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Herr Dr. med. Rainer K. Fontana 67269 Grünstadt
Facharzt für Augenheilkunde zur Fachartikel-Übersicht

Herr Dr. med. Rainer K. Fontana

Der Graue Star (Katarakt)

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1. Erkrankung, Häufigkeit

Als Grauen Star (Katarakt) bezeichnet man die Eintrübung der Augenlinse. Die Augenlinse liegt direkt hinter der Regenbogenhaut. Ist der Graue Star weit fortgeschritten, erscheint die Pupille nicht mehr schwarz sondern weissbräunlich.

Der Graue Star ist eine normale Alterserscheinung. Da viele ein hohes Alter erreichen, ist in Deutschland die Operation des Grauen Stars inzwischen die häufigste Operation überhaupt: 600.000 Kunstlinsen werden in der BRD jedes Jahr implantiert. In der dritten Welt, wo die augenärztliche Versorgung unzureichend ist, ist der Graue Star immer noch die häufigste Erblindungsursache. Auch treten dort durch Mangel- oder Fehlernährung Linsentrübungen bereits im mittleren Alter auf.

2. ... nicht nur im Alter

Üblicherweise (über 90%) tritt der Graue Star als Altersstar jenseits des 60. Lebensjahres auf. Er kann sich jedoch auch schon früher entwickeln. Diabetes oder langjährige Kortison- Behandlung führen zu einer frühzeitigen Linsentrübung. Auch Augenverletzungen und einige Hauterkrankungen lassen die Linse frühzeitig eintrüben. Nach Starkstromunfall oder Blitzschlag kann sich auch ein Grauer Star entwickeln. Als Berufskrankheit ist der frühzeitige Graue Star bei Berufen mit starker Wärmestrahlung anerkannt (Hochofenarbeiter, Glasbläser). Auch gibt es bei Neugeborenen einen angeborenen Grauen Star. Ursachen sind Infektionen mit Masern oder Röteln oder angeborene Stoffwechselerkrankungen. Sehr selten ist die Linsentrübung optisch störend. Dann jedoch muss aufgrund der Gefahr einer bleibenden Schwachsichtigkeit in den ersten Lebenswochen operiert werden.

3. Unterschiedliche Trübungen

Die Katarakt wird nach der Lokalisation der Trübung eingeteilt.

- Rindenstar (Cataracta corticalis) Durch Scherungsbrüche dringt Flüssigkeit in die Linsenrinde. Es entstehen sog. Wasserspalten (d. h. flüssigkeitsgefüllte Vakuolen), die das klare Linsenmaterial eintrüben. Etwa 50% der Altersstare beginnen so.

- Kernstar (Cataracta nuclearis) Hier geschieht genau das Gegenteil. Der Linse wird Wasser entzogen. Es kommt zu einer grau-bräunlichen Verdichtung im Kern und einer Zunahme der Brechkraft – der Patient wird kurzsichtiger. Der Kernstar schreitet viel langsamer voran als der Rindenstar.

- Subkapsulärer Star (Cataracta subcapsularis) Er macht nur 20% der Altersstare aus. Er schreitet aber am schnellsten voran. Manchmal kommt es binnen wenigen Wochen zu erheblichen Sehstörungen.

Den Schweregrad der Eintrübung wird mit den Begriffen incipiens (beginnend), provecta (fortgeschritten) und matura (reif-vollständig) beschrieben.

4. Beschwerden

Bei einer Katarakt legt sich über das Blickfeld eine Art Schleier. Insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen nimmt der Kontrast ab. Ein erstes Zeichen ist auch die Zunahme der Blendempfindlichkeit – man greift häufiger zur Sonnenbrille. Auch das Autofahren in der Nacht wird beschwerlich. Beim Lesen benötigt man mehr Licht. All dies wird durch die Streuung des Lichtes in der trüben Linse verursacht.
Dennoch kann für lange Zeit eine zufriedenstellende Sehschärfe erhalten bleiben.
Entstehen aber zuletzt dichte Trübungen im Zentrum der Linse, fällt unweigerlich die Sehschärfe ab.

5. Wann operieren?

Den Zeitpunkt der Operation bestimmt der Patient in Absprache mit seinem Augenarzt. Fühlt man sich im täglichen Leben nicht beeinträchtigt, ist keine Eile geboten. Für Autofahrer und besondere berufliche Anforderungen gelten natürlich andere Maßstäbe. In diesen Fällen wird der Augenarzt dem Patienten schon eher zur Operation raten, denn hier kann Selbstüberschätzung zur Gefahr für den Patienten selbst und für andere werden.

