Herrenstr. 23
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Diagnostik von gynäkologischen Blutungsstörungen

Störungen der Blutungsfrequenz lassen sich zunächst grob wie folgt unterteilen:

Amenorrhoe - die Blutungen bleiben aus;
Oligomenorrhoe – die Blutungen kommen zu selten;
Polymenorrhoe – die Blutungen kommen zu oft

1. Amenorrhoe

Bei einer Amenorrhoe muss zunächst unterschieden werden, ob eine solche Störung primär oder sekundär ist. Eine primäre Amenorrhoe bedeutet, dass bis zum 16. Lebensjahr keine Periodenblutung aufgetreten ist. Ursache hierfür ist oft Fehlbildung der inneren Genitalorgane. Differentialdiagnostisch muss aber immer auch an ein zu geringes Körpergewicht (z. B. im Rahmen einer Essstörung) oder exzessives Sportverhalten gedacht werden.

Als erste Abklärungsmaßnahme sollten zunächst ein Ultraschall (am besten von vaginal) und zur weiteren Abklärung ggf. eine Spiegelung der Gebärmutter (Hysteroskopie) und/oder eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt werden.

Bei einer nicht geklärten organischen Ursache einer Blutungsstörung kann zunächst ein Gestagen- oder ein kombinierter Östrogen-Gestagen-Test durchgeführt werden. Beim Gestagentest werden über 10-14 Tage lang Gelbkörperhormone gegeben. Danach kommt es zu einer sogenannten Entzugsblutung, wenn die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) unter dem körpereigenen Östrogeneinfluss ausreichend aufgebaut worden ist. Fällt dieser Test negativ aus, besteht der Verdacht auf einen ungenügenden Aufbau der Schleimhaut infolge eines Östrogenmangels (Ovarialinsuffizienz) oder einer Fehlbildung der Gebärmutter. In einem solchen Fall sollte dann ein Östrogen-Gestagen-Test (sequentielle Gabe von Östrogenen und Gelbkörperhormonen) erfolgen. Wenn eine Woche nach Absetzen der Medikamente keine Blutung erfolgt, muss davon ausgegangen werden, dass kein funktionsfähiges Endometrium vorliegt.

Wenn die Blutung nach einem mehr oder weniger regelmäßigen Zyklus über eine gewisse Zeit über mehr als drei Monate ausbleibt, spricht man von sekundärer Amenorrhoe. Sind die Blutungsintervalle länger als 35 Tage auseinander spricht man von einer Oligomenorrhoe.

Bei einer sek. Amenorrhoe sollte immer zunächst eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Es sollte dann eine Hormonbasisanalyse (optimaler Weise zwischen den 3. – 5. Zyklustag, morgens) durchgeführt werden. Hierbei werden im Rahmen einer Blutentnahme die Hormone der Hirnanhangsdrüse, der Schilddrüse, der Nebennierenrinde und der Eierstöcke (Ovarien) bestimmt.

2. Diagnose

Je nach Befund müssen weitere hormonelle Stimulations- bzw. Suppressionstests zur näheren Bestimmung der Ebene der Funktionsstörung, die zu einer Blutungsstörung geführt hat, veranlasst werden. Bei Störungen der Bildung von Schilddrüsenhormonen oder der des Milchbildungshormons (Prolaktin) kann bereits eine medikamentöse Korrektur zu einer gewünschten Zyklusregulierung führen. Häufig entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion infolge eines Jodmangels. Das Prolaktin kann infolge von Medikamenteneinnahme (Antidepressiva, Neuroleptika, Magenschutzmittel) erhöht sein. Bei exzessiv erhöhten Prolaktinwerten muss immer auch an einen Tumor der Hirnanhangsdrüse gedacht werden (dieser kann bei entsprechender Größe und Lage auch Kopfschmerzen und Gesichtsfeldausfälle verursachen).

