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Das Burnout- Syndrom

Es scheint ein Phänomen unserer Zeit zu sein, dass immer mehr Menschen in den Zustand einer Erschöpfung geraten, dem Burnout- Syndrom erliegen.
Die Betroffenen leiden unter chronischem Stress und fühlen allmählich das Nachlassen ihrer emotionalen, geistigen und körperlichen Kräfte.
Das Burnout Problem hat eine große sozioökonomische und gesundheitspolitische Bedeutung erlangt.
Es ist als Phänomen in der Menschheitsgeschichte sicher nicht neu. Bereits im Alten Testament wird umschrieben, was wir heute unter dem Begriff „Burnout“ definieren: „Da sprach der Schwiegervater Moses zu ihm: Die Sache ist nicht gut, die du tust; du wirst ganz erschlaffen, sowohl du, als auch dieses Volk, das bei dir ist; denn die Sache ist zu schwer für dich, du kannst sie nicht allein ausrichten.“ (2. Mose 18, 17-18).
Der amerikanische Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger definierte 1974 erstmals Burnout als „Nachlassen beziehungsweise Schwinden von Kräften oder Erschöpfung durch übermäßige Beanspruchung der eigenen Energie, Kräfte oder Ressourcen.‘‘

1. Verbreitung von Burnout
In den letzten Jahren wurde der Begriff des „Burnout“ durch Berichte von betroffenen Prominenten aus dem Bereich Sport, Kultur, Politik und Unterhaltung immer bekannter.
Leiden wirklich immer mehr Menschen unter dem „Ausgebranntsein“? Oder scheint es nur so?
Die AOK veröffentlichte durch ihr Wissenschaftliches Institut im April 2011 Zahlen, aus denen hervorgeht, dass die Krankheitsfehltage aufgrund der Diagnose eines Burnout-Syndroms im Zeitraum von 2004 bis 2010 um das Neunfache auf insgesamt 1,8 Millionen Tage zugenommen haben. Selbst wenn hier eine unscharfe Definition des Begriffs vorliegt und möglicherweise auch andere Erkrankungen dazu beigetragen haben, so scheinen doch eine beträchtliche Zahl von Menschen betroffen zu sein.
Insbesondere Menschen mit hohen Erwartungen an sich selbst, Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft und Neigung zu Perfektionismus sind gefährdet. Ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung und das Gefühl der Unersetzlichkeit am Arbeitsplatz fördern Burnout. Auch die Verhältnisse am Arbeitsplatz scheinen relevant, wie zum Beispiel ein hohes, nicht zu bewältigendes Arbeitspensum sowie mangelnde Wertschätzung, Unterstützung und Anerkennung.
In letzter Zeit beobachtet man, dass das Burnout durch Arbeitsverdichtung, allgemeine Beschleunigung des Lebens im privaten und beruflichen Umfeld sowie zunehmenden Freizeitstress weitere Kreise der Bevölkerung befällt.
Die zu verarbeitende Informationsflut erscheint schier unermesslich und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt viele Menschen, insbesondere berufstätige Frauen, vor große Herausforderungen. Der gesundheitsförderliche Rhythmus zwischen Anspannung und Entspannung findet keine Beachtung mehr oder kann nicht mehr umgesetzt werden.

2. Diagnose Burnout – Abgrenzung zu anderen Krankheiten
Ein Burnout entwickelt sich langsam und schleichend über Monate und Jahre. Die Betroffenen leiden subjektiv erheblich unter gesundheitlichen Problemen und reduzierter Arbeitsleistung.
Die Symptome sind vielfältig. Deshalb ist es von großer Bedeutung, das Burnout, von anderen Erkrankungen abzugrenzen.
Eine häufige Krankheit mit ähnlichen Symptomen ist die Depression. Burnout und Depression scheinen häufig zusammenzuhängen bzw. sich in den Symptomen zu überlappen.
Auch verschiedene andere Krankheiten, wie Diabetes mellitus, Herzkreislaufkrankheiten, Stoffwechselstörungen, Krebserkrankungen, Vitaminmangel, ungesunde Ernährung, Multiple Sklerose, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und viele andere Störungen innerer Organe können ähnliche Symptome wie das Burnout erzeugen oder miteinander zusammenhängen. In der wissenschaftlichen Medizin ist es bisher nicht gelungen, eine scharfe Abgrenzung des Begriffs Burnout zu anderen Diagnosen zu definieren. Hier besteht noch beträchtlicher Forschungsbedarf. Auch sind die volkswirtschaftlichen und psychosozialen Auswirkungen auf die Burnout- Betroffenen und deren Umgebung (Familie, Arbeitswelt) nicht erforscht.

3. Burnout Symptome - Warnsignale
In der Frühphase eines Burnouts entsteht das Gefühl des Ausgebranntseins, der Erschöpfung und der Frustration. Oft geht die Fähigkeit, sich zu erholen, verloren.
Später können Gereiztheit, Gleichgültigkeit bis hin zu Gefühllosigkeit gegenüber dem Beruf und anderen Menschen hinzukommen, was oft als Zustand der emotionalen Erschöpfung beschrieben wird.
Zwischenmenschliche Kontakte werden zunehmend vermieden.
Ohne Abhilfe schreitet der Prozess mit folgenden Symptomen fort: Verlust des Selbstvertrauens, negative Selbsteinschätzung, Pessimismus, Sarkasmus, reduzierte Leistungsfähigkeit, Verlust eigener Kompetenzen, Rückzug und Arbeitsunfähigkeit.
Betroffene können emotional verflachen, das soziale und geistige Leben kann verarmen. Psychosomatische Reaktionen und Verzweiflung treten auf.

4. Behandlung bei Burnout
Die Behandlung eines Burnout- Syndroms richtet sich nach der Schwere
der Störung, wobei bei leichterer Ausprägung die Gesprächstherapie im Vordergrund steht.
Die Änderung bestimmter Lebensgewohnheiten und eine „Optimierung der Work- Life- Balance“ ist anzustreben:
- Das Prinzip der Erholung durch Entspannung und Sport. Vermeidung von Freizeitstress.
- Stress- Abbau und Anpassung der Arbeitsanforderungen an die eigene Leistungsfähigkeit.
- Verabschiedung von Perfektionsvorstellungen.


Liegt ein stärkerer Leidensdruck vor, sind psychotherapeutische Interventionen sowohl ambulant als auch stationär, eventuell kombiniert mit Medikamenten gegen Depression angezeigt.
Auch die Verabreichung von Vitaminen, Mineralstoffen, Homöopathika, Injektionen, Infusionen oder Akupunktur können helfen. Gezielte Physiotherapie, Massagen und Entspannungstechniken kommen zur Anwendung.
Bei der Psychotherapie liegt der Schwerpunkt auf dem erfahrungsorientierten, nachhaltigen Lernen. Das heißt, der Burnout- Betroffene macht in der praktischen Verhaltenstherapie die Erfahrung, dass dieses oder jenes Verhalten ihm hilft oder schadet.
Nichts prägt nachhaltiger, als die eigene Erfahrung: „Gebranntes Kind scheut das Feuer“.

5. Prävention eines Burnouts
Neben der Beachtung der bereits erwähnten therapeutischen Prinzipien sind vor allem betriebliche Maßnahmen der Gesundheitsförderung und der Arbeitsgestaltung empfehlenswert, beispielsweise die Reduzierung der Arbeitsverdichtung, die Einführung von humanen Arbeitszeitmodellen und andere arbeitsorganisatorische Maßnahmen.