- Start
- Mediathek
- Informationen
- Gesundheitsanbieter
- Medizinischer Beirat
- Forum
- Fachartikel
- Artikel
- Events
- Suche
Herr Dr. med. Martin Kornmann
67105 Schifferstadt
Facharzt für Innere Medizin (Diabetologie)
zur Fachartikel-Übersicht
Diabetes Mellitus
Beobachten1. Geschichte
Der Diabetes mellitus ist eine weltweit zunehmende Erkrankung die in allen Lebensabschnitten vorkommen kann. Man bezeichnet damit das Auftreten einer Überzuckerung im Körper. Problematisch sind die akuten und chronischen Komplikationen sowie die damit einhergehenden Begleiterkrankungen.
Zucker wird vom menschlichen Körper ständig in den Kreislauf abgegeben. Er wird dann unter dem Einfluß verschiedener Hormone von Geweben aufgenommen, umgewandelt und zu Energie verbrannt. Im Vordergrund stehen dabei die von der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormone Insulin und Glucagon. Dies bedeutet dass der Zuckerstoffwechsel eine zentrale Bedeutung im Energiehaushalt hat.
Bereits 1853 erkannte Claude Bernard, dass die Blutzuckerkonzentration eine wesentliche Rolle zur Aufrechterhaltung des „Inneren Milieus“ im Körper spielt. 1875 propagierte der Diabetologe Bouchardat, dass die Urinzuckermessung eine wesentliche Voraussetzung zur Eigenkontrolle des Patienten darstellt. Anfang des 20. Jahrhunderts war es der amerikanische Internist Joslin der erstmals Konzepte zur Insulintherapie von Typ 1 Diabetikern entwickelte.
2. Diabetestypen
Wir unterscheiden im wesentlichen den Typ 1 Diabetes bei dem die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin produziert und den Typ 2 Diabetes bei dem zunächst noch ausreichend Insulin zur Verfügung steht, dieses aber auch unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage ist Zucker in Energie umzuwandeln. In diesen Fällen erschöpft sich die Bauchspeicheldrüse zunehmend bis es auch hier zu einem Insulinmangel kommt. Darüber hinaus unterscheiden wir eine Vielzahl von Diabetessonderformen wobei insbesondere dem sog. Schwangerschaftsdiabetes eine zunehmende Bedeutung zukommt.
Allen Formen des Diabetes gemeinsam ist das weltweit zunehmende Auftreten sowohl des Typ 1 als auch des Typ 2 Diabetes. Damit einhergehend findet sich eine Explosion der Akutkomplikationen sowie der chronischen Folgeerkrankungen. Dies hat nicht nur entscheidende Bedeutung für die Betroffenen sowie, im Falle des Schwangerschaftsdiabetes, für deren Nachkommen, sondern belastet weltweit zunehmend die Krankenversicherungssysteme aller Länder.
Der Typ 1 Diabetes beruht auf einer Entzündung bestimmter Bereiche der Bauchspeicheldrüse wobei neben einer genetischen Prädisposition auch bestimmte Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Es kommt zu einem zunehmenden Versagen der Insulinproduktion, wodurch Zucker nicht in die Zellen des Körpers eingeschleust und zu Energie umgewandelt werden kann. Die Folge ist eine akute Entgleisung des Zuckerstoffwechsels sowie nachfolgend des Wasser- und Elektrolytstoffwechsels. Bei dauerhaft schlechter Blutzuckereinstellung treten Komplikationen an einer Vielzahl von Organen auf.
Beim Typ2 Diabetes spielen Vererbungsfaktoren sowie verändertes Bewegungs- und Ernährungsverhalten eine entscheidende Rolle in Entstehung und Verlauf der Stoffwechselerkrankung. Sie beruht auf einer abnormen Insulinabgabe nach Nahrungsaufnahme, einer beeinträchtigten Wirkung von Insulin, sodass Zucker nicht in Zellen aufgenommen werden kann und einer verstärkten Zuckerproduktion in der Leber trotz bereits bestehender Überzuckerung.
