitrige Schwellungen (Abszesse) in
der Steißregion beklagen. Beim Sinus pilonidalis finden sich
entzündliche Gänge (Fisteln), welche von der Hautoberfläche bis z. T.
tief in das Gewebe verlaufen. Hier bietet sich als Operationsverfahren
die vollständige Ausschneidung des betroffenen Haut- und Gewebeareals
an. Um den Heilungsprozess zu beschleunigen, kann dann zeitgleich der
Defekt durch eine Verschiebelappenplastik gedeckt werden.
Anhand der
obengenannten Beispiele für proktologische Erkrankungen ist erkennbar,
dass sich nicht jede Veränderung oder Beschwerde am Enddarm durch
Hämorrhoiden erklären lässt. Auch wenn manche eigenständige
Salbenanwendung eine Verbesserung der Symptome erreichen kann, sollten Enddarm-
Probleme durch Proktologen weiter abgeklärt und gezielt behandelt
werden. Es ist verständlich, dass dieser Schritt für die Betroffenen aus
Scham eine gewisse Überwindung kosten kann. Dabei ist es jedoch eine
Selbstverständlichkeit, dass proktologische Einrichtungen alle
Untersuchungen und Behandlungen unter sorgfältiger Respektierung der
Intimsphäre der Be troffenen durchführen und auf deren persönlichen
Belange vertrauensvoll eingehen.
Autor:
Herr Priv.-Doz. Dr. med. Rüdiger Proßt
Facharzt für Allgemeine Chirurgie
Esslingerstr. 40
70182 Stuttgart
Letzte Aktualsierung: 29.05.2012
Kommentare
Es liegen noch keine Kommentare vor.
Mit der Benutzung dieser Seite erkennen Sie die AGB und die Datenschutzerklärung der First Media Holding GmbH & Co. KG an. Wir übernehmen keine Haftung für den Inhalt der Beiträge sowie für den Inhalt externer verlinkter Internetseiten.



