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Das schmerzhafte Handgelenk

1.    Einleitung

Das Handgelenk dient dazu, die Hand und die Finger zum Greifen und Arbeiten, zum festen Zupacken und zum feinen Präzisionsgriff in die richtige Position zu bringen und in dieser Position zu stabilisieren. Es ist also gleichzeitig Beweglichkeit und Stabilität erforderlich. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte hat sich das Handgelenk an die Aufgaben, die mit der Entwicklung der Hand als Greifwerkzeug verbunden sind, angepasst. Besonders die Drehung des Unterarmes ist in der Evolution erst beim Menschen vollständig entwickelt. Die vielfältigen Aufgaben der Hand spiegeln sich in der komplizierten Struktur des Handgelenkes wieder, das aus mehreren Untereinheiten besteht. Den ersten Teil des Gelenkes bildet die Speiche als Teil des Unterarmes auf der einen Seite mit der ersten Reihe der Handwurzelknochen, bestehend aus Kahnbein, Mondbein und Dreieckbein. Der zweite Teil des Handgelenkes liegt zwischen dieser ersten Reihe von Handwurzelknochen und den übrigen Handwurzelknochen der zweiten Reihe (großes und kleines Vieleckbein, Hauptbein und Hakenbein). Außerdem ist die Drehung der Hand durch Bewegung der Speiche um die Elle herum möglich. Diese Bewegungen werden durch Bänder gesteuert, die dem Handgelenk besonders in den Endstellungen des Bewegungsausmaßes die notwendige Stabilität geben. In den mittleren Stellungen, die vorwiegend zur Kraftentwicklung notwendig sind, wird die Stabilität durch die Sehnen gewährleistet, die das Handgelenk von außen umspannen, wie die Seile den Mast eines Segelschiffes vertäuen. Die Muskeln, die diese Sehnen anspannen, liegen ausschließlich am Unterarm. Man kann am eigenen Arm feststellen, dass sich durch Anspannung der Muskulatur das Handgelenk stabilisiert. Durch diese Stabilisierungsmechanismen können Schädigungen der Bänder teilweise ausgeglichen werden, da ein Teil der Stabilität durch entsprechende Muskelanspannung erreicht werden kann.

2.    Ursachen

Schmerzen am Handgelenk können durch Schäden dieses komplizierten mechanischen Gebildes entstehen und können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein.

Verletzungen von Knochen und Bändern:
Am häufigsten sind hier der Bruch der Speiche (Radius) oder ein Bruch des Kahnbeines zu verzeichnen. Die Speiche heilt nach einem Bruch unter Gipsbehandlung häufig mit Verkürzung oder Verkippung. Diese Fehlstellung wird manchmal ohne Schmerzen toleriert, kann aber auch sehr unangenehme Beschwerden auslösen. Eine Verletzung der Bänder kann zu Gelenkschäden führen, da die präzise Führung der Knochen beim Bewegen des Handgelenkes nicht mehr gewährleistet ist. In bestimmten Stellungen des Handgelenkes verschieben sich die Knochen so gegeneinander, dass sich der Knorpel abreibt. Da diese Stellungen im Alltag nur gelegentlich eingenommen werden, tritt dieser Knorpelschaden langsam im Laufe vieler Jahre ein. Dieser Knorpelschaden wird als Arthrose bezeichnet. Schmerzen treten erst auf, wenn sich durch den verstärkten Abrieb des Knorpels, der dann nicht mehr glatt und geschmeidig ist, eine Entzündung entwickelt. Diese Arthrose ist sehr oft auf bestimmte Teile des Handgelenkes beschränkt. Schmerzen im Handgelenk können also auf eine lange Zeit zurückliegende, schon längst vergessene Verstauchung und daraus folgende Bandverletzung zurückzuführen sein.
Alters- oder belastungsbedingte Abnutzung:
Diese betrifft nur in seltenen Fällen das ganze Handgelenk. Zur operativen  Behandlung kann nur der beschädigte Teil des Handgelenkes durch eine Teilversteifung still gelegt werden. Eine besondere Form der Abnutzung des Handgelenkes spielt sich im Bereich des sogenannten Diskus ab, einem Gewebe, das zwischen dem Kopf des Ellenknochens am Handgelenk und den Handwurzelknochen eine Pufferfunktion ausübt. Dieses Diskusgewebe unterliegt einem natürlichen Abrieb, ohne dass Schmerzen auftreten. Übermäßiger Verschleiß führt aber zu Beschwerden. In der Umgebung des Diskus finden sich besondere Bänder, die Elle und Speiche und Elle und Handwurzel miteinander verbinden und die weniger durch Abnutzung, sondern eher durch Verletzungen beschädigt werden können.