3. Folgekrankheiten
Die Folge des chronischen Zuckeranstiegs ist eine Schädigung einer Vielzahl von Organen. Neben einer Schädigung von Nerven, kleinen Gefäßen in Nieren mit der Konsequenz einer zunehmenden Beeinträchtigung der Nierenfunktion und Augen (Erblindung) steht eine fortschreitende Sklerose von Gefäßen im Vordergrund. Die Folge sind vermehrte Herzinfarkte, Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen an den Beinen. Hier überlagern sich die Auswirkungen der unterschiedlichen Komplikationen sodass in vielen Fällen Geschwüre an den Füßen auftreten die bei nicht konsequenter Behandlung leider heute zu oft Amputationen nach sich ziehen.
Dies umso mehr da bei den meisten Patienten gleichzeitig auch Fettstoffwechselstörungen, erhöhter Blutdruck und Übergewicht („metabolisches Syndrom“) auftreten.
4. Diagnostik
Diagnostisch stehen daher neben einer Blutzuckermessung auch die Bestimmung der weiteren Risikofaktoren im Vordergrund. Darüber hinaus sind die Bestimmung der Nierenfunktion, Untersuchungen des Auges und der Nerven, des Herzens sowie der Gefäße und der Füße von entscheidender Bedeutung. Eine Darstellung des Blutzuckerverlaufs ist uns heute durch Langzeitblutzuckermessungen möglich.
5. Therapie
Therapeutisch wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Neben einer konsequenten Aufklärung der Patienten („Schulung“) über Ursachen, mögliche Folgeerkrankungen, Möglichkeiten der Selbstkontrolle stehen heute eine Vielzahl von therapeutischen Verfahren zur Verfügung. Diese werden von ausgebildeten Diabetessberaterinnen durchgeführt.
Beim Typ 1 Diabetes haben sich differenzierte Formen der Insulintherapie etabliert, wobei die Patienten lernen den Insulinbedarf an den Blutzuckerstoffwechsel und die Nahrung anzupassen. Dies geschieht durch Insulininjektionen oder durch die Verwendung einer Insulinpumpe.
Der Typ 2 Diabetes erfordert in erster Linie eine Änderung der Ernährungsund Bewegungsfaktoren. Die Ernährungsumstellung ist ein wesentlicher Bestandteil der Diabetesschulung, bezüglich der Bewegungsänderung stehen uns heute eine Vielzahl von Rehabilitations- und Präventionsprogrammen zur Verfügung (Diabetessportgruppe, „Mobilis“, „Mobilis light“ u.a.). Erst in zweiter Linie kommen beim Typ 2 Diabetes Medikamente zum Einsatz. Auch hier hat sich das Repertoire mittlerweile erheblich erweitert, in vielen Fällen ist eine konsequente Insulintherapie erforderlich.
Die Behandlung des „diabetischen Fusssyndroms“ erfordert neben einer konsequenten Diagnostik eine Therapie in einer spezialisierten Einrichtung. Die Diagnostik des „diabetischen Fußes“ umfasst Untersuchungen der Haut, der Gefäße, der Nerven sowie des Fußskeletts. Die Therapie erfordert neben einer konsequenten Blutzuckereinstellung eine Optimierung der Durchblutung, eine spezielle Lokalbehandlung der Wunden, ggf. systemisch antibiotische Therapie sowie Entlastung des Fusses durch Einlagen, „Diabetikerschuhe“ oder andere spezielle Zurichtungen. Nach Abheilung der Wunden sind zusätzlich eine regelmäßige Kontrolle des Fußes und eine individuelle Fußpflege prognostisch bedeutsam.
Ein weiterer Schwerpunkt ist heute die Diagnostik und Therapie des Schwangerschaftsdiabetes. Hier kommt es, meist bei entsprechender familiärer Belastung und oft begünstigt durch Übergewicht schon im jugendlichen Alter, als Folge des Ansteigens der Schwangerschaftshormone zu einem Anstieg des Blutzuckers. Die Folge sind Komplikationen von Seiten des Kindes, der werdenden Mutter sowie während der Geburt. Aus diesem Grunde sind auch hier konsequente Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle in spezialisierten Einrichtungen erforderlich.
