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Posturologie

1. Definition und Geschichte der Posturologie

Posturologie setzt sich aus den Worten posture (engl./franz.) = Haltung und dem Wort logos (griech.) = Lehre zusammen. Diese Lehre von der Haltung wurde erstmals von dem Deutschen Karl Hermann Vierordt 1881 erwähnt. Im Wissen um das komplexe Zusammenspiel der peripheren Rezeptoren (Empfänger) und des Gehirns, deren Verarbeitung und Beeinflussung des tonischen Haltungssystems, gelangt die Posturologie zu neuer Bedeutung. Ein Teil der Posturologie beinhaltet die Rezeptoren der Muskeln, Sehnen, Faszien und der Gelenkstellung im Raum. Der andere Teil der Posturologie wird durch die Sinnesorgane, die Augen, das Ohr (Gleichgewichtssystem), die Haut mit ihren Rezeptoren und die Informationen durch die Zähne und Kiefergelenke gebildet. Die neuronale Steuerung über das Gehirn sind die Grundlage für das tonische Haltungssystems, mit dem Zusammenspiel der Rezeptoren und des Gehirns beschäftigt sich die Posturologie. Inzwischen wird an sechs Universitäten in Frankreich und Italien die Posturologie gelehrt, die führende Kraft seit Jahrzehnten ist Prof. Dr. Bernard Bricot aus Marseille und Dr. Antonio Fimiani aus Ischia.

2. Posturologie – Die Haltung und deren Verständnis

Die Haltung des Menschen ist nicht statisch sondern ein komplexes System zum Erhalt des Gleichgewichtes von Information und Reaktion auf diese.
Haltung bedeutet Bewegung – in minimaler Form durch ständiges kontrollieren der Spannung eines Muskels und dessen Gegenmuskels. Der Schwerkraft entgegen wirken unsere Muskeln, gesteuert durch neuronale Reflexverarbeitung, der von innen (Proprioception)
und von außen auf den Körper über unsere Sinnesorgane einwirkenden Kräfte und Mitteilungen an das Gehirn.
Die Posturologie befasst sich unteranderem mit Bewegungsmangel bedingt durch Haltungsatrophie, Verspannung und Schmerz, ebenso durch die ständige Fehlhaltung. Dies mündet in eine Vielzahl von Beschwerden, zunächst im Haltungsapparat, bei längerer Dauer steht die Chronifizierung der Schmerzen im Vordergrund und späteres übergreifen auf die Psyche.
Jeder Dritte in Deutschland leidet an Kopfschmerzen! Zwanzig Millionen in Deutschland sind wegen Rückenschmerzen pro Jahr in ärztlicher Behandlung!

3. Selbsterfahrung – Praktische Beispiele aus der Posturologie

- Halten Sie den Arm gebeugt vor sich: dies ist nur möglich, da die Kraft des   Beugemuskels (biceps) gleichzeitig eine kontrollierte Gegenkraft durch den Streckermuskel (triceps) erfährt, bei Störung dieses Gleichgewichtes durch Schädigungen (Lähmung einzelner Nerven, Schlaganfall oder Sehnenrisse) ist eine entsprechende Fehlstellung unausweichlich in Richtung des weniger gestörten oder intakten Nerv- oder Muskelanteiles.


- Sie können auf einem Bein stehen! Das ist angewandte Posturologie! Warum? Pro Sekunde senden Sie ca. drei Informationen vom Spannungsstand Ihrer Muskeln und Sehnen ans Gehirn. Es gibt kein Tier, das den Einbeinstand beherrscht.


- Bitten Sie eine Person mit einem Finger in Höhe des Brustkorbes gegen Sie zu drücken, Sie werden nicht umfallen. Über die Druckempfänger der Haut, insbesondere an den Füßen, wird sofort eine Gegenreaktion erzeugt, durch Aufbau einer
Muskelspannung wirken Sie dem Druck entgegen. Sie sind in der Lage, den Druckunterschied eines zwanzigstel Gramms an der Fußsohle festzustellen, beeindruckend bedenken Sie das Gewicht, das durch Ihren Körper auf den Füßen lastet.


- Bitten Sie jemand eine Flasche Mineralwasser auf ein Tablett zu stellen, diese Flasche mit Hilfe des Tabletts anzuheben. Fordern Sie ihn auf mit der anderen Hand die Flasche vom Tablett wegzunehmen und dabei das Tablett ruhig zu halten. Sie werden kaum eine Bewegung des Tabletts bemerken, denn im Unterbewusstsein erfolgt sofort der Impuls der gleichzeitigen Entspannung des Beugemuskels, da das Gehirn beide Befehle zur gleichen Zeit erteilt. Nach erneuter Positionierung der Flasche auf dem Tablett kündigen Sie an, die Flasche selbst wegzunehmen, danach nehmen Sie diese weg. Sie werden sehen wie trotz Aufforderung das Tablett ruhig zu halten ein kurzes Hochheben des Tabletts stattfindet, der Nachweis des komplexen Zusammenwirkens durch periphere Rezeptoren und deren Schaltung im Gehirn.

