Theodor-Heuss-Allee 51
68519 Viernheim
Arzt-dr-ingo-hofmann-viernheim-gynkologie02

Moderne Vorsorge und Prävention

Der Volksmund scheint es zu wissen: Vorbeugung bzw. Vorsorge ist die beste Medizin. Gerade deswegen sollte es für uns Mediziner ein Anliegen sein nicht nur Krankheiten zu heilen, sondern in erster Linie Krankheiten vorzubeugen.

Der folgende Text befasst sich zunächst mit präventivmedizinischen Möglichkeiten im Allgemeinen, anschließend mit solchen speziell für Schwangere, Säuglinge und Frauen ab dem jugendlichen Alter.


1. Präventivmedizinische Möglichkeiten im Allgemeinen

Ziel der Präventivmedizin bzw. der Vorsorge ist die Gesundheit möglichst lange zu erhalten. Dazu kann man nach einem strukturierten Vorsorgekonzept vorgehen, das jedoch individuell auf den Patienten, seine Wünsche und Möglichkeiten angepasst ist.

Zu Beginn jeder Vorsorgestrategie steht die Erhebung einer ausführlichen Anamnese. Diese Daten geben wertvolle Informationen über bereits bestehende Belastungen und mögliche Gefährdungen. Anschließend werden relevante Körperfunktionen und mentale Fähigkeiten getestet, von denen man weiß, dass sie sich mit zunehmendem Alter verändern. In der modernen Präventivmedizin (Vorsorgemedizin) spricht man von Feststellung des „biologischen Alters“, das nach einer anerkannten Methode geprüft wird.

Schließlich folgt eine detaillierte Laboranalyse, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden kann. Dazu offeriert uns die Medizin aussagekräftige Mittel wie: Stoffwechselanalyse, Hormonlabor, Oxidativer Status, Knochendichtemessung, Burn-Out-Check, Risikotest Immunsystem und Genanalyse (Polymorphismusdiagnostik).

Sinn und Ziel dieser ausführlichen und tiefgehenden Vorsorgediagnostik ist die Erkennung von Risiken für die Gesundheit, Diagnose der biologischen Alterung und Definition organbezogener oder kompartimentaler Defizite und Insuffizienzen.

Daraus ergibt sich die Indikation für konkrete präventive und interventionelle Vorsorgemaßnahmen.
Je nach Befund werden nun entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen, diskutiert und an die Lebensumstände jedes einzelnen Patienten angepasst.

1.1 Stoffwechselfunktionstest

Alle biochemischen Vorgänge im Körper zur Synthese, zum Umbau und zum Erhalt von Körpersubstanzen sowie zur Aufrechterhaltung von Körperfunktionen werden unter dem Begriff Stoffwechsel zusammengefasst. Ein gesunder Stoffwechsel ist eine  Grundvoraussetzung für Wohlbefinden und Vitalität bis ins hohe Alter.
Der Test bietet folgendes Vorsorge-Screening: Gefäßsystem, Hormonsystem, Immunsystem, Verdauungstrakt, Hepatorenales System (Leber- und Nierenfunktion), Bindegewebe, Pufferkapazität des Bindegewebes, Vitamine und Coenzym Q10 und Mineralstoffe.

Studien zeigen, dass beispielsweise in unserer Region ca. 60-70% der Patienten einen Vitamin-D-Mangel haben, außerdem mehr als 50% der Normalbevölkerung und mehr als 80% der Tumorpatienten einen Selenmangel.

Beispiel I: Vorsorge Vitamin D
Bekannt ist die Wirkung von Vitamin D auf die Entwicklung der Knochen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben Beweise erbracht, wie wichtig Vitamin D insbesondere für das Immunsystem ist.
Multiple Sklerose, Diabetes, rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Leukämie – diese und noch viele weitere Krankheiten werden durch Vitamin-D-Mangel begünstigt.

Die Forschergruppe einer renommierten englischen Universität stellte im Einzelnen die Bedeutung von Vitamin D in den Bereichen des Erbgutes fest, die im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen und Krebs stehen, und hob hervor, Vitamin D sei unerlässlich, um die Entstehung dieser Erkrankungen zu verhindern. Zur Vorsorge bestimmt man den Serumspiegel von Vitamin D im Blut und behebt ggf. einen Mangel.

