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Darmkrebs- Früherkennung kann Leben retten

1. Hintergrund


Darmkrebs entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich langsam im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten. Erste Warnzeichen von Darmkrebs können Blutbeimengungen, Schleimabsonderung im Stuhl oder auch veränderte Stuhlgewohnheiten wie länger anhaltende Durchfälle und chronische Verstopfung sein. Wer entsprechende Symptome bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen, der weiterführende Untersuchungen veranlassen kann.
Wird Darmkrebs in einem frühen Stadium entdeckt, so sind die Heilungsaussichten sehr gut. Mithilfe der Angebote zur Darmkrebs-Früherkennung stehen wirksame Möglichkeiten zur Prävention von Darmkrebs zur Verfügung.


2. Früherkennungsangebote


In Deutschland haben Männer und Frauen ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf Früherkennungsuntersuchungen. Dazu gehört der Test auf verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl und ab dem Alter von 55 die Darmspiegelung (Koloskopie).


3. Ansprechpartner


Darmkrebs- Früherkennungsuntersuchungen können vom Hausarzt veranlasst werden, bei Frauen wird oft auch der behandelnde Gynäkologe tätig. Sie geben ihren Patienten/innen Tests auf Blut im Stuhl mit, die zuhause durchgeführt werden können. Dort werden bei drei verschiedenen Stuhlgängen an unterschiedlichen Tagen Stuhlproben auf Testbriefchen aufgebracht und dann verschlossen dem Arzt übergeben. Im Labor werden diese dann ausgewertet.
Die Darmspiegelung erfolgt hingegen nur auf Überweisung an Ärzte, die eine besondere Weiterbildung und ein Zertifizierungsverfahren für die Früherkennungs- Koloskopie durchlaufen haben.


4. Darmkrebs- Früherkennungs- Koloskopie


Warum eine Darmkrebs- Früherkennungs- Koloskopie?
Eine auffällige Tastuntersuchung oder auch ein positiver Blutnachweis im Stuhl bedeutet nicht gleich Darmkrebs. Nur bei einem von 10 Menschen, bei denen der Test angeschlagen hat, wird tatsächlich ein bösartiger Tumor entdeckt. Bei den übrigen hat die Blutung andere Ursachen, wie beispielsweise Hämorrhoiden oder entzündliche Darmerkrankungen. Aber auch bei einem primär negativen Testergebnis kann hingegen eine Darmkrebserkrankung vorliegen. Eine Koloskopie kann hier Aufschluss geben.


Wer kann die Darmkrebs- Früherkennungs- Koloskopie wahrnehmen?

Veränderungen des Dickdarms können mit einer endoskopischen Untersuchung (Spiegelung) des gesamten Dickdarms am besten erkannt werden. Die Darmspiegelung ist daher seit Oktober 2002 Bestandteil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms: Alle gesetzlich Versicherten haben demnach ab dem 55. Geburtstag Anspruch auf eine Koloskopie, mit der sich auch Krebsvorstufen wie Polypen erkennen und gleich entfernen lassen.


Wie läuft die Darmkrebs - Früherkennungs- Koloskopie ab?
Um den Darm von innen zu betrachten zu können, ist vor der eigentlichen Untersuchung eine gründliche Darmreinigung notwendig. Was einige Tage vor der Koloskopie beim Essen beachtet werden muss, erklärt der durchführende Arzt. Das eigentliche Abführen muss heute fast immer erst am Nachmittag oder Abend vor der Untersuchung begonnen werden.
In der Regel wird die Koloskopie ambulant durchgeführt und dauert bei geübten und erfahrenen Untersuchern durchschnittlich nur 7 bis 15 Minuten. Mit Hilfe von weichen Schläuchen mit winzigen Kameras und Lichtquellen ist die Untersuchung nur selten schmerzhaft und belastet den Körper kaum.


Was bedeutet „sanfte Endoskopie“?
Wenn Patienten von vorneherein sehr empfindlich oder ängstlich sind, wenn länger dauernde Eingriffe geplant sind, wenn mit Verwachsungen durch vorhergehende Erkrankungen oder Operationen gerechnet werden muss oder der Patient bereits unangenehme Erfahrungen mit der Koloskopie gemacht hat, kann es sinnvoll sein, die Untersuchung mit Beruhigungsspritze oder Kurznarkose (Sedierung) durchzuführen.
Eine Sedierung ist für den Patienten sehr komfortabel: Er spürt von der Untersuchung nichts. Häufig wird auf Medikamente zurückgegriffen, bei denen der Patient nach Beendigung der Untersuchung sogar gleich wieder ansprechbar ist.


