- Start
- Mediathek
- Informationen
- Gesundheitsanbieter
- Medizinischer Beirat
- Forum
- Fachartikel
- Artikel
- Events
- Suche
Herr Dr. med. Mattias Loviscach
75217 Birkenfeld
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie
zur Fachartikel-Übersicht
Die Schilddrüse als zentrales endokrines Organ
BeobachtenDie Endokrinologie (von griechisch ενδον endon „innen“, und κριν&epsilonιν krinein „entscheiden, abscheiden“ und -logie) ist die „Lehre von den Hormonen“. Die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung der Hormone befasst, ist die Endokrinologie. Ein Wissenschaftler oder Arzt, der sich mit der Erforschung der Hormone, ihrer Wirkungsweisen und mit Erkrankungen des hormonalen Geschehens beschäftigt, wird als Endokrinologe bezeichnet.
Der Begriff Hormon wurde 1905 von Ernest Starling geprägt. Aus dieser Zeit stammt der klassische Hormonbegriff, nach dem Hormone im engeren Sinn körpereigene Stoffe sind, die aus einer endokrinen Drüse in den Blutkreislauf abgegeben werden, um in anderen Organen eine spezifische Wirkung zu erzielen (glanduläre Hormone). Diese klassische Definition findet bis heute Anwendung, wurde aber vielfach modifiziert und erweitert. So wurde der Hormonbegriff um Substanzen im Allgemeinen erweitert, die wie Calcitriol, Erythropoetin und das atriale natriuretische Peptid nicht aus einer Hormondrüse freigesetzt werden. In der Regel werden auch Substanzen, die von Nervenzellen produziert und ins Blut abgegeben werden (Neurohormone), der Gruppe der Hormone zugeordnet. Auch körpereigene Stoffe aus spezialisierten Zellen, die nach Abgabe unter Umgehung des Blutwegs direkt im unmittelbar benachbarten Gewebe (parakrin) ihre Wirkung erzielen (Gewebshormone) werden gelegentlich als Hormone bezeichnet.
Hormone werden von speziellen hormonproduzierenden
Zellen gebildet:
Diese finden sich in Drüsen, in der
Hirnanhangdrüse (Hypophyse), der
Zirbeldrüse, der Schilddrüse, der Nebenniere,
den Langerhansschen Inselzellen
der Bauchspeicheldrüse. Einige
Hormone werden auch von Nervenzellen
gebildet, diese nennt man Neurohormone
oder Neuropeptide. Hormone
des Magen/Darm-Traktes finden sich
verteilt in den Krypten. Zudem werden
in der Leber Vorstufen des Angiotensins
gebildet. Geschlechtshormone werden
von spezialisierten Zellen der weiblichen
oder männlichen Geschlechtsorgane
gebildet: Theca- und Granulosa-
Zellen bei der Frau und Leydig-Zellen
beim Mann.
Die folgenden Ausführungen beschränken
sich auf eine Beschreibung der
Schilddrüse mit den hier vorkommenden
Funktionsstörungen und Erkrankungen.
1. Die Schilddrüse
Die Schilddrüse (lat. Glandula thyr(e)
oidea) ist eine Hormondrüse bei den
Wirbeltieren. Sie befindet sich bei
Säugetieren am Hals unterhalb des
Kehlkopfes vor der Luftröhre. Beim
Menschen hat sie die Form eines
Schmetterlings und liegt unterhalb des
Schildknorpels vor der Luftröhre.
Die Hauptfunktion der Schilddrüse
besteht in der Jodspeicherung und Bildung
der jodhaltigen Schilddrüsenhormone
Thyroxin (Tetrajodthyronin, T4)
und Trijodthyronin (T3) sowie des Peptidhormons
Calcitonin. Die jodhaltigen
Schilddrüsenhormone werden von den
Follikelepithelzellen der Schilddrüse
(Thyreozyten) gebildet und spielen eine
wichtige Rolle für den Energiestoffwechsel
und das Wachstum einzelner
Zellen und des Gesamtorganismus.