Aus einer vor kurzem veröffentlichten Untersuchung über Vitamin D geht hervor, dass selbst geringe Zugaben des Vitamins das Brustkrebsrisiko erheblich senken können. Nach Angaben der Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift American Journal of Clinical Nutrition erschien, können Frauen mit einer Dosis von mindestens 400 IE (entspricht etwa zehn µg) Vitamin D täglich ihr Brustkrebsrisiko um 24% verringern. Eine einfache Vorsorgemaßnahme.

Beispiel II: Vorsorge Selen
Selen unterstützt das Immunsystem und schützt auch vor Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Ferner wirkt es der Entstehung von Entzündungen entgegen. Auch im Hormonstoffwechsel ist das Spurenelement Selen unersetzlich. Bei der Umwandlung des Hormons Thyroxin (T4) in Tri-Iod-Thyronin (T3) ist es in der Schilddrüse beteiligt.

Ein Selenmangel kann eine Schilddrüsenunterfunktion hervorrufen. Selen ist weiterhin bei der Entgiftung des Körpers beteiligt. Es bindet Umweltschadstoffe und Schwermetalle wie Blei, Kadmium und Quecksilber, und unterstützt den Organismus so, diese Giftstoffe aus dem Körper auszuschwemmen. Sobald ein Selenmangel auftritt, ist das Immunsystem geschwächt und der Körper anfälliger gegenüber Infektionen.
Als Vorsorgemaßnahme kann Selen im Vollblut bestimmt werden.

1.2 Hormonstatus

Der Alterungsprozess geht bei beiden Geschlechtern mit starken Veränderungen der Hormonproduktion und deren Folgen einher. Auch hier kann sich ein Ansatzpunkt für die Beeinflussung des Alterungsprozesses ergeben, allerdings ist dies nur unter Leitung eines geschulten Mediziners sinnvoll. Verbesserung von Stimmung, Vitalität und Lebenskraft sind Ziel der Behandlung.

1.3 Oxidativer Status

Der Oxidative Status beinhaltet die Untersuchung der antioxidativen Kapazität des Körpers, d. h. einerseits der Abwehrkraft des Körpers gegen freie Radikale und andererseits die Belastung des Körpers mit freien Radikalen.

Freie Radikale werden ständig und überall im Organismus bei verschiedenen biologischen Prozessen gebildet. Unter physiologischen Bedingungen wird ein “Zuviel“ an freien Radikalen vom antioxidativen System des Körpers schnell unschädlich gemacht. Bei einer Verschiebung des Gleichgewichtes zu Gunsten der freien Radikale kommt es zum Oxidativen Stress.

Oxidativer Stress ist ursächlich beteiligt an degenerativen Erkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes mellitus, Störungen der Mitochondrienfunktion mit der Folge der Begünstigung neurodegenerativer Erkrankungen wie M. Alzheimer und M. Parkinson.

1.4 Genanalyse
Leider gehören zum Erbe unserer Vorfahren nicht immer nur Witz, Humor und ein sonniges Gemüt, sondern unter Umständen auch Krankheitsrisiken, von denen sich viele erst in fortgeschrittenem Alter zeigen.

Die Annahme, dass auch die Neigung zu Anfälligkeiten für Krankheiten, die erst in späteren Lebensjahren Beschwerden verursachen, in unseren Genen liegen, ist nicht mehr nur Vermutung, sondern wird durch neueste wissenschaftliche Studien bestätigt.

Solche individuellen genetischen Veränderungen, die uns für manche Krankheiten empfänglicher aber auch resistenter machen können, nennt man Polymorphismen.
Vorsorge mit Hilfe einer Genanalyse ermöglicht:
- Ein frühzeitiges Erkennen von Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten noch bevor diese auftreten
- Individuelle Maßnahmen für Vorsorge und Therapie von Erkrankungen
- Maßgeschneiderte Auswahl und Dosierung bestimmter Hormone und Medikamente
- Optimierung des Lebensstils und damit der Lebensqualität
- Verlangsamung des Alterungsprozesses durch gezielte Ernährung und Auswahl der  Nahrungsergänzung

1.5 Differenzierte Ernährungsberatung
Im Allgemeinen ist bekannt, dass eine ausgewogene Ernährung reich an Eiweißen und Vitaminen, aber arm an Kohlehydraten viel zur Gesunderhaltung und Vorsorge beiträgt.