6. Die Operation

Es gibt keine Medikamente, die den Grauen Star heilen können: Es bleibt nur die Operation.
Die Operationstechniken und Kunstlinsenmaterialien haben sich in den letzten 30 Jahren so entwickelt, dass Komplikationen äußerst selten sind. Auch die Operationsdauer liegt heute im Bereich von 10 Minuten, wo früher mehr als eine halbe Stunde operiert wurde.
Die Operation wird in örtlicher Betäubung durchgeführt. Ein Betäubungsmittel wird an zwei Stellen durch die Lider neben den Augapfel eingespritzt. Dies ist kaum schmerzhaft. Genauso ist es möglich, die Operation nur mit betäubenden Augentropfen durchzuführen.
Am Rand der Hornhaut werden mit feinsten Messern drei kleine Schnitte (1-3 mm) angebracht, durch die die Instrumente in das Auge eingeführt werden. Dann wird Linsenkapsel kreisrund eröffnet. Mit einen speziellen Instrument wird dann der Inhalt der Linse zerkleinert und abgesaugt. Übrig bleibt die klare und leere Linsenkapsel.
Die heutigen Kunstlinsen bestehen aus flexiblen Materialen. Somit können diese gefaltet oder aufgerollt werden und über die kleinen Schnitte in das Auge eingebracht werden. Die Kunstlinse wird in die leere Linsenkapsel eingesetzt.
Somit wird die gesamte Operation über kleinste Hornhautschnitte durchgeführt. Der große Vorteil ist, dass der eigene Augeninnendruck diese Schnitte von selbst verschließt. Damit ist eine Naht heute nicht mehr notwendig.

7. Komplikationen

Es kann selten vorkommen, dass bei der Operation der hintere Teil der Linsenkapsel einreißt. Die Kunstlinse kann dann nicht mehr wie vorgesehen in die Linsenkapsel eingepflanzt werden. Die Kunstlinse wird in diesem Falle vor die Linsenkapsel direkt hinter die Iris eingesetzt.
Es gibt auch Kunstlinsen, die an der Regenbogenhaut fixiert oder in die Vorderkammer des Auges eingesetzt werden. So können auch Patienten, die vor längerer Zeit nach einem älteren Verfahren operiert wurden, bei dem die gesamte Linse mit Linsenkapsel entfernt wurde, nachträglich eine Kunstlinse erhalten. Ein noch moderneres Verfahren ist die Einnähung einer Kunstlinse in die Hinterkammer.
Eine bedrohliche Komplikation ist eine bakterielle Entzündung des Augeninneren. Diese Infektion verläuft so rasch, dass binnen weniger Tage eine erneute Operation zu ‚Ausspülung’ der Bakterien notwendig wird. Solche schwerwiegenden Komplikationen kommen jedoch nur in einem Fall auf ca. 4.000 Operationen vor. Die Katarakt-Operation ist die sicherste Operation überhaupt.

8. Nach der Operation

Man sollte die ersten 14 Tage nach der Operation keine großen Pläne haben. Einfache Arbeiten kann man verrichten – aber Frühjahrsputz und die große Gartenarbeit sollte man verlegen. Wichtig ist es, so wenig als möglich zu lesen. Die Kunstlinse sitzt zuerst noch locker in der Linsenkapsel. Durch zu intensive Augenbewegungen kann eine unnötige Augenentzündung entstehen. In den ersten Wochen schrumpft bereits die Linsenkapsel und die Kunstlinse wird wie in eine Folie eingeschweißt. Dann sitzt sie so fest wie eine natürliche Linse.
Wichtig ist es, die Augentropfen (Kortison und Antibiotikum) wie verordnet zu applizieren.

9. Sonderlinsen

Die normale Kunstlinse ist eine Einstärkenlinse und kann eine einfache Weit- oder Kurzsichtigkeit ausgleichen. Man wählt die Stärke der Linse so, dass man nach der Operation ohne Brille möglichst gut in der Ferne sehen kann.
Eine Hornhautverkrümmung kann man mit diesen Linsen nicht ausgleichen.
Seit 2006 sind nun torische Kunstlinsen erhältlich, die auch diese astigmatischen Abweichungen korrigieren. Diese werden individuell angefertigt. Ist so dann das Sehen in der Ferne ohne Brille möglich, muss jedoch eine Brille zum Lesen getragen werden. Genauso wie die natürliche Linse nach den 50. Lebensjahr hat auch die Kunstlinse nicht die Fähigkeit, eine Naheinstellung durchzuführen.
Hier wurden in den letzten 20 Jahren Kunstlinsen entwickelt, mit denen man gleichermaßen in der Nähe und in der Ferne sehen kann (zB Multifokale Kunstlinsen). Die Implantation einer solchen Linse muss von Arzt und Patient genau abgewogen werden, da nicht jedes Auge mit einer solchen Linse zurechtkommt.
Für alle Sonderlinsen gilt, dass diese von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet werden. Private Krankenversicherungen werden mit entsprechender Begründung Sonderlinsen erstatten.

10. Zusammenfassung

Als Grauen Star bezeichnet man die Eintrübung der Augenlinse. Nach dem 60. Lebensjahr ist der Graue Star eine übliche Veränderung der Linse. Seltene Sonderformen des Grauen Stars können auch früher auftreten. Durch die Eintrübung der Linse kommt es zu Schleiersehen, vermindertem Kontrastsehen und Blendempfindlichkeit. Die Operation des Grauen Stars wird in örtlicher Betäubung durchgeführt. Durch moderne Operationsverfahren und Kunstlinsen ist die Operationsdauer sehr kurz und die Operation sehr sicher. Verschiedene Sonderlinsen zur Implantation stehen heute zur Verfügung.

 


Autor:
Herr Dr. med. Rainer K. Fontana
Facharzt für Augenheilkunde
Poststrasse 17 67269 Grünstadt


Letzte Aktualsierung: 24.08.2010


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