Calcitonin wird von den parafollikulären
oder C-Zellen der Schilddrüse
gebildet. Es hemmt den Knochenabbau
durch Einbau von Calcium und Phosphat
in den Knochen und durch Hemmung
der Osteoklasten, die im aktivierten
Zustand zu einer Verminderung der
Knochensubstanz führen.
Die Schilddrüse ist Ausgangspunkt für
zahlreiche Erkrankungen, die u. a. zu
Störungen des Hormonstoffwechsels
führen und eine Unter- oder Überfunktion
der Schilddrüse (Hypothyreose
bzw. Hyperthyreose) hervorrufen können.
Der in der westlichen Welt häufig
vorkommende Jodmangel kann einen
Kropf (Struma) oder Knoten hervorrufen.
Die von der Schilddrüse gebildeten
Hormone Trijodthyronin (T3) und
Thyroxin (T4) sind von großer Bedeutung
für eine regelrechte Entwicklung
des neugeborenen Organismus. Auch
beim Erwachsenen beeinflussen die
Schilddrüsenhormone den Stoffwechsel
und Funktionszustand fast aller Organe.
Das ebenfalls in der Schilddrüse
gebildete Calcitonin spielt eine wichtige
Rolle im Calciumstoffwechsel.
Die Schilddrüsenhormone sind Bestandteil
des sogenannten thyreotropen
Regelkreises. Die Funktion der Schilddrüse
wird hierbei durch den Hypothalamus
und die Hirnanhangsdrüse
(Hypophyse) reguliert. In der Hirnanhangsdrüse
wird das Hormon TSH
(Thyreoidea stimulierendes Hormon)
gebildet und in die Blutbahn abgegeben.
An den Schilddrüsenzellen angelangt,
fördert es deren Wachstum und
die Ausschüttung von T3 und T4. T3
und T4 selbst hemmen wiederum die
Ausschüttung von TSH. Dieser als negative
Rückkopplung bezeichnete Mechanismus
führt dazu, dass im gesunden
Organismus die Stoffwechselparameter
konstant gehalten werden.
Sowohl die Ursachen als auch die Erscheinungsfolgen von Erkrankungen der Schilddrüse, die auch als Thyreopathien bezeichnet werden, sind vielfältig. Es lassen sich nach Häufigkeit tumorartige Krankheiten (Struma (Kropf), Schilddrüsenautonomie), Entzündungen, gut- und bösartige Neubildungen (benigne und maligne Neoplasien) und Störungen der Organentwicklung unterscheiden. Alle Schilddrüsenkrankheiten können zu Störungen des Hormonstoffwechsels führen. Diese Funktionsstörungen werden – abhängig von der Wirkung der Schilddrüsenhormone auf den Organismus – als Überfunktion (Hyperthyreose) oder Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse bezeichnet.
Als Struma (Kropf) wird jede Vergrößerung der Schilddrüse über ihr normales Volumen hinaus bezeichnet. Solche Vergrößerungen können objektiv mithilfe einer sonographischen Untersuchung der Schilddrüse festgestellt werden. Grundsätzlich kann jede der Schilddrüsenkrankheiten mit einer Volumenvergrößerung einhergehen. Die weitaus häufigste Ursache für eine Struma ist mit etwa 90% der ernährungsbedingte Jodmangel (auch als blande Struma bezeichnet).
2. Funktionsstörungen
Als Über- und Unterfunktion der Schilddrüse wird eine gesteigerte oder verminderte Wirkung der Schilddrüsenhormone auf den Stoffwechsel und die Organe des Körpers bezeichnet. Da Rezeptoren für Schilddrüsenhormone überall im Organismus vorhanden sind, kann es infolge von Funktionsstörungen der Schilddrüse zu Symptomen in fast allen Organsystemen kommen. Häufig sind dabei Störungen, die das Herz- Kreislauf-System, das Nervensystem und die Psyche, den Magen-Darm- Trakt sowie den allgemeinen Stoffwechsel, die Haut, das Muskel- und Skelettsystem sowie die Sexualfunktionen betreffen. Beispielsweise kann eine Überfunktion eine Beschleunigung des Herzschlags (Tachykardie), einen unwillkürlichen Gewichtsverlust, Nervosität und Zittern verursachen. Symptome einer Unterfunktion können ein verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), eine Gewichtszunahme, Obstipation, eine Depression und ein Verlust der Libido sein. Eine Unterfunktion bei Schwangeren kann beim Kind Kretinismus verursachen.