Gewichtsprobleme stellen ein immer häufigeres Problem dar und können größere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen, die meist erst nach einer gewissen Latenzphase auftreten können und unterschätzt werden. Folgen wie Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder metabolisches Syndrom sind hinreichend bekannt, aber dass beispielsweise ein Bodymaßindex von mehr als 30 den höchsten Risikofaktor für eine Brustkrebserkrankung darstellt, was schon 1997 veröffentlich wurde, ist vielen unbekannt (JAMA, Nov. 5. 1997 Vol 278, No. 17).

Im Durchschnitt haben Frauen in Deutschland bereits sieben Diäten hinter sich, die nach einer gewissen Zeit dann wieder abgebrochen wurden.
Der häufigste Grund des Abbruchs war nach Auskunft Betroffener: „Die Diät passte nicht zu mir!“ Es gibt einfach nicht die Diät, die zu allen Menschen gleichermaßen passt. Viele Faktoren spielen bei  Übergewicht eine Rolle, deshalb muss man ganzheitlich vorgehen.

Da jeder Mensch individuelle Ausprägungen und Merkmale hat, ist bei Gewichtsproblemen, die man mit üblichen Mitteln nicht in den Griff bekommt, eine Genstoffwechselanalyse sehr empfehlenswert. Hierbei macht man sich die Fortschritte der modernen Medizin zunutze. Die Idee hinter der Genstoffwechselanalyse ist: Ihre individuellen Gene zu analysieren und Ernährungsstrategien darauf auszurichten. Sie ist eine Kombination aus der Analyse und Auswertung unterschiedlicher Gen-, Labor- und Verhaltensparameter mit dem Ziel, jede Art von Ernährungsberatung individueller und deutlich erfolgreicher zu gestalten.

1.6 Gezielte Nahrungsergänzung

Häufig liest man, dass Nahrungsergänzung nur den einen Sinn haben, nämlich den Geldbeutel des Anbieters zu füllen. Mit solchen Aussagen werden viele Menschen verunsichert.
Besonders im Alter besteht bei vielen Menschen ein erheblicher Nährstoffmangel, der schwerwiegende Folgen nach sich zieht.

Eine Erhebung der renommierten deutschen Gesellschaft für Ernährung ergab Folgendes:
Erfasst wurde der Ernährungs- und Gesundheitszustand von Bewohnerinnen und Bewohnern ab einem Alter von 65 Jahren in stationären Einrichtungen der Altenpflege. Insgesamt 773 Bewohnerinnen und Bewohner aus zehn Altenpflegeheimen in sieben Bundesländern haben an der Studie teilgenommen, darunter 153 Männer mit einem mittleren Alter von 81 Jahren und 620 Frauen mit einem mittleren Alter von 86 Jahren und unterschiedlicher Pflegebedürftigkeit.
Der Mini Nutritional Assessment ergibt, dass sich ein Drittel der Bewohner in einem unauffälligen Ernährungszustand befindet, zwei Drittel in einem manifesten oder möglichen Zustand von Mangelernährung.

Die mit zunehmendem Alter vermehrt auftretenden altersassoziierten Veränderungen im Stoffwechsel und im Energie- und Nährstoffbedarf beeinflussen maßgeblich das Ernährungsverhalten bzw. den Ernährungs- und Gesundheitsstatus, zusammen mit körperlichen Behinderungen, geistigen Beeinträchtigungen bzw. Krankheiten. Es konnte gezeigt werden, dass der Grad der Pflegebedürftigkeit die Energie- und Nährstoffversorgung wesentlich stärker beeinflusst als das Lebensalter. Dabei wird es mit zunehmendem Pflegegrad immer schwieriger, eine ausreichende Energieversorgung zu erreichen.

Der Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung stellt fest, dass von Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis unter 18 Jahren gemessen an den in der optimierten Mischkost empfohlenen Lebensmittelmengen zu wenig pflanzliche Lebensmittel, insbesondere Gemüse, Obst, Brot, Kartoffeln und andere kohlenhydratreiche Beilagen, und mit zunehmendem Alter zu viele fettreiche tierische Lebensmittel verzehrt werden. Dies trifft bereits für Kleinkinder zu. Die suboptimale Lebensmittelauswahl hat Folgen für die Nährstoffzufuhr.