Diabetologische Schwerpunktpraxen werden von Ärzten mit spezieller Weiterbildung („Diabetologen“) geleitet. Sie haben die Aufgabe den jeweiligen Diabetestyp zu bestimmen und ein individuelles Therapiekonzept zu entwerfen. Diese richtet sich nach der jeweiligen Stoffwechselsituation sowie den Begleiterkrankungen. In regelmäßigen Abständen ist im weiteren Verlauf die Stoffwechseleinstellung zu überprüfen und ggf. das Therapeutische Konzept zu variieren. Die praktische Umsetzung der „Schulungen“ erfolgt durch Mitarbeiter mit besonderer Fortbildung, den „Diabetesberaterinnen“. Sie vermitteln die Prinzipien der Ernährung, weisen die Patienten in die Blutzuckermessung sowie die Insulinspritztechnik ein und sind ständiger Partner der Patieten bei den vielfältigen Facetten Ihrer Erkrankung. Ein wesentliches Prinzip der modernen Diabetestherapie stellen heute die individuellen Schulungen dar. Die Diabetesberaterinnen bieten dafür unterschiedliche Beratungen für Menschen mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes, Menschen mit Nervenstörungen, Nierenproblemen, Wahrnehmungsstörungen für Unterzuckerungen, Diabetischem Fusssyndrom sowie Menschen mit Insulinpumpen an.
Daneben bestehen enge Kooperationen mit anderen ärztlichen Fachrichtungen wie Neurologen, Nephrologen, Angiologen, Kardiologen und Gefäßchirurgen sowie mit orthopädischen Schuhmachermeistern und Podologen (auf Diabetes spezialisierte Fußpflegerinnen).
Das Herz des Diabetikers ist vielfältig gefährdet: Neben Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße („KHK“) treten in vielen Fällen eine Herzschwäche ohne nachweisbare KHK sowie plötzliche und oft tödlich verlaufende Herzrhythmusstörungen auf. Darüberhinaus verspüren die Patienten oft keine typischen Beschwerden („Angina pectoris“) sondern berichten meist über uncharakteristische Beschwerden sowie Symptome als Folge einer Herzschwäche. Die KHK schreitet oft rasch voran und befällt meist nur diffus kleine Gefäße („kaum auffällige Herzkatheteruntersuchung“). Leider ist das Risiko cardialer Komplikationen bereits früh deutlich erhöht, auch wenn die Blutzuckereinstellung scheinbar noch gut ist. Dies erfodert zum einen eine konsequente Diagnostik bereits in frühen Diabetesstadien und zum anderen eine multimodale Therapie aller Risikofaktoren. Neben einer konsequenten medikamentösen Blutzuckereinstellung hat sich hier eine Änderung des Lebensstils mit diabetesgerechter Ernährung und regelmäßiger Aktivität besonders bewährt wobei jedoch eine individuelle internistisch- sportmedizinische Trainingsempfehlung erforderlich ist. Diesbezüglich arbeiten wir mit Sportstudios zusammen und haben eine Diabetessportgruppe mitgegründet.
In den letzten Jahren hat sich das Wissen über die Zusammenhänge Diabetes – Herz- und Gefäßproblematik und sportlicher Aktivität zunehmend erweitert, sodass dies mittlerweile ein Hauptschwerpunkt unserer Praxis darstellt.
Unsere Praxis ist als diabetologische Schwerpunktpraxis und als diabetologische Fußambulanz anerkannt. Wir führen regelmäßige Schulungen, Einstellungen und Verlaufskontrollen von Menschen mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes, Diabetessonderformen sowie Schwangerschaftsdiabetikerinnen durch. Als diabetologische Fußambulanz versorgen wir, in Kooperation mit Neurologen, Gefäßchirurgen, Fußpflegerinnen und orthopädischen Schuhmachern Menschen mit Fußläsionen als Folge des Diabetes.
Darüberhinaus ist es unser Ziel Menschen mit Diabetes ganzheitlich zu betreuen wobei wir insbesondere eine ausführliche Diagnostik und Therapie der Herz- und Kreislauf Komplikationen des Diabetes anbieten.
Autor:
Herr Dr. med. Martin Kornmann
Facharzt für Innere Medizin (Diabetologie)
Rehbachstraße 23
67105 Schifferstadt
Letzte Aktualsierung: 24.08.2010
Kommentare
Es liegen noch keine Kommentare vor.
Mit der Benutzung dieser Seite erkennen Sie die AGB und die Datenschutzerklärung der First Media Holding GmbH & Co. KG an. Wir übernehmen keine Haftung für den Inhalt der Beiträge sowie für den Inhalt externer verlinkter Internetseiten.