Die häufigsten Ursachen einer Hyperthyreose sind der Morbus Basedow, die Schilddrüsenautonomie sowie eine erhöhte Zufuhr von Schilddrüsenhormonen von außen in Form von Hormonpräparaten.
Die häufigsten Ursachen einer Hypothyreose sind die Hashimoto-Thyreoiditis sowie Maßnahmen (Operation, Radiojodtherapie, Medikamente), die im Rahmen der Therapie einer Schilddrüsenerkrankung durchgeführt wurden.
Es wird zwischen einer subklinischen (latenten) und manifesten Hyper- und Hypothyreose unterschieden. Bei einer manifesten Funktionsstörung ist die Konzentration der freien Schilddrüsenhormone (fT3 und fT4) erhöht oder erniedrigt. Hingegen ist bei einer subklinischen Funktionsstörung die Konzentration der freien Hormone noch im Normbereich, während die Konzentration des Schilddrüsen stimulierenden Hormons TSH erniedrigt beziehungsweise erhöht ist.
Eine Schilddrüsenautonomie liegt vor, wenn die Thyreozyten in ihrem Wachstum und ihrer Funktion nicht mehr abhängig von der Regulation durch die Hypophyse sind. Durch vermehrtes Wachstum kommt es zur Ausbildung einzelner oder mehrerer Knoten (unifokale oder multifokale Autonomie), selten auch zu einer disseminierten Autonomie, bei der ein diffuses Wachstum vorliegt. Die autonomen Knoten können vermehrt Schilddrüsenhormon produzieren, wodurch es häufig zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommt. Die Schilddrüsenautonomie tritt in Jodmangelregionen häufiger auf als in Ländern mit ausreichender Jodversorgung. Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Lebensalter zu: Sie ist vor allem bei Personen über dem 40. Lebensjahr anzutreffen.
3. Entzündungen
Die Schilddrüsenerkrankungen können auf unterschiedliche Art und Weise eingeteilt werden. Eine häufige Einteilung ist die nach dem Krankheitsverlauf: Es können akute, subakute und chronische Schilddrüsenentzündungen unterschieden werden. Darüber hinaus sind Einteilungen nach dem Schmerzcharakter (schmerzlose und schmerzhafte Schilddrüsenentzündungen) sowie nach der Ursache üblich.
4. Akute Thyreoiditis
Eine akute Thyreoiditis kann verschiedene
Ursachen haben:
Bei einer infektiösen Thyreoiditis
kommt es zu einer Infektion durch
Bakterien, Pilze und Parasiten. Bei
Infektion durch Bakterien, der häufigsten
Form der infektiösen Thyreoiditis,
kommt es innerhalb weniger
Tage zu einer schmerzhaften eitrigen
Schilddrüsenentzündung mit ausgeprägtem
Krankheitsgefühl, bei der
sich Abszesse in der Schilddrüse bilden
können. Sie wird auch als akute
eitrige Thyreoiditis bezeichnet. Mit
einem Anteil von unter 1% an den
Schilddrüsenerkrankungen ist die
akute eitrige Thyreoiditis eine seltene
Erkrankung
Bei einer iatrogenen Thyreoiditis
handelt es sich um eine durch medizinische
Maßnahmen hervorgerufene
Thyreoiditis. Eine akute iatrogene
Thyreoiditis kann nach einer Feinnadelaspiration,
nach Radioiodtherapie,
nach Strahlentherapie und nach operativen
Eingriffen der die Schilddrüse
umgebenden Organe auftreten. Die
akute iatrogene Thyreoiditis nach
Radioiodtherapie oder nach Strahlentherapie
wird auch als Strahlenthyreoiditis
bezeichnet
Paraneoplastische Thyreoiditis: Infolge
von Tumoren und Metastasen der Schilddrüse kann ebenfalls eine akute
Entzündungsreaktion im Schilddrüsengewebe
entstehen
Subakute Thyreoiditis: Die subakute
Thyreoiditis wurde erstmals 1904 von
Fritz de Quervain beschrieben. Ihre
Ursache ist bis heute noch ungeklärt,
vermutet wird eine vorausgehende Virusinfektion.
