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Juckreiz und Brennen im Genitalbereich

1. Einleitung

Juckreiz und Brennen im Genitalbereich sind Symptome, über die in der Frauenarztpraxis oft geklagt werden. Aber nicht jede Frau traut sich aus Scham über Beschwerden in diesem Bereich, den Arzt anzusprechen. Ursache dieser Beschwerden sind Infektionen, Allergien, Hauterkrankungen und zum Glück sehr selten Krebs der Schamlippen und dessen Vorstufen. Viele dieser Erkrankungen sind gut behandelbar, wenn rechtzeitig die richtige Diagnose gestellt wird.

2. Juckreiz und Brennen im Genitalbereich – Prävalenz

Fast drei Viertel aller Frauen leidet mindestens einmal in ihrem Leben unter Juckreiz der Scheide oder der Schamlippen, die durch eine Pilzinfektion verursacht werden. Manche Frauen haben mehrere Scheidenpilzinfektionen im Jahr. Für den Lichen sclerosus, eine Hauterkrankung, die vermutlich durch eine Autoimmunerkrankung verursacht wird, gibt es keine genauen Angaben.Der geschulte Frauenarzt kann diese Hauterkrankung nicht selten diagnostizieren. Auch Allergien oder Hautirritationen, die durch falsche Intimpflege verursacht werden, kommen in der gynäkologischen Praxis regelmäßig vor. An Krebs der Schamlippen (sog. Vulvakarzinom) erkranken etwa 3500 bis 4000 Frauen pro Jahr in Deutschland, im Vergleich dazu erkranken 57.000 Frauen pro Jahr an Brustkrebs. Vorstufen von Vulvakarzinom findet man häufiger.

3. Vaginalmykosen (Scheidenpilz)


Beschwerden einer Scheidenpilzinfektion sind häufig Juckreiz in der Scheide oder an den Schamlippen, sowie ein weißer krümeliger Ausfluss. Erreger ist meistens Candida albicans, andere Pilzarten sind eher selten. Nicht immer ist eindeutig, warum sich eine Pilzinfektion entwickelt. Es gibt verschiedene Ursachen von Pilzinfektionen wie z. B. Therapie mit Antibiotika, Hormonschwankungen, enge und luftundurchlässige Kleidung, Geschlechtsverkehr, falsche Intimhygiene, aber auch Grunderkrankungen wie z. B. die Zuckerkrankheit. Der Pilz Candida albicans besiedelt den menschlichen Darm und infiziert hauptsächlich feuchte Körperstellen. Pilze stammen meistens aus der eigenen Stuhlflora, nicht vom Partner oder aus dem Schwimmbad. Therapeutisch werden sogenannte Antimykotika verwendet, die in Form von Scheidenzäpfchen oder Cremes lokal angewandt werden. In 80% der Fälle tritt eine Heilung ein. Beim Versagen dieser lokalen Therapie können auch Tabletten gegeben werden. Eine Partnertherapie ist nur erforderlich, wenn wiederholt Juckreiz verursacht durch Pilzinfektionen auftreten. Umstritten sind das Einführen von Joghurttampons und auch eine Impfung bei wiederholten Infektionen. Um Juckreiz vorzubeugen sollte der Genitalbereich mit klarem Wasser gewaschen werden. Manche Frauen neigen zu übertriebener Intimhygiene, die dann durch zu häufigeswaschen Hautirritationen und somit Juckreiz verursachen kann.

4. Allergische Hautreaktionen

Durch den Gebrauch von Slipeinlagen, die ein luftundurchlässiges Milieu verursachen und durch die Beifügung von Duftstoffen können ebenfalls Juckreiz und allergische Reaktionen auftreten. Ebenso kann das Anwenden von pH- neutralen Waschlotionen und sehr häufiges Waschen die Haut schädigen.

5. Hauterkrankungen

Bekannte Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte können auch im Genitalbereich zu Juckreiz und Brennen führen. Durch ihr typisches Erscheinungsbild sind sie oft leicht zu erkennen. Eine weitere Hauterkrankung, die vermutlich durch eine Autoimmunerkrankung verursacht wird, ist der Lichen sclerosus. Typisch ist die porzellanartige Weißfärbung und sklerotische Umwandlung (Verhornung) der betroffenen Haut. Der Hautveränderung liegt eine Sklerose (Verhärtung) des unter der obersten Hautschicht liegenden kollagenen Bindegewebes zugrunde. Die sich daraus entwickelnde Atrophie (Verlust von Gewebe) ist bei Frauen durch Schrumpfung z. B. der Schamlippen (der großen oder kleinen Labien, der Klitoris und der Klitorisvorhaut) gekennzeichnet. Bei Männern entsteht durch die sklerotische Schrumpfung der Vorhaut eine Phimose (Vorhautverengung), gelegentlich ist dabei auch das erste Symptom eine Verklebung der Vorhaut mit der Eichel, was beim Geschlechtsverkehr zu Schmerzen und Blutungen führen kann. Die Krankheit kann in Schüben verlaufen, sodass immer wieder Phasen ohne Beschwerden auftreten. Da aber auch eine 5% Wahrscheinlichkeit auf eine Krebsentwicklung gegeben ist, sollten regelmässig Kontrollen erfolgen. Die Diagnose wird mit Hilfe einer Biopsie gestellt. Hierbei wird nach örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe entnommen. Wenn nur ein umschriebenes Areal abgeklärt werden muss, dann kann der Eingriff in der Praxis gemacht werden, bei mehreren Stellen werden einige Proben entnommen, am besten ambulant in einer Kurznarkose (sog. Vulvamapping). Die Therapie erfolgt mit Kortisonsalben, welche meist nur über einige Wochen angewandt werden müssen, sodass sich die Haut wieder regenerieren kann. Bei stark ausgeprägten Befunden, kann oft keine Heilung mehr erzielt werden.

6. Vulvakarzinom

Im frühen Stadium der Erkrankung treten oft weiße, seltener braune Flecken oder auch Warzen auf. Meist wird das Vulvakarzinom jedoch erst in einem fortgeschrittenem Stadium auffällig (blutiger Ausfluss, wiederkehrender Juckreiz oder spürbare Knoten und Geschwüre). Chronischer Juckreiz an umschriebenen Stellen tritt meist schon bei präkanzerösen Veränderungen (VIN) auf. Bei dem Verdacht auf bösartige Zellveränderungen muss eine Gewebeprobe entnommen werden. Eine Therapie erfolgt abhängig vom Tumorstadium.

7. Zusammenfassung

Juckreiz und Brennen im Genitalbereich sind Symptome, über die viele Frauen nicht gern sprechen. Da aber viele unterschiedliche Ursachen vorliegen können, ist es wichtig, mit dem Frauenarzt diese Beschwerden zu besprechen, denn mit der richtigen Therapie kann Juckreiz und Brennen im Genitalbereich beseitigt oder deutlich verringert werden. Wichtig ist bei allen oben erwähnten Erkrankungen eine vernünftige, nicht übertriebene Intimpflege. Vorteilhaft hat sich eine Hautpflege auf Vaselinebasis erwiesen, d. h. möglichst nur einmal täglich mit Wasser waschen und die Haut mit einer Fettpflege schützen. Weiterhin sinnvoll um Juckreiz und Brennen im Genitalbereich zu verhindern sind das Tragen von Baumwollunterwäsche und das Vermeiden von Slipeinlagen.