Die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr wurden insbesondere für die Vitamine D und E sowie Folat, Ballaststoffe, Calcium und Eisen (bei Mädchen) von den meisten Kindern und Jugendlichen unterschritten. Die Proteinzufuhr war verhältnismäßig hoch und das Fettsäurenmuster ungünstig. Eine geeignete Vorsorge wäre  hier sehr hilfreich.

Aus diesen Gründen sollte man eine gezielte Ernährungsanamnese, spezifische Labortests und ggf. eine Zufuhr mit passenden Nahrungsergänzungsmitteln nach orthomolekularen Erkenntnissen als Vorsorgemaßnahme durchführen, um die Gesundheit zu erhalten.


1.7 Einfluss sekundärer Pflanzenstoffe auf die Gesundheit und Vorsorgemöglichkeiten
Sekundäre Pflanzenstoffe gehören zu den Naturstoffen, sie sind für die Pflanze selbst nicht lebensnotwendig, haben aber einen hohen Stellenwert für den Menschen. In den letzten Jahren sind solche Stoffe durch positive Studienberichte aufgefallen.

Aus epidemiologischen Studien konnten zahlreiche neue Ergebnisse zum Einfluss der Zufuhr sekundärer Pflanzenstoffe auf das Risiko verschiedener Krankheiten gewonnen werden. Die bisherigen Einschätzungen, dass sekundäre Pflanzenstoffe bzw. pflanzliche Lebensmittel das Risiko für die Entstehung verschiedener Krankheiten senken können, werden durch diese neuen Ergebnisse gestützt. Dabei umfassen die gesundheitsfördernden Wirkungen von sekundären Pflanzenstoffen vaskuläre, antikanzerogene und neurologische Wirkungen.

Das Spektrum der potenziell antikanzerogen wirkenden sekundären Pflanzenstoffe und deren Metabolite ist bisher erst ansatzweise erforscht. Ein Beispiel sind Flavonoide: Analysen aus retrospektiven Fall-Kontroll-Studien auf der Basis der neuen USDA-Daten zeigen für Brustkrebs eine statistisch signifikante Risikominderung um 13 bis 46% bei einer erhöhten Zufuhr von Flavonen und Flavonolen. Der beobachtete risikomindernde Effekt trat bei der Flavonoidmenge auf, die mit einem Apfel oder einer halben Tasse schwarzem oder grünem Tee aufgenommen wird.

In einer prospektiven Studie bei Personen über 65 Jahren nahmen kognitive Fähigkeiten im Laufe von zehn Jahren bei einer Flavonoidzufuhr von 18 bis 37 mg pro Tag langsamer ab als bei einer Zufuhr von 0 bis 10 mg pro Tag. Bereits zu Beginn der Studie zeigten die Studienteilnehmer in der Gruppe mit hoher Flavonoidzufuhr (18 bis 37 mg pro Tag) bessere kognitive Fähigkeiten.


2. Vorsorge- und präventivmedizinische Möglichkeiten für Schwangere, Säuglinge und ab dem jugendlichen Alter


Gesundheitliche Vorsorge beginnt bereits mit der Planung einer Schwangerschaft, denn mit der Geburt eines Babys schenkt man neues Leben – ein besonderes Erlebnis. Ihre Sorge gilt nun nicht mehr nur Ihrem Körper allein, sondern auch dem im Bauch heranwachsenden Säugling. Spezielle Vorsorge für werdende Mütter bietet zusätzliche Sicherheit und  verringert die Risiken für die Schwangerschaft und das Baby.

2.1 Folsäure
Alle Frauen ohne zuverlässigen Empfängnisschutz sollten bereits vier Wochen vor der Konzeption zusätzlich zu einer gesunden, folsäurereichen Ernährung mindestens 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag in Tablettenform zu sich nehmen – und dies bis drei Monate nach Schwangerschaftsbeginn.
Die Einnahme von Folsäure zum richtigen Zeitpunkt verhindert mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind mit einem offenen Rücken oder einer offenen Schädeldecke zur Welt kommt. Beide Defekte sind nicht therapierbar, jedoch durch Vorsorge nahezu vermeidbar.

Hintergrund:
Der Embryo bildet am 18. Tag der Schwangerschaft auf dem Rücken die Neuralplatte – das ist dasjenige Gewebe, aus dem sich das Nervensystem entwickeln wird. Im Zentrum dieser Platte entsteht eine Längsrinne, die sich in den folgenden Tagen tiefer einsenkt und zu einem Rohr umformt. Am 24. oder 25. Tag ist der Verschluss dieses Neuralrohrs abgeschlossen.
Bei einer Folsäure-Unterversorgung besteht die tragische Möglichkeit, dass sich das Neuralrohr und darüber auch die Wirbelbögen bzw. das Schädeldach nie mehr verschließen.