Bei dieser Erkrankung
bilden sich im Gewebe „Riesenzellen“,
was ihr deshalb auch den Namen
Riesenzellenthyreoiditis einbrachte.
Symptom ist vor allem der bis ins Ohr,
Ober- und Unterkiefer ausstrahlende
Schmerz. Die Schmerzen im Halsbereich
wechseln häufig von einer Seite
auf die andere. Zusätzlich leiden die
Patienten an allgemeinem Krankheitsgefühl,
Fieber, Abgeschlagenheit
und Leistungsschwäche, wie bei einem
schweren viralen Infekt. Dabei
geht der subakuten Thyreoiditis meist
mit einem zeitlichen Abstand von
einigen Wochen ein Atemwegsinfekt
voraus. Durch die Entzündungsreaktion
kommt es zu einer Schädigung
der Thyreozyten. Als Folge werden die
Schilddrüsenhormonspeicher ins Blut
entleert. Im Blut steigt die Schilddrüsenhormonkonzentration
deutlich an.
Beschwerden im Sinne einer Hyperthyreose
sind die Folge. Nach dieser
vorübergehenden Phase folgt eine
Hypothyreose, da das beschädigte
Schilddrüsengewebe nicht mehr in
der Lage ist, neue Schilddrüsenhormone
zu produzieren. Die Erkrankung
dauert meist 1 bis 4 Monate, selten
auch mal bis zu 6 Monate. Durch
eine entsprechende Therapie können
die Symptome schnell abgemildert
werden. Während eine ursachenspezifische
Therapie nicht bekannt ist,
sind die Symptome durch Gabe von
Salicylsäure oder Diclofenac bei einer
leichten bzw. von Glukokortikoiden
bei einer schweren Thyreoiditis
angehbar. Der Versuch der Behandlung
der hormonellen Überfunktion
mittels Thyreostatika ist wirkungslos.
Nach Ausheilung behält die Schilddrüse
in der Regel ihre normale Funktion.
Manchmal entwickelt sich eine
Unterfunktion, die durch die Gabe
von Schilddrüsenhormon (L-Thyroxin)
behandelt werden kann
5. Autoimmunthyreoiditiden
Die chronische Thyreoiditis ist eine über Jahre hinweg verlaufende, schmerzlose Erkrankung, die das Gewebe ganz oder teilweise zerstört. Ursachen hierfür sind ein Gendefekt (mit familiärer Häufung) und eine Autoimmunerkrankung. Sämtliche Symptome treten langsam und schleichend auf. Daher wird die Erkrankung auch meist eher zufällig entdeckt. Die Therapie wird individuell auf den Patienten und den Krankheitsverlauf abgestimmt. Als Folge der Erkrankung bleibt eine endokrin funktionsuntüchtige Schilddrüse zurück. Daher ist eine lebenslange Substitution (Ersatzgabe) von Schilddrüsenhormonen notwendig.
Die Hashimoto-Thyreoiditis oder auch Struma lymphomatosa Hashimoto ist eine mit den Jahren zunehmende fokale oder diffuse lymphozytäre und plasmazelluläre Infiltration der Schilddrüse unter Ausbildung von Lymphfollikeln und Keimzentren, welche mittels Punktionszytologie nachgewiesen werden können. Es kommt zur Fibrosierung bis hin zum Verschwinden des Schilddrüsenparenchyms unter gleichzeitiger Ausbildung einer derben Struma ohne Knoten. Diese Erkrankung tritt sehr häufig in Verbindung mit anderen Autoimmunkrankheiten auf (z. B. Myasthenie, perniziöse Anämie, atrophische Gastritis).