3. Ursachen

Eine häufige Ursache von Blutungsstörung im Bereich der Eierstöcke ist eine sogenannte Hyperandrogenämie (zuviel an männlichen Hormonen), was oft im Rahmen eines sogenannten PCO-Syndroms (Polyzystisches-Ovar- Syndrom) auftreten kann. Dies kommt bei bis zu 10% der fortpflanzungsfähigen Frauen vor. Klinische Zeichen für eine Hyperandrogenämie können neben einer Störung des Menstruationszyklus vermehrter Haarwuchs am Körper und im Gesicht (Hirsutismus), vermehrter Haarausfall (Alopezie) und Aknebildung sein. Sonographisch finden sich bei der Untersuchung oft vergrößerte Eierstöcke mit vielen kleinen Eibläschen (Follikeln), welche perlschnurartig in der Rinde des Eierstocks aufgereiht sind.

Bei einer Hyperandrogenämie, die von der Nebennierenrinde ausgeht, sollte immer ein Enzymdefekt (21-Hydroxylase- Defekt, Adrenogenitales Syndrom), der auch genetisch bedingt sein kann und somit auch an die Nachfahren weitervererbt werden kann, gedacht werden.

Eine der Hauptursachen einer Eierstocksfunktionsstörung und damit in Folge einer konsekutiven Blutungsstörung, die von der Hirnanhangsdrüse ausgeht, ist eine sogenannte hypergonadotrope Ovarialinsuffizienz. Ursache hierfür ist ein physiologisches Nachlassen der Eierstocksfunktion (oft schon ab dem 35. Lebensjahr). Die Intervalle zwischen den Blutungen werden oftunregelmäßig; zunächst werden die Blutungsintervalle verkürzt (Polymenorrhoe, Zyklusdauer < 22 Tage), später verlängert (Oligomenorrhoe). Im Hormonlabor zeigt sich dann oft ein erhöhtes FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und ein niedriger Östrogenspiegel. Eine Polymenorrhoe findet also oft in hormonellen Umstellungsphasen (Pubertät, beginnende Wechseljahre) statt.

Neben den Störungen der Blutungsfrequenz, kann es ebenso zu Störungen der Zyklusstabilität, die sich in verlängerten Schmierblutungsphasen (Menorrhagien) und in Zwischenblutungen (Metrorrhagien) äußern können. Ebenso wie bei den oben beschriebenen Formen der Blutungsstörungen können auch hier anatomische oder endokrine Ursachen vorliegen. Daneben sollte auch an allgemeine Erkrankungen (z. B. Gerinnungsstörungen), an eine Entzündung (sogenannte Endometritis) z. B. bei einer liegenden Spirale oder gelegentlich auch an das Vorliegen einer bösartigen Erkrankung (z. B. Corpuskarzinom) gedacht werden.

Weitere Formen von Blutungsstörungen können sich in sehr starken oder sehr schwachen Blutungen niederschlagen oder auch durch starke Menstruationsschmerzen gekennzeichnet sein. Auch hierbei ist das diagnostische Vorgehen ähnlich wie oben beschrieben.

4. Therapie

Eine Therapie der Blutungsstörungen erfolgt nach der Diagnostik, je nach Ursache und je nach Lebensphase und Wunsch der Patientin ursächlich oder lediglich symptomatisch. Hierbei ist als erstes zu klären, ob ein aktueller Kinderwunsch oder optional überhaupt ein Kinderwunsch vorliegt, bzw. wann dieser verwirklicht werden soll. Wenn anatomische Ursachen für die Blutungsstörung vorliegen, können oftmals das diagnostische und das operativ-therapeutische Vorgehen (Spiegelung der Gebärmutter, Ausschabung) miteinander kombiniert werden. Diese Eingriffe können zum großen Teil auch ambulant in einer Kurznarkose von einem ambulant operativ tätigen Frauenarzt durchgeführt werden. Alternativ zum operativen Vorgehen oder auch im Anschluss einer operativen Therapie können je nach Befund endokrine Maßnahmen im Sinne einer Hormontherapie vorgenommen werden, welche dann individuell auf die Bedürfnisse der Patientin, auf den Leidensdruck infolge der Blutungsstörung und auf das potentielle Risiko der Therapie abgestimmt sein sollten