2.2 Vorsorge mit B-Vitamine
Die Einnahme von B-Vitaminen vermindert das Abortrisiko. Störungen des Methionin-Homozystein-Stoffwechsels sind mit einem gehäuften Auftreten von Fehlgeburten assoziiert und treten in bis zu 20% des Krankengutes auf. Durch Gabe von Vitamin B6, B12 und Folsäure kann eine Normalisierung erreicht werden. Deshalb wird diesbezüglich eine primäre Vitaminsupplementierung bei Patientinnen mit Abortrisiko empfohlen.

2.3 Vorsorge mit Omega-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren gehören neben Vitaminen und Mineralstoffen zur richtigen und gesunden Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit dazu. Sie fördern die Entwicklung und den Aufbau von Zellmembranen und spielen eine große Rolle bei der Hirn- und Sehkraftentwicklung des Kindes schon in der Schwangerschaft.

Welche Wirkungen haben die Omega-3-Fettsäuren aus Seefischen auf die Schwangerschaft?
Drei sogenannte Meta-Analysen der Befunde aus kontrollierten Studien bei Schwangeren mit zufälliger Zuordnung (randomisierte Studien) zu Omega-3-Fettsäuren oder einem Scheinpräparat zeigen, dass bei regelmäßiger Zufuhr langkettiger Omega-3-Fettsäuren die Schwangerschaftsdauer und das kindliche Wachstum etwas gefördert werden. Sie tragen dazu bei, dass die für die Entwicklung des Kindes wertvolle Zeit in der Gebärmutter besser ausgenutzt werden kann.
Vor allem aber sinkt das Risiko unreifer Frühgeburten vor der 34. Schwangerschaftswoche um etwa ein Drittel, bei Risikoschwangerschaften sogar um über 60%. Angesichts der hohen Risiken bei solchen Frühgeburten ist dies ein sehr wichtiger Vorsorge und Schutzeffekt.
 
Vergleichsweise große Mengen an DHA (Bestandteil von Omegafettsäuren) müssen in den letzten Monaten der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr im kindlichen Gehirn und in die Nervenzellen der Netzhaut eingebaut werden. Dabei ist die kindliche Versorgung unmittelbar von der Zufuhr der Mutter in Schwangerschaft und Stillzeit abhängig.
 
DHA ist unbestritten für die optimale Entwicklung des kindlichen Gehirns, der Augen und des Zentralnervensystems von großer Bedeutung und unterstützt auf lange Sicht auch die Gesundheit des Herzens.

Einige Studien zeigten, dass eine mütterliche DHA-Supplementation während der Schwangerschaft und Stillzeit die kindliche Entwicklung insbesondere in folgenden Bereichen verbessert:
- Koordination von Augen und Händen
- Feinmotorik
- Konzentration

2.4 Ernährung
Das relativ junge Forschungsgebiet der „Perinatalen Programmierung“ von Gesundheit und Krankheit im späteren Leben widmet sich mit einem Schwerpunkt dem prägenden Einfluss von Ernährung während der pränatalen und frühkindlichen Entwicklung, so die deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Dies ist von besonderem Interesse im Zusammenhang mit Übergewicht und seinen Folgen. Die beobachteten, allseits bekannten drastischen Prävalenzanstiege in kurzen Zeiträumen sind nicht genetisch erklärbar. Stattdessen verdichten sich aus epidemiologischen, klinischen und experimentellen Studien Hinweise darauf, dass insbesondere die Ernährung während der pränatalen und frühkindlichen Entwicklung einen entscheidenden, dauerhaften, geradezu „prägenden“ Einfluss auf die spätere Entstehung von Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 und hiermit assoziierten kardiovaskulären Erkrankungen hat.

Es wird berichtet, dass das Makrosomierisiko, d. h. das Risiko für ein Geburtsgewicht über 4000 g bzw. über 4500 g bei Kindern adipöser Frauen mehr als verdoppelt ist, bei Kindern massiv adipöser Frauen sogar mehr als verdreifacht. Je höher die Gewichtszunahme einer übergewichtigen Frau in der Schwangerschaft ist, desto höher ist der prozentuale Körperfettanteil ihres Neugeborenen.