Die Hashimoto-Thyreoiditis nimmt einen
klinisch unauffälligen Verlauf mit
einer mehr oder minder ausgeprägten
Hypothyreose, eventuell Lymphozytose
und Immunglobulinvermehrung.
Im akuten Schub kann auch eine hyperthyreote
Stoffwechsellage auftreten
(„Hashitoxikose“). Die Schilddrüsenantikörper
TPO-AK und TG-AK sind
initial erhöht. Therapiert wird in erster
Linie durch Substitutionsbehandlung
mit Schilddrüsenhormonen. Struma
anderer Ursache muss ausgeschlossen
werden, insbesondere die Struma maligna
(Schilddrüsenkrebs).
Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunkrankheit
der Schilddrüse, die mit
der Bildung von stimulierenden Antikörpern
gegen Thyreozyten einhergeht.
Die Folge ist neben einer Überfunktion
mit den entsprechenden Symptomen
häufig auch eine Vergrößerung
der Schilddrüse. Die Krankheit betrifft
etwa 1–2% der Bevölkerung, wobei
Frauen fünfmal häufiger als Männer
betroffen sind. Der Immunprozess, der
dem Morbus Basedow zu Grunde liegt,
kann auch in anderen Organen zu Symptomen
führen. Bei etwa 60% der Patienten
tritt eine sogenannte endokrine
Orbitopathie auf, die durch eine Volumenzunahme
des hinter dem Auge befindlichen
Bindegewebes charakterisiert
ist. Hierdurch können die Augäpfel vorgedrängt
werden (Exophthalmus). Seltener
(bei weniger als 3% der Patienten)
ist eine Manifestation in der Haut vor
dem Schienbein (prätibiales Myxödem),
bei der es zu einer nichteindrückbaren
Schwellung der Haut kommt.
Der Morbus Basedow neigt bei chronischem Verlauf zu Spontanremissionen und häufigen Rezidiven. Eine Assoziation mit anderen Autoimmunkrankheiten ist möglich (z. B. Vitiligo, rheumatoide Arthritis, Enteritis regionalis Crohn, Diabetes mellitus Typ 1).
Der Schilddrüsenantikörper TRAK ist nachweisbar, bei 60–80% der unbehandelten Patienten ist oft auch TPO-AK und TGAK nachweisbar. Der Morbus Basedow kann mit Hilfe von Thyreostatika behandelt werden, bei Rezidivhyperthyreosen ist ggf. eine sogenannte „ablative Therapie“, d. h. vollständige Zerstörung durch Gabe von Radiojod oder eine chirurgische Entfernung notwendig. Die Übergänge zwischen den einzelnen Immunthyreopathien sind zum Teil fließend.Die Postpartum-Thyreoiditis ist eine Autoimmunthyreoiditis bei Frauen im ersten Jahr nach der Entbindung mit oft subklinischer Hypo- oder Hyperthyreose und meist spontaner Remission. Gelegentlich kommt es zu einem Übergang in einen Morbus Basedow oder eine Hashimoto-Thyreoiditis.
6. Invasiv-sklerosierende Thyreoiditis
Bei der invasiv-sklerosierenden Thyreoiditis oder Riedel-Struma geht die Fibrosierung der Schilddrüse über das Organ hinaus und schließt das umliegende Gewebe und Muskeln mit ein (perithyroidale Thyreoiditis).
7. Spezifische Thyreoiditis
Spezifische Thyreoiditiden treten beispielsweise bei Tuberkulose oder Sarkoidose auf.
8. Schilddrüsenkrebs
Die bösartigen Neubildungen der Schilddrüse (maligne Neoplasien) gehen meist von den Thyreozyten oder von den Calcitonin produzierenden CZellen aus. Sehr selten ist ein vom Bindegewebe ausgehender Schilddrüsenkrebs (Sarkom). Als einzige gesicherte Ursache für die Schilddrüsenkrebse gilt eine Strahlenexposition. Gemäß pathologischen Kriterien wird der Schilddrüsenkrebs in folgende Untergruppen eingeteilt:
Follikuläres Karzinom: Bei diesem Karzinom ähnelt der Gewebeaufbau weitgehend der Struktur einer ausgereiften oder sich entwickelnden Schilddrüse. Die Krebszellen gehen von den Thyreozyten aus und bilden vorwiegend über die Blutbahn Absiedlungen (hämatogene Metastasierung) in Lunge, Skelett und Gehirn. Auf das follikuläre Karzinom entfallen 20–50% aller Schilddrüsenkarzinome. Es betrifft häufig Frauen im 4. und 5. Lebensjahrzehnt.