Welche Komplikationen kann es bei einer Darmkrebs- Früherkennungskoloskopie geben?
Allgemein gilt die Koloskopie als risikoarme Untersuchung. Daten, die zwischen 2003 und 2008 im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung der Darmkrebs- Früherkennung gewonnen wurden, haben gezeigt, dass pro 1.000 Untersuchungen nur 2,7 Komplikationen aufgetreten sind.
Möglich sind Blutungen vor allem dann, wenn Darmkrebsvorstufen entfernt werden. Schwere Komplikationen, wie etwa ein Durchstechen des Darms sind sehr selten (höchstens einer von 10.000 Patienten).
Wird die Koloskopie unter Sedierung durchgeführt, so kann es sehr selten zu ernsthaften Herz- Kreislaufstörungen kommen. Während der Sedierung wird daher immer kontinuierlich Puls und Sauerstoffgehalt des Blutes gemessen.


Welchen Nutzen habe ich durch Teilnahme an der Darmkrebs- Früherkennungs-Koloskopie?
Bisherige Daten und Schätzungen seit der Einführung der Früherkennungs-Koloskopie im Oktober 2002 zeigen eindrucksvoll, wie sich dadurch Darmkrebsfälle verhindern bzw. bereits entstandener Darmkrebs in einem frühen, heilbaren Stadium erkennen lässt:
In Deutschland wurde im Jahr 2008 bei etwa jeder dritten Koloskopie (36%) ein Befund erhoben, bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen. Meist handelte es sich dabei um Darmkrebsvorstufen (Adenome) und am häufigsten kommen kleine Adenome (unter 5 mm) vor, die sich nur selten zu Darmkrebs fortentwickeln. Ein erhöhtes Entartungsrisiko haben die fortgeschrittenen Adenome, die bei 7 bis 10 von 100 Koloskopien gefunden werden. Bei etwa 1 von 100 koloskopierten Personen liegt Darmkrebs vor, wobei es sich in fast drei Viertel der Fälle um ein frühes und damit prognostisch günstiges Stadium handelt.
Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg schätzen, dass bis Ende 2010 durch die Früherkennungs- Koloskopie bei Personen im Alter von 55 bis 84 Jahren bundesweit 98.734 Darmkrebsfälle verhütet und weitere 47.168 Darmkrebserkrankungen frühzeitig, oft in einem heilbaren Stadium, erkannt sein werden. Die verhüteten Fälle wären ohne Entfernung der fortgeschrittenen Adenome im Mittel 10 Jahre nach der Früherkennungs- Koloskopie in Erscheinung getreten.


5. Alternativen zur Koloskopie


Wer sich gegen eine Koloskopie entscheidet, kann im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogrammes weiterhin im Abstand von zwei Jahren das Angebot des Tests auf verborgenes Blut im Stuhl wahrnehmen. Wurde eine Darmspiegelung durchgeführt, ist dies nicht mehr erforderlich. Aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit, dass sich bei unauffälliger Koloskopie innerhalb der nächsten 10 Jahre ein bösartiger Tumor entwickelt, wird bei symptomlosen Patienten eine nächste Koloskopie erst nach 10 Jahren empfohlen.


Neue Verfahren:
Virtuelle Koloskopie: Hier wird der Darm – ebenfalls nach gründlicher Reinigung – durch eine Computertomographie (CT) oder, seltener, durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Als nicht- invasives Untersuchungsverfahren hat sie eine niedrigere Komplikationsrate als die herkömmliche Koloskopie; Experten gehen allerdings heute davon aus, dass die Strahlenbelastung bei der Computertomographie den Nutzen derzeit nicht rechtfertigt und sehen diese nur im Ausnahmefall angezeigt , z. B. wenn eine Darmspiegelung als zu riskant oder belastend erscheint oder eine herkömmliche Koloskopie aufgrund von Narbenbildungen oder Verwachsungen nicht durchführbar ist. Werden bei der virtuellen Koloskopie Krebsvorstufen oder Tumoren entdeckt, muss dennoch eine herkömmliche Koloskopie oder offene Bauchoperation durchgeführt werden, um die Veränderungen zu entfernen.
Immunologische Stuhltests:
Hierbei handelt es sich um molekularbiologische Methoden zum Nachweis bestimmter „Marker“ im Stuhl. Dies können beispielsweise Bruchstücke von Krebszellen, Stücke von Erbmaterial (DNA) mit krebstypischen Veränderungen oder bestimmte Enzyme sein, die von Darmkrebszellen vermehrt gebildet werden. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse sind vielversprechend und werden daher von vielen Ärzten als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Dennoch ist die Diskussion um diese neuen Verfahren noch nicht abgeschlossen, da deren Nutzen zur Darmkrebs- Früherkennung noch nicht ausreichend durch wissenschaftliche Daten belegt ist.