Mit diesen Tests, die Posturologie betreffend, möchte ich Ihnen demonstrieren wie hochsensibel Sie im bewussten und unbewussten Empfinden sind und Ihre Haltung und Bewegung einer Höchstleistung der Steuerung bedarf und Störungen zwangsläufig eine Fehlhaltung bewirken. Hier sind auch die Entstehung der Triggerpunkte (ein gereizter Ort im Muskel, der eine Reaktion auslöst) zu nennen. Die posturologische Untersuchung deckt diese auf und bietet Hilfe durch die Reprogrammierung.


Aus dem oben gesagten ist es verständlich, dass mannigfaltige Störungen unsere Haltung beeinflussen können, ja sogar, dass bei Fehlhaltungen über zwei Jahre hinaus durch eine Änderung der Zellen im Gehirn diese Fehlhaltung als „normal“ angesehen wird. Die dadurch resultierenden ständigen Verspannungen bereiten den Boden für ein chronifiziertes Schmerzbild. Fehlinformationen bewirken eine falsche Wahrnehmung unserer Position im Raum und damit Fehlhaltung. Es verkürzen sich die Muskeln, die ständig erhöhte Spannung führt zu einer Minderdurchblutung, es entstehen Triggerpunkte, die ihrerseits den Schmerz unterhalten und zur Schonhaltung führen. Hilfe können Sie durch die Posturologie erfahren!

4. Krankheitsbilder – Hilfe durch Posturologie

Morgendliche Kopf- und Nackenschmerzen, Zähneknirschen?
Nach einer Zahnarztbehandlung bemerken Sie vielleicht eine geänderte Stellung Ihres Kauapparates. Mit ihren Zähnen sind Sie in der Lage 1/10 mm Höhenunterschied festzustellen. Vom Kiefergelenk bestehen direkte Verbindungen zum zweiten Halswirbel, bei Fehlfunktion des Kiefergelenkes können Verspannungen der Kau- und Nackenmuskulatur auftreten mit den Folgen von Kopfschmerzen und einer gestörten Haltung des gesamten Körpers. Denken Sie an Zähneknirschen und Pressen, pro Kubikzentimeter befinden sich 200 bis 400 Druckempfänger in den Muskeln die den Kopf in Stellung auf der Halswirbelsäule halten, eine ständigen Verspannung und Fehlbelastung über Stunden führt insbesondere zu morgendlichen Kopf- und Nackenschmerzen. Die Posturologie ermöglicht die Diagnostik und Therapie
Ermüdet Sie die Arbeit am Computer – über Tag zunehmende Kopfschmerzen?
Sie können nachts schlecht Auto fahren, können den Abstand zum Randstein und zur nächsten Kreuzung nicht richtig einschätzen?

Machen Sie den Versuch: halten Sie einen Kugelschreiber ca. 30 cm vor ihr Gesicht und bewegen Sie ihn auf die Nasenspitze, sehen beide Augen nach innen zur Nase oder lassen Sie ein Auge abwandern? (Kontrolle durch Partner). Dies ergibt im Gehirn Doppelbilder, die von Ihnen unterdrückt werden, eine ständige Fehlhaltung durch
Konvergenzschwäche (Konvergenz = gleichsinnige Wendung beider Augen) könnte bei Ihnen vorliegen.
Auch eine Lese-/ Schreibschwäche bei Kindern kann hierauf zurückzuführen sein.
Die Posturologie ermöglicht die Diagnostik und Therapie.

Wirbelsäule: Verspannungen, Nervenreizungen, Bandscheibenvorfälle bis hin zur skoliotischen Fehlhaltung, bei Kindern auch Skoliose. Migräne, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel.


Schultergürtel und Arme: Schulterbeschwerden, besonders nächtliche, Schultersteife, Pelzigkeit der Hände und Arme, Missempfindungen, Sehnenansatzreizungen (Tennisellbogen, Golferellbogen).


Becken und Beine: Muskelverspannungen am Oberschenkel in Hüfthöhe (Unfähigkeit des Nachts auf der Seite zu liegen), Knieschmerzen, X- und O- Beindeformität, Fußbeschwerden und Fehlstellung der Füße, meist in Knicksenkfußposition.
Die Posturologie ermöglicht die Diagnostik und Therapie.

5. Therapie mit Hilfe der Posturologie

Die Posturologie leitet durch Koordinierung der zur Haltung notwendigen Systeme eine Reprogrammierung ein und bewirkt reflexartig eine Normalisierung des Gleichgewichtes der Muskelketten.
Die globale Reprogrammierung des Haltungssystems vermindert abnormale Spannungen, indem über die Hauptstörfelder Korrekturen durchgeführt werden. Eine ausführliche Anamnese und gründliche Untersuchung – einschließlich notwendiger Bildgebung und Fotodokumentation – ist Voraussetzung. Eine eingehende biomechanische Funktionsanalyse unter Einschluss der Augen, neurologischer Teste, der Koordination, des Kauapparates und der Füße leitet über in die entsprechendeTherapie.
Das Umfeld des Patienten, seine Gewohnheiten und die in manchen Berufen teilweise unabdingbare einseitige Fehlhaltung erfährt ihre Berücksichtigung in Ergänzung durch Manuelle Medizin, Physiotherapie und muskulärer Kräftigung.
Weitere Information:
www.postura-web.de*

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