Papilläres Karzinom: Diese Karzinome gehen ebenfalls von den Thyreozyten aus und bilden fingerförmig verästelte (papilläre) Strukturen. Sie sind mit 50–80% aller Schilddrüsenkarzinome die häufigsten bösartigen Neubildungen der Schilddrüse. Sie metastasieren vorwiegend über die Lymphgefäße (lymphogene Metastasierung) in die Lymphknoten des Halses. Diese können dadurch an Größe zunehmen und getastet werden. Die papillären Karzinome betreffen häufig Frauen im 3. – 4. Lebensjahrzehnt. Als begünstigende Faktoren für ihre Entstehung gelten eine Strahlenbelastung (beispielsweise im Rahmen einer therapeutischen Bestrahlung der Kopf-Hals-Region oder der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl), eine Hashimoto-Thyreoiditis sowie verschiedene genetische Syndrome (FAP-Syndrom und Cowden- Syndrom).
Anaplastisches Karzinom: Dieses Karzinom zeigt in seiner Feinstruktur keine Ähnlichkeiten mehr mit dem ursprünglichen Schilddrüsengewebe und wird deshalb auch als undifferenziertes Karzinom bezeichnet. Es wächst sehr aggressiv in das umliegende Gewebe ein und metastasiert sowohl lymphogen als auch hämatogen. Etwa 5–10% der Schilddrüsenkarzinome entfallen auf diesen Typ. Selten entsteht es vor dem 60. Lebensjahr; eine Geschlechtspräferenz zeigt es nicht.
Medulläres Karzinom: Das medulläre Karzinom geht von den Calcitonin produzierenden Zellen der Schilddrüse aus. Es handelt sich um ein neuroendokrines Karzinom, das neben dem Calcitonin auch weitere Hormone (wie Somatostatin, Serotonin und vasoaktives intestinales Peptid) produzieren kann. Es ist für etwa 5% aller Schilddrüsenkarzinome verantwortlich. Die Krankheit kann sporadisch bei einzelnen Individuen oder im Rahmen genetischer Syndrome (MEN-Syndrom) auftreten. Dieses Karzinom metastasiert sowohl lymphogen als auch hämatogen und tritt insgesamt bei Frauen und Männern mit gleicher Häufigkeit auf.
Literatur
www.wikipedia.de
The Washington Manual® Endocrinology
Subspecialty Consult Lippincott
Williams & Wilkins; Second
Edition edition (July 1, 2008)
Checkliste Endokrinologie und Stoffwechsel,
Thieme, Stuttgart; Auflage: 4.
überarb. u. erw. Aufl. (2000)
Kacsoh, Balint: Endocrine physiology.
New York: McGraw-Hill, Health
Professions Division 2000
R. Hörmann: Schilddrüsenkrankheiten.
Leitfaden für Klinik und Praxis.
4. Auflage. Abw Wissenschaftsverlag,
Berlin 2005
U.-N. Riede, M. Werner, H.-E. Schäfer
(Hrsg.): Allgemeine und spezielle
Pathologie. Thieme, Stuttgart 2004
Autor:
Herr Dr. med. Mattias Loviscach
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie
Baumgartenstr. 17
75217 Birkenfeld
Letzte Aktualsierung: 06.09.2010
Kommentare
Es liegen noch keine Kommentare vor.
Mit der Benutzung dieser Seite erkennen Sie die AGB und die Datenschutzerklärung der First Media Holding GmbH & Co. KG an. Wir übernehmen keine Haftung für den Inhalt der Beiträge sowie für den Inhalt externer verlinkter Internetseiten.