Epidemiologische Studien zeigen, dass eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft das Risiko für Makrosomie auf das 2- bis 3-fache erhöht. Eine entscheidende Rolle zwischen der Gewichtszunahme in der Schwangerschaft und dem Risiko für Übergewicht bereits beim Neugeborenen dürfte die Energiezufuhr der Mutter spielen. Aus den Ergebnissen epidemiologischer Studien geht hervor, dass eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, insbesondere infolge übermäßiger Energieaufnahme der Schwangeren, zu einem Anstieg des Übergewichtsrisikos beim Kind im späteren Leben um 60-70% führen kann.

Vorsorge Stillen:
Seit langem gibt es Hinweise, dass Stillen im Vergleich zur Formulaernährung das Risiko für Übergewicht und vor allem auch das Risiko für Folgeerkrankungen um 25-40% vermindern kann, darunter Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Nicht gestillte Kinder haben ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben ein Übergewicht und damit assoziierte Erkrankungen zu entwickeln.

2.5 Allergieprävention bei Säuglingen
Die Zunahme von allergischen Erkrankungen ist unbestritten. Der Zusammenhang zwischen Darmflora und Immunsystem ist eine bekannte Tatsache. Nach neuen Forschungsergebnissen ist es möglich geworden, über eine Behandlung der Darmflora mit einem sterilen Autolysat bestimmter Darmbakterien in Tropfenform, die man der Milch bzw. der Säuglingsnahrung beimischt, eine deutliche Reduktion von Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis bei behandelten Kindern zu erreichen. Solche einfache Maßnahmen zur Vorsorge erhöhen die deutliche Lebensqualität Betroffener.

2.6 Vorsorge HPV-Impfung

Humane Papillomviren (HPV) sind eine große Gruppe weit verbreiteter Krankheitserreger. Sie infizieren vorrangig Zellen der Haut und der Schleimhäute. Manche dieser Viren führen zu eher harmlosen Zellveränderungen, zum Beispiel Warzen. Eine Infektion mit anderen Papillomvirustypen steigert jedoch das Risiko für Krebsvorstufen und Krebs an den Geschlechtsorganen und am After. Die häufigste durch HPV hervorgerufene Krebserkrankung ist Gebärmutterhalskrebs. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt zur Vorsorge die HPV-Impfung in Deutschland für Mädchen zwischen zwölf und siebzehn Jahren.

2.7 Die Pille

Die Anti-Baby-Pille erhöht den Bedarf an Folsäure, den B-Vitaminen (B1, B2, B6, B12) und Vitamin C. Sie beeinträchtigt auch die Aufnahme der Mineralstoffe Zink und Magnesium.
Deshalb ist als Vorsorgemaßnahme auf eine adäquate Zufuhr zu achten oder evtl. eine Nahrungsergänzung in Betracht zu ziehen.
Ab Einnahme der Pille sollten regelmäßige Vorsorge bzw. Kontrolluntersuchungen mit Entnahme eines Pap-Abstrichs durchgeführt werden, um rechtzeitig eine Gefährdung für Erkrankungen des Genitalsystems zu erkennen.

2.8 Gesetzliche Vorsorgeuntersuchungen für Frauen allgemein

Ab dem 20. Lebensjahr können jährlich Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden, die  von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden.

Die Vorsorgeuntersuchung beinhaltet folgende medizinische Leistungen
- Tastuntersuchung des kleinen Beckens inklusive der Beurteilung von Gebärmutter und Eierstöcken
- Spiegeleinstellung und Entnahme eines zytologischen Abstrichs vom Gebärmutterhals zur Früherkennung der Vorstufen einer bösartigen Erkrankung
- Untersuchung der Brustdrüsen mit Lymphknoten ab dem 30. Lebensjahr zur Früherkennung eines Brustdrüsenkarzinoms
- Untersuchung des Enddarms inklusive eines Tests auf verborgenes Blut als Früherkennung von Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms ab dem 50. Lebensjahr.
- Ab dem 55. Lebensjahr sollte eine Darmspiegelung (Coloskopie) zur Vorsorge durchgeführt werden.

Würde jeder die Vorsorgemöglichkeiten in Anspruch nehmen, könnten 80% der bösartigen Erkrankungen des Darmes vermieden werden.