Entzündliche Gelenkerkrankungen:
Entzündliche Veränderungen der Gelenkinnenhaut führen zu Ansammlung von Flüssigkeit, Schwellung und Schmerzhaftigkeit. Ursache kann eine rheumatische Gelenkerkrankung bei Polyarthritis, eine Gicht (erhöhte Harnsäure im Blut mit Kristallablagerungen in den Gelenken) oder einer sogenannte Kalk- Gicht sein. Eitrige Entzündungen des Handgelenkes sind äußerst selten, bedürfen aber einer frühzeitigen intensiven operativen und medikamentösen Behandlung und sind als sehr seltene, aber gefährliche Erkrankung anzusehen.

3.    Behandlung

Zur Klärung des Symptoms Handgelenksschmerz wurden bestimmte Krankheitsbilder, beziehungsweise Verletzungsmuster herausgearbeitet, die nach einer präzisen Diagnose eine erfolgreiche Therapie möglich machen. An konservativen Maßnahmen steht neben örtlicher Eis- oder Kälteanwendung und Salbenapplikation die Stabilisierung durch verschiedene Schienen und Bandagen zur Verfügung. Gezieltes Aufbautraining kann das Handgelenk  muskulär stabilisieren. Bei Versagen dieser konservativen Behandlung kommen operative Maßnahmen in Betracht.

Knochenbrüche können heute in vielen Fällen frühzeitig durch eine Operation stabil durch innere Schienung versorgt werden und dadurch in korrekter Stellung ausheilen. Die innere Schienung vermeidet eine langwierige Ruhigstellung im Gipsverband und erreicht eine schnellere und insgesamt bessere Heilung.

Etwas schwieriger ist die Behandlung der Bandverletzungen. Das komplizierte Bandsystem des Handgelenkes ist in vielen Fällen auch heute noch nicht hundertprozentig korrekt zu rekonstruieren, so dass Bandverletzungen des Handgelenkes nach wie vor ein therapeutisches Problem darstellen.

In der Behandlung der abnutzungsbedingten Veränderungen und auch in der Behandlung von Arthrosen aufgrund einer früheren Bandverletzung haben sich bestimmte Operationen bewährt, durch die nur ein bestimmter Teil des Handgelenkes versteift wird. Diese Operationen erhalten eine ausreichende Beweglichkeit des Handgelenkes und bessern oder beseitigen den arthrosebedingten Schmerz. Aufgrund dieser im Vergleich zu den anderen Gelenken des Körpers einzigartigen Situation ist eine vollständige Versteifung des Handgelenkes heute weitaus seltener notwendig als früher und auch die Verwendung einer Handgelenksprothese ist in vielen Fällen zu vermeiden. Die Ergebnisse nach Teilversteifungsoperationen sind auch über einen Zeitraum von inzwischen mehr als zehn Jahren sorgfältig nachuntersucht und haben dauerhaft Bestand. Die Ergebnisse nach Verwendung von Prothesen des Handgelenkes sind dagegen noch nicht ganz so zuverlässig.

Bereitet ein übermäßiger Abrieb des Gewebes zwischen Ellenkopf und Handwurzel (Diskus) Beschwerden, kann eine Entlastung dieses Gelenkes durch Minderung des Drucks, der beim Zugreifen entsteht, die Schmerzen beseitigen. Dieser Druck kann durch minimalinvasives Abfräsen einer schmalen Knochenscheibe oder durch Verkürzung des Ellenknochens insgesamt erreicht werde. Hier reicht schon eine minimale Verkürzung des Knochens um zwei Millimeter, um die pathologischen Druckverhältnisse zu normalisieren und die Ursache der Schmerzen zu beheben. Es gibt rund um den Ellenkopf herum, zahlreiche anatomische Variationen. In manchen Fällen führt eine auch nur gering zu lange Elle schon in jungen Jahren zu frühzeitigem Verschleiß dieses Gelenkes und macht einen korrigierenden Eingriff, in Form einer Verkürzung der Elle, notwendig. Dieses Verfahren der Ellenverkürzung hat sich in den letzten Jahren als sehr erfolgreich herausgestellt und zählt zu den etablierten Behandlungsmöglichkeiten.

Zur Behandlung des entzündlich veränderten Handgelenkes ist vor einer Operation eine sorgfältige Abklärung der Ursachen, besonders die Frage einer rheumatischen Erkrankung notwendig. Dann muss abgeklärt werden, wie weit eine Behandlung mit Medikamenten notwendig und erfolgsversprechend ist. In bestimmten Fällen kann durch eine arthroskopische, minimalivasive Entfernung des entzündeten Gewebes ein voller Behandlungserfolg erzielt werden und eine weitere entzündliche Zerstörung des Handgelenkes aufgehalten werden.

4.    Fazit

Die Behandlung der verschiedenen Krankheitsbilder, die Schmerzen am Handgelenk verursachen, hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, so dass die Betroffenen die Hand in Sport oder Beruf wieder belasten können.