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Herr Priv.-Doz. Dr. med. habil. Reinhard Quade
73033 Göppingen
Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
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Chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen (chronische Pansinusitis)
BeobachtenDie chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ist mit 5-15 % Prävalenz in der mitteleuropäischen Bevölkerung häufig.
Die Ursachen der Erkrankung sind noch umstritten. Vielfach werden hormonelle Faktoren, Umwelteinflüsse, vor allem aber genetische Faktoren, also ererbte Ursachen diskutiert.
1. Die Nasennebenhöhlenentzündung in Verbindung mit anderen Krankheiten
Da die chronische Nasennebenhöhlenentzündung nicht selten gemeinsam mit anderen chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Urticaria und Iridocyclitis auftritt, muss bei Bemühungen um verbesserte Therapieergebnisse auch an die chronische Pansinusitis gedacht werden.
Besonders wichtig ist das bei chronischen Erkrankungen der Atemwege wie der allergischen Rhinopathie, dem Asthma bronchiale und der chronisch obstruktiven Bronchitis. Große Bedeutung hat hier auch die Kenntnis des massiven Einflusses der ASS-Intoleranz, also der Überempfindlichkeit gegen Aspirin und fast alle anderen Schmerzmittel wie Ibuprofen und zahlreiche, häufig in der Werbung angebotene „Designer-Schmerzmittel“, auf den Verlauf der chronischen Sinusitis.
2. Diagnostik der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung
Oft wird die Erkrankung nach einer auffälligen Häufung Antibiotika-pflichtiger Erkrankungen der oberen Atemwege durch den Facharzt erstmals erkannt.
Bei der Erforschung der Vorgeschichte
finden sich dann meist auch schon vorbestehende typische Beschwerden wie Nasenatmungsbehinderung bis zum nächtlichen Schnarchen, übernormale Sekretmengen in der Nase mit retronasalem Sekretfluss, Räusperzwang, trockene, verkrustete Nasenhaupthöhle mit morgendlichen Niesattacken und eine deutliche Verschlechterung der körpereigenen Immunabwehr in den oberen Atemwegen mit der Folge häufiger akuter Erkrankungen.
Eine erstrebenswerte saubere, möglichst präzise Diagnostik einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung verlangt neben sorgfältiger Erhebung der Vorgeschichte und genauester Untersuchung zwingend eine bildgebende Diagnostik wie Ultraschall-Darstellung (Sonographie) oder Röntgen-Aufnahmen der Nasennebenhöhlen, später eventuell eine Computer-Tomographie (CT). Teuer, aber wenig geeignet hierfür ist eine Kernspintomographie (MRT). Zur Verlaufskontrolle ist bei laufender Therapie die Sonographie ausreichend. Zur Vorbereitung eines eventuell indizierten operativen Eingriffs bedarf es immer eines CT. Diagnostik einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung ohne bildgebende Darstellung mit einer hohen Irrtumswahrscheinlichkeit (40-50%) verbunden.
3. Formen der Nasennebenhöhlenentzündung
Wir kennen zwei Formen der Erkrankung: eine chronisch katarrhalische Pansinusitis und eine chronisch polypöse Pansinusitis.
Beide unterscheiden sich deutlich durch histologische, also feinstrukturelle und immunologische Merkmale. Von allergrößter Bedeutung ist die Erkenntnis, dass es sich bei beiden Formen um eine primär chronische Erkrankung der Nasennebenhölen handelt, zu deren sogenannter vollständiger Heilung man als Therapeut nur sehr begrenzt glaubwürdige Aussagen machen darf.
4. Therapiemöglichkeiten der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung
Dessen ungeachtet ist die möglichst frühzeitig einsetzende fachgerechte Therapie einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung von allergrößter Bedeutung. So kann man einem schnellen Fortschritt mit erheblichen Verschlechterungen der genannten Beschwerden vorbeugen und sie fast immer deutlich zurückdrängen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ausreichend lange (Monate bis Jahre), kontinuierliche, fachgerechte therapeutische Betreuung.
Das therapeutische Mittel der Wahl ist das topische Steroid. Das ist ein cortisonhaltiger Nasenspray, der auf die Nasenschleimhaut aufgebracht wird. Für die moderne Therapie gilt hier schon wegen der notwendigen Behandlungsdauer die Bedingung, dass ein Medikament verwendet wird, das keinerlei Übergang des Cortisons in Blut- oder Lymphgefäße garantiert.
Mit Hilfe des lokal wirksamen Cortisons werden die genannten histologischen Veränderungen in den Nasennebenhöhlen langsam zurückgedrängt und auf niedrigem Niveau gestoppt.
Eine zweite wichtige therapeutische Maßnahme zur Behandlung der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung ist die schadensfreie Säuberung der Schleimhaut zur Sicherung der Funktion der körpereigenen Abwehr dortselbst. Dafür wird mit Erfolg die Anwendung fettender Nasensalbe empfohlen. Sie wird in den Nasenvorhof eingebracht, mit einem forcierten Atemzug eingesaugt und dann dem nasalen Transportsystem in der Nasenschleimhaut (Kinocilien) überlassen, das die weitere Bewegung der nötigen Salbenmenge in die Nebenhöhlen realisiert.
Sehr energisch gewarnt werden muss vor Säuberungsversuchen durch Nasenspülung, da hiermit langfristig irreversible Schäden der nasalen Transportsysteme ausgelöst werden mit schlimmen, irreparablen Borkenbildungen und Geruchsbelästigungen in der Nasenhaupthöhle.
5. Operation der Nasennebenhöhlenentzündung in dringenden Ausnahmefällen
Die operative Nasennebenhöhlen-Revision sollte nur in dringenden Ausnahmefällen als primäre Therapie-Option in Anwendung kommen. Dabei wird mit Hilfe eines technisch anspruchsvollen Eingriffs in Narkose die Nasenatmung verbessert (Septumplastik) und die meist eingeengten Ausführungsgangsysteme der einzelnen Nebenhöhlenanteile erweitert. Damit verbessern sich die Ventilation und die Transportbedingungen für Sekret im Bereich der Nebenhöhlen. Geschädigte Schleimhautbezirke werden entfernt, eindeutig intakte Bezirke verbleiben. Trotz der modernen Option der minimal-invasiven Operation unter endoskopisch-mikroskopischer Kontrolle hat sich die Beschränkung des Eingriffs auf einzelne Nebenhöhlen als Irrweg erwiesen. Das Problem stellt sich bei längerer Begleitung des Patienten immer als Erkrankung des gesamten Nebenhöhlensystems dar. Daher sollte während des Eingriffs regelmäßig jede Nebenhöhle (Kieferhöhle, Siebbeinzellen, Stirnhöhle und Keilbeinhöhle) beidseits inspiziert und angemessen versorgt werden, so wie auch fast immer als Basis der Ventilationsverbesserung eine Septumplastik erforderlich ist. Ein Verzicht auf nur einen Bestandteil dieses komplexen operativen Eingriffs wird meist mit einer dringlich erforderlichen Nachoperation bezahlt.
6. Postoperative Nachsorge
Sehr wichtig für den Erfolg der Therapie ist eine ausreichend lange postoperative Nachsorge. Dabei wird unmittelbar nach der Operation durch subtiles Absaugen und Pflege mit fettender Nasensalbe für eine beschleunigte Wieder-
herstellung der körpereigenen Säuberungssysteme der nasalen Schleimhaut gesorgt. Langfristig erfolgt durch sorgfältige endoskopische Kontrolle und davon abhängiger Steuerung der Wiederherstellung über eine Therapie mit topischem Steroid die fachärztliche Begleitung. Dieser postoperativen Nachsorge werden häufig bis zu 50 % des Therapieerfolgs einer OP zugeschrieben. Sie gehört in fachärztliche Hände.
7. Schlussfolgerungen
Die chronische Nasennebenhöhlenentzündung ist häufiger als vermutet. Ihre besondere Bedeutung liegt in der Schlüsselrolle für den Therapieerfolg zahlreicher anderer chronischer Erkrankungen. Besonders wichtig wird die Behandlung der chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen durch die Sicht auf die nicht seltenen gefährlichen Komplikationen, meist lebensbedrohend im Hirnschädel und in der Augenhöhle.
Autor:
Herr Priv.-Doz. Dr. med. habil. Reinhard Quade
Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Bleichstr. 6
73033 Göppingen
Letzte Aktualsierung: 11.